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- Leseprobe -
Erhöhung der Leistungsfähigkeit von
Innovationssystemen durch Netzwerke
von Franz Pleschak
Der globale Wettbewerb zwingt insbesondere kleine und mittlere
Unternehmen, bei Forschung und Entwicklung, Fertigung und Vertrieb
verstärkt auf tiefere Arbeitsteilung und Kooperation zu setzen. Regionale
Netzwerke, zumeist durch öffentliche Förderung angestoßen, habe sich
als sinnvolle Kooperationsstrukturen vielerorts bereits bewährt. Dennoch
entstehen an den Schnittstellen der Zusammenarbeit häufig Probleme, die
nur durch ein sinnvolles Netzwerkmanagement in produktive Bahnen geleitet
werden können.
Stichworte:
Rahmenbedingungen, Zusammenwirken innovativer Potenziale in Netzwerken:
Akteure, Vorteile,
Kooperationen, Voraussetzungen,
Regionales Beispiel, Netzwerkkonstellationen,
Unterstützung von Netzwerken, Zusammenfassung.
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In diesem Beitrag
erfahren Sie:
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welche Unternehmen, Institutionen
und Personen sich an einem Netzwerk auf regionaler Ebene
beteiligen können,
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welche spezifischen Lerneffekte,
Innovation- und Marktvorteile sich durch Netzwerke ergeben,
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welche Aufgaben ein koordinierendes
Netzwerkmanagement zu erfüllen hat, und wie es mit möglichen
Konflikten umgehen kann,
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welche ungeschriebenen Regeln und
informellen Prozesse den Erfolg von Netzwerken beeinflussen,
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mit welchen Leistungen Netzwerke die
betreffende Region für die Ansiedlung junger Unternehmen
attraktiver machen,
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wie die Gründung von Netzwerken
wirkungsvoll öffentlich angeregt und unterstützt werden kann.
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Netzwerke als Rahmenbedingung zur
Bewältigung der Anforderungen an die Innovationstätigkeit
Innovationstätigkeit ist in mehrfacher Hinsicht durch Komplexität
gekennzeichnet. Das betrifft zunächst den Innovationsprozess. Dieser
reicht von der Idee für neue Produkte, Verfahren und
Organisationslösungen über die Forschung und Entwicklung, die
Fertigungsgestaltung und Markteinführung bis zur breiten
Marktdurchdringung. Es handelt sich um Problemlösungsprozesse, die durch
Risiko, Arbeitsteilung, zahlreiche Interaktionen mit dem Umfeld und
interdisziplinäre Zusammenarbeit gekennzeichnet sind. Die Generierung
neuen Wissens verlangt ein enges Zusammenspiel aller Beteiligten,
insbesondere bei anwendungsorientierter Grundlagenforschung und
industrieller Anwendung der F&E-Ergebnisse unterschiedlicher
wissenschaftlicher Disziplinen.
Des Weiteren erhöht sich die Komplexität neuer Technologien. Das stellt
nicht nur höhere Anforderungen an Wissen, Können und Erfahrungen der
F&E-Mitarbeiter, sondern zwingt auch zu einer intensiven Kommunikation
aller Innovationsakteure. Kooperation ist unerlässlich, wenn man sich den
technologischen Herausforderungen des internationalen Wettbewerbs stellen
will.
Auch die Entscheidungen der Innovationstätigkeit sind sehr komplexer
Natur. Sie erfordern - auf eine Einrichtung bezogen -
bereichsübergreifende Denkhaltungen und Arbeitsweisen und darüber hinaus
die Integration von Kunden, Zulieferern, Vertriebspartnern, Kapitalgebern
und anderen Umfeldakteuren in die Entscheidungsvorbereitung und -findung.
Gerade die Marktgegebenheiten und Kundenanforderungen setzen
wirtschaftliche, technische und zeitliche Maßstäbe für den gesamten
Innovationsprozess.
Die Arbeitsteilung in Innovationssystemen vertieft sich. Innovative kleine
und große Unternehmen, F&E-Dienstleister, Hochschulen,
außeruniversitäre F&E-Einrichtungen sowie externe spezialisierte
Industrieforschungseinrichtungen wirken im Innovationsprozess zusammen und
ergänzen sich in Netzwerken oder über direkte Kooperationsverträge
wieder zu ganzheitlichen Systemen. Dezentralisierung und Outsourcing
führen in großen Unternehmen zur Lockerung traditioneller
Organisationsformen und schaffen Möglichkeiten selbständigen
wirtschaftlichen Agierens spezialisierter Einheiten.
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Für
die tiefere Arbeitsteilung zwischen Innovationsakteuren sprechen
mehrere Faktoren [8]
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Kleine Unternehmen haben
wirtschaftlich nicht die Kraft, spezialisiertes F&E-Personal
zu finanzieren, seine Auslastung wäre zu gering;
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Mittlere und große Unternehmen
nutzen zeitweise zusätzliches Potenzial zur
Kapazitätserweiterung, um ihre Innovationskraft zu verstärken
oder Ergebnisse der Grundlagen- und angewandten Forschung in ihren
Innovationsprozess einzubringen;
-
Die zunehmende Komplexität und der
Systemcharakter der Produkte und Verfahren verlangen bei der
F&E Spezialkenntnisse und Erfahrungen auf vielen
naturwissenschaftlich-technischen Gebieten, über die ein
einzelnes Unternehmen nicht verfügt;
-
Für F&E sind spezielle Geräte
und Apparate, Arbeitsverfahren, Informationen erforderlich, deren
Ausnutzung den Wirtschaftlichkeitserfordernissen nicht gerecht
wird und die sich oft auch billiger und schneller extern als
intern beschaffen lassen;
-
Spezialisierung bringt Vorteile
einerseits durch Kompetenzgewinn, Synergieeffekte, Risikoteilung
und Kapazitätsergänzung. Andererseits stimuliert Spezialisierung
auch Lerneffekte bei den Partnern und engere Verbindungen von
Forschung und industrieller Nutzbarmachung der
Forschungsergebnisse;
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Die Tendenzen zur Konzentration auf
Kerngeschäfte führen zum Auslagern von solchen
Tätigkeitsgebieten, die selbst nicht mit hoher Effizienz
ausführbar sind.
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Die tiefere Arbeitsteilung im Innovationsprozess zwingt zu verstärkten
Kooperationsbemühungen. Das gilt insbesondere für das Zusammenwirken von
kleinen und mittleren Unternehmen sowie externen
Industrieforschungseinrichtungen. Nur wandlungsfähige,
kooperationswillige und -fähige F&E-Einrichtungen beziehungsweise
Unternehmen sind dauerhaft wettbewerbsfähig. Nicht ein einzelner
Innovator, sondern das gesamte Innovationssystem, verstanden als
Beziehungsgeflecht zwischen den innovationsrelevanten Akteuren, bestimmen
den Wert einer Innovation. Gerade in Ostdeutschland zwingt die
kleinbetriebliche Industriestruktur zu hoher Kooperation und Vernetzung,
um innovative Entwicklungen zu ermöglichen.
Netzwerke als spezielle Ausprägung der Kooperation bündeln
komplementäre Ressourcen, verschiedene Akteure und arbeitsteilig
aufeinander bezogene Aktivitäten im Innovationsprozess hinsichtlich
gemeinsamer Ziele. Dies geschieht im Rahmen einer Kooperation, die nicht
zwangsläufig formal geregelt sein muss. Die Synergien zwischen den
Netzwerkakteuren mindern deren Risiko und beschleunigen den
F&E-Prozess. Der sich im Netzwerk vollziehende Wissens- und
Technologietransfer unterstützt die Qualifizierung des Personals.
Netzwerke können günstige Rahmenbedingung für die Beherrschung von
Innovationsanforderungen wie Komplexität, Interdisziplinarität und
Ganzheitlichkeit schaffen [4]. Die Überwindung der »Unverflochtenheit«
von Unternehmen ist eine zentrale Aufgabe des Innovationsmanagements [2].
Zusammenwirken
innovativer Potenziale in Netzwerken
Netzwerkakteure
Kleine und mittlere innovative Unternehmen beziehungsweise
F&E-Einrichtungen haben allein nicht die wirtschaftliche Kraft, den
Anforderungen des internationalen Innovationswettbewerbs gerecht zu
werden. Sie verfügen nicht über die Spezialisten der verschiedenen
Technikgebiete und wissenschaftlichen Disziplinen, um der erforderlichen
Interdisziplinarität der F&E und dem Systemcharakter der Innovationen
zu entsprechen. Die Verzahnung zur Grundlagenforschung ist für sie ein
Problem, weil die Finanzierungskraft nicht ausreicht. Auch bei der
Internationalisierung von Innovationsprozessen haben die kleinen und
mittleren Unternehmen (KMU) oft Probleme. Eine internationale Orientierung
ist aber notwendig, um Zugang zur Spitzenforschung zu erreichen und neue
Märkte zu erschließen. Kleinen Unternehmen fällt es auch schwer, die
Vorteile der Arbeitsteilung wirksam zu machen, leistungsfähige Geräte
und Apparaturen zu finanzieren sowie Kostenvorteile durch höhere
Produktionsmengen zu erreichen. Dennoch müssen sich auch KMU diesen
Anforderungen stellen, wollen sie wettbewerbsfähig sein.
Ein Weg zur Überwindung dieser Problemsituation kann das Zusammenwirken
folgender Innovationsakteure in Netzwerken sein (vgl. Abbildung 1):
-
Unternehmen, die gemeinsame Interessen bei F&E, Fertigung und
Vertrieb haben und durch Zusammenarbeit die Fähigkeit aufbauen,
Systemlösungen für Kunden anzubieten und zu vermarkten;
-
Hochschulen und außeruniversitäre Forschungseinrichtungen, die
einerseits an der Verwertung ihrer Ergebnisse aus der Grundlagen- und
angewandten Forschung interessiert sind, andererseits
Erfahrungsrückfluss aus der praktischen Anwendung und
Problemerkenntnisse der industriellen Nutzer benötigen;
-
Vertriebspartner, die durch ihre Kenntnis der Zielmärkte,
Kundenwünsche und -forderungen sowie der Gepflogenheiten der
Marktteilnehmer zur Markterschließung durch die Netzwerkpartner
beitragen, fest gefügte Marktstrukturen auflockern,
Marketing-Know-how vermitteln und dabei über Vertriebskooperation
selbst ihre Stellung auf dem Markt aufbauen;
-
Zulieferer, die in den Netzwerkakteuren Partner für stabile
Abnehmer-Zuliefer-Beziehungen finden und durch innovative
Entwicklungen (Maschinen, Materialien) zur Stärkung der
Innovationskraft des Netzwerks beitragen;
-
Kunden, die als Referenz- oder Schlüsselkunden wirken, als erste
vom Kundennutzen profitieren und zur Marktdiffusion beitragen;
-
Innovative Dienstleister, die entweder spezielles F&E-Know-how
einbringen oder als Berater helfen, betriebswirtschaftliche
Arbeitsmethoden einzuführen, Marktstudien durchzuführen oder durch
Prozessanalysen die Effizienz zu erhöhen;
-
Öffentliche Stellen, die dazu beitragen, die Netzwerke regional zu
verankern und daraus Impulse für die Entwicklung der Region ableiten;
-
Wettbewerber, die als Partner bei der Durchsetzung von Regulierungs-
und Zulassungsaktivitäten und bei der Erarbeitung von Normen und
Standards wirken oder die als Bietergemeinschaft ihre Marktchancen
erhöhen.
Abb. 1: Akteure in Innovationsnetzwerken
Netzwerke fußen auf den Bindungen zwischen den Netzwerkpartnern, ihren
abgestimmten wirtschaftlichen Zielen und den gemeinsamen Interessen.
Erwiesenermaßen ist für Innovationen nicht nur Wissen wichtig, das
logisch ableitbar, strukturiert reproduzierbar und lehr- beziehungsweise
lernbar ist, sondern auch Wissen, das sich in einem Erfahrungsumfeld
herausbildet (Erfahrungswissen), mehr intuitiv und situativ entsteht und
damit nicht allgemein zugänglich ist. Die persönlichen Beziehungen aller
Netzwerkpartner untereinander stellen eine wesentliche Quelle für das
Entstehen dieses Wissens und seine praxiswirksame Nutzung dar.
Innovationen, die auf solchem Wissen beruhen und nicht nur auf allgemein
zugänglichem, sind in relativ geringem Maße imitierbar [6]. Der sich im
Netzwerk vollziehende Wissens- und Technologietransfer unterstützt die
Qualifikation des Personals und löst Lernprozesse aus.
Vorteile
von Netzwerken
Innovative Netzwerke weisen die im Inset auf Seite 6 angegebenen
Vorteile auf. Die Konzentration von miteinander verbundenen Unternehmen
und Einrichtungen in einer Region kann mit erheblichen
Produktivitätsvorteilen, besseren Innovationschancen und günstigen
Voraussetzungen für Unternehmensgründungen verbunden sein [10].
Die Leistungs- und Wettbewerbsfähigkeit der Netzwerkpartner erhöht sich
und die Erfolgschancen der Geschäftsbeziehungen verbessern sich durch
gemeinsame F&E-Projekte, Schutzrechtsstrategien und
Zertifizierungshandlungen, Kunden- und Marktaktivitäten,
Fertigungsaufgaben, Vertriebsaktivitäten und Zulieferbeziehungen. Zudem
werden Lernprozesse ausgelöst, die aus der Erfahrungsübermittlung mit
Rückkopplung auf das eigene Unternehmen entstehen. Damit erschließt sich
jeder Beteiligte Vorteile, die ansonsten nur für Großunternehmen typisch
sind. In welchem Maße tatsächlich effektiveres Wirtschaften erreicht
wird, hängt von der Struktur, dem Inhalt und der Intensität der
Beziehungen im Netzwerk ab und davon, ob alle Netzwerkpartner das Prinzip
von Leistung und Gegenleistung einhalten.
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Vorteile
durch innovative Netzwerke
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-
Know-how- und Kompetenzgewinn,
insbesondere beim Übergang zu neuen Technologien, Aneignung
externen Wissen, Lerneffekte
-
Synergieeffekte auf den Gebieten
F&E, Marketing, Fertigung und Informationen Verbesserung der
Marktsituation durch Systemlösungen
-
Vermeidung von Doppelarbeit und
kapazitätsmäßige Ergänzung
-
Risikoteilung und Risikoreduzierung
-
Ausschöpfung von Größen- und
Spezialisierungsvorteilen
-
Verkürzung von Entwicklungszeiten
und Beschleunigung des Markteintritts, Flexibilitätsvorteile
-
Entwicklung langfristiger
Geschäftsbeziehungen
-
Verringerung der Transaktionskosten
bei der Anbahnung von Kooperationsbeziehungen
-
Steigerung der Verhandlungsmacht
gegenüber großen Unternehmen und regionalen Interessenvertretern
-
Koordinierung von Handlungen zum
Netzwerkumfeld (Kapitalgeber, Berater)
-
Benchmarking der internen
Leistungserstellung
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Kooperation
in Netzwerken
Vor allem radikale Innovationen bilden das Fundament für langfristiges
wirtschaftliches Wachstum. Sie setzen voraus, dass Unternehmen und
F&E-Einrichtungen bei der Innovationstätigkeit arbeitsteilig und auf
der Grundlage einer gemeinsamen Zielstellung kooperativ zusammen wirken.
Dies ist beispielsweise erforderlich, damit
-
schon bei der Forschung von den realen Problemstellungen der
industriellen Nutzung ausgegangen wird und solche Forschungsergebnisse
entstehen, die technisch umsetzbar sind,
-
in den Unternehmen die Aufnahmefähigkeit für den Forschungsvorlauf
gegeben ist und durch eigene Entwicklung die neuen Prinzipien, Effekte
oder Verfahren zu Produkten weitergeführt werden,
-
bei der Konstruktion fertigungstechnische Erfordernisse
berücksichtigt und rechtzeitig aus der konstruktiven Gestaltung
Schlussfolgerungen für die Fertigungsinvestitionen gezogen werden,
-
die F&E mit Kundenanforderungen und Markterfordernissen sowie
wirtschaftlichen Kriterien konfrontiert wird.
Dieses Zusammenwirken reicht weit über allgemeine Netzwerkbeziehungen
hinaus und fordert formal geregelte Kooperation auf der Basis abgestimmter
Ziel- und Aufgabenstellungen. Netzwerke sind aber die Keimzelle für
derartige Kooperationen. Die projektbezogene Kooperation führt
spezialisierte Potenziale mit spezifischen Stärken zusammen, verbessert
damit den Zugang zu externem Wissen, verkürzt die Entwicklungszeiten,
verringert die einzelbetrieblichen Risiken und ermöglicht
Innovationsprojekte, die für ein einzelnes Unternehmen aufgrund nicht
ausreichender finanzieller, personeller und materieller Ressourcen nicht
möglich wären. Natürlich birgt eine Kooperation auch Probleme in sich:
Offenlegung von Strategien, Verlust an Selbständigkeit, zusätzlicher
Koordinations- und Kommunikationsaufwand. Es bedarf deshalb eines
Kooperationsmanagements, um zu entscheiden, wann, mit wem, wie und wozu
kooperiert werden soll [9].
Die Zusammenarbeit von Akteuren im Rahmen arbeitsteilig organisierter
Innovationsprojekte sollte so erfolgen, dass an den Schnittstellen
geringer Koordinationsaufwand sowie geringe Zeit- und Informationsverluste
entstehen. Durch Integration von Funktionen im Innovationsprozess ist es
zwar möglich, die Anzahl der Schnittstellen zu vermindern, aber einer
solchen Reduktion der Anzahl der Schnittstellen sind durch den objektiv
gegebenen arbeitsteiligen Charakter von Innovationsprozessen mit den sich
daraus ergebenden Spezialisierungsvorteilen wirtschaftliche Grenzen
gesetzt. Wichtiger Ausgangspunkt für die Beherrschung von Schnittstellen
sind abgestimmte Strategien aller eingebundenen Partner. Im Rahmen von
Netzwerken bilden sich diese heraus. Über die in Netzwerken ablaufenden
Lern- und Abstimmungsprozesse verbessern sich die Bedingungen für eine
erfolgreiche Kooperation. Dennoch ist die für den Innovationserfolg
unabdingbare Kooperation im Innovationsprozess nicht unproblematisch. Das
zeigt sich an mehreren Sachverhalten (vgl. Inset auf dieser Seite).
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Mögliche
Probleme bei Innovations-Kooperationen
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-
Der Unbestimmtheit und dem Risikos
von Innovationsprozessen entsprechend kann die Kooperation nicht
eindeutig vertraglich geregelt werden. Die Verträge enthalten
immer »weiche« Elemente.
-
Der Wert eines F&E-Ergebnisses,
das aus der Forschung in die Entwicklung weiter gereicht wird, ist
für den Nutzer in der Regel nicht eindeutig beurteilbar.
-
Die Verbreitung von Ergebnissen aus
der Forschung zu anderen Nutzern lässt sich oft nicht verhindern,
so dass die alleinige Verwertung gefährdet wird.
-
F&E-bezogene Informationen sind
oft örtlich verhaftet und daher nur mit erheblichem Aufwand
transferierbar. Die Verständlichkeit einer Information setzt eine
ganze Reihe von Vorinformationen voraus, über die der Partner in
der Regel nicht verfügt. Dadurch ist seine Erkenntnisfähigkeit
eingeschränkt. Oft sind Informationen nur begrenzt dokumentierbar
und erfordern zum vollen Verständnis des Partners enge
persönliche Kontakte.
-
Der Nutzer des F&E-Ergebnisses
verfügt nicht über eigene absorptive Kapazitäten, um den
potenziellen Nutzen der F&E-Leistung zu erkennen, das externe
Wissen für die eigene Nutzung anzupassen und weiter zu
entwickeln.
-
Die Kommunikations- und
Lernfähigkeit der Partner ist nicht ausreichend gegeben, um die
Problemsituation im Innovationsprozess richtig zu erfassen und
widerzuspiegeln, unter Umständen fehlt die Einstellung oder das
Vertrauen in die Zusammenarbeit mit den Partnern, beziehungsweise
es existieren Vorbehalte gegenüber der Leistungsfähigkeit
potenzieller Partner.
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Voraussetzungen
für eine erfolgreiche Arbeit innovativer Netzwerke
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-
Kommunikations- und Lernfähigkeit
der Teilnehmer
-
Aufnahme- und
Verarbeitungsfähigkeit für Informationen
-
Einstellung auf Problemsituationen
der Partner, ähnliches Problemlösungsverständnis und
vergleichbare Problemlösungskompetenz
-
Langfristige stabile
Geschäftsbeziehungen, Interaktionsprozesse und Bindungen
-
Eigenständige Profile der
Netzwerkpartner, die sich insgesamt ergänzen
-
Offenheit und ein Klima des
Vertrauens unter den Netzwerkpartnern
-
Vermeidung von Hierarchien im
Netzwerk
-
Freiwilligkeit der Zusammenarbeit
-
Verknüpfung von Ressourcen und
Ausnutzung der Kooperation
-
Räumliche Nähe der Partner ohne
Abschottung vom überregionalen Wissens- und Informationstransfer
-
Wirtschaftliche Vorteile aus der
Zusammenarbeit
-
Entwicklung der
innovationsrelevanten Umweltbeziehungen
-
Schnittstellenmanagement und
Moderation
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Voraussetzungen
für Netzwerke
Netzwerke funktionieren, wenn jeder Netzwerkteilnehmer Kompetenzen in
das Netzwerk einbringt, aufnahmefähig für externes Wissen ist und dieses
anpassen und weiter entwickeln kann. Die Netzwerkpartner müssen
kommunikations- und lernfähig sein, damit sie sich auf Probleme und auf
die Partner einstellen können. Netzwerke sind demnach durch eine Kultur
der Interaktionen gekennzeichnet. Persönliche Kontakte und die Einhaltung
ungeschriebener Regeln prägen die Zusammenarbeit. Offenheit, Ehrlichkeit,
Vertrauen, Zielabstimmung, Freiwilligkeit der Zusammenarbeit,
Interessenabstimmung und -koordination sind typische Merkmale
erfolgreicher Netzwerke. Vertragliche Regelungen sollten darauf hinwirken,
den Gefahren eines unkontrollierten Wissensabflusses und der Offenlegung
von Strategien entgegen zu wirken.
Entscheidende Voraussetzung für den Innovationserfolg ist ein kompetentes
Management für die Netzwerkbeziehungen. Normalerweise hat jeder
Netzwerkakteur eigene Koordinationsformen, die meist zueinander nicht
passfähig sind. Netzwerke bedürfen deshalb eigenständiger
Koordinationsformen, die die Steuerung übernehmen und harmonisierter
Koordinationsinstrumente (Gremien, Pläne, Kommunikationsforen usw.) [5].
Das Inset auf dieser Seite fasst die Voraussetzungen für eine
erfolgreiche Arbeit innovativer Netzwerke zusammen. Um der Gefahr zu
begegnen, dass Netzwerkakteure einseitig Vorteile aus der Netzwerkarbeit
ziehen, kann der Einsatz neutraler Netzwerkmanager sinnvoll sein.
Infrastrukturelle Netzwerkhilfen können Technologietransfereinrichtungen
oder Technologie- und Gründerzentren darstellen [11].
Das Zusammenwirken in Netzwerken bedarf eines Schnittstellenmanagements,
um Koordinations-, Zeit- und Informationsverluste zu vermeiden. In
Netzwerken arbeiten verschiedenste Akteure zusammen, die auch
unterschiedliche Interessen und Ziele haben. Zwar liegt es auf der Hand,
dass der einzelne Teilnehmer durch die Einbindung in ein Netzwerk auf
Grund von Systemeffekten und geringeren Transaktionskosten höhere
Erfolgsaussichten erreicht. Dennoch bedarf es eines eigenen Lernprozesses,
um die Chancen, die sich aus Netzwerken ergeben, in die eigene Arbeit
einfließen lassen zu können. Zudem ist eine Koordinierung erforderlich,
um Erfahrungen auszuwerten, zu verallgemeinern sowie gemeinsames Vorgehen
abzustimmen.
Zu den Aufgaben des Netzwerkmanagements gehören [1]:
-
Anbahnung von Geschäftsbeziehungen,
-
Informationsaustausch zwischen den Unternehmen,
-
Netzwerkmarketing und Vermarktung von Netzwerkkomponenten,
-
Planung, Organisation und Finanzierung von Verbundprojekten,
-
Planung, Koordination und Zusammenführung von gemeinsamen
Aktivitäten,
-
Aufbau und Pflege der Infrastruktur,
-
Zusammenarbeit mit regionalen Entscheidungsträgern,
-
Erarbeitung des Netzwerk-Leitbildes,
-
Konfliktmanagement.
Netzwerke können durch das Zusammenwirken der am Innovationsprozess
beteiligten Akteure zu synergieerzeugenden Effekten führen. Da
Informationen und Wissen über Innovationen immer lokal entstehen und
genutzt werden, sind Netzwerke häufig durch eine stark ausgeprägte
regionale Dimension gekennzeichnet. Ihre Funktionsfähigkeit ist von der
Höhe des regionalen Innovationspotenzials, von der inhaltlichen
Passfähigkeit (nach Branchen, F&E-Gebieten, Spezialisierungsgrad) der
Bestandteile des Innovationssystems und der Verknüpfung der Akteure
untereinander abhängig. Regionen bilden den Handlungsrahmen für Menschen
mit gleichem kulturellen Hintergrund und Problemverständnis [4]. Die
räumliche Nähe in einer Region ermöglicht diejenigen persönlichen
Kontakte, die für das Lernen in Netzwerken wichtige Voraussetzung sind.
Da die Elemente der Netzwerke, die Zielstellungen und die Vorgehensweisen
im Netzwerk von den regionalen Bedingungen geprägt sind, gibt es keine
allgemeingültigen Schemata für den Aufbau von Netzwerken. So
unterscheiden sich die Netzwerkstrukturen zwischen den Branchen, sie sind
abhängig von der Existenz von Forschungs- und Transfereinrichtungen und
sonstigen innovationsunterstützenden Dienstleistern und vom Lebenszyklus
der Technologien [3].
"Funktionelle Schichtsysteme"
- Beispiel eines regionalen
Innovationsnetzwerkes
In der Wirtschaftsregion Freiberg arbeiten eine Vielzahl verschiedener
Forschungseinrichtungen und Unternehmen auf dem Gebiet der
Werkstofftechnik, insbesondere im Bereich der Beschichtungstechnologien.
Um Synergien in der Zusammenarbeit von externen
Industrieforschungseinrichtungen, universitären Instituten und
Unternehmen zu erschließen, die Kernkompetenzen wirksam zu bündeln sowie
lösungs- und systemorientiert Kundenanforderungen zu erfüllen,
entwickelte die Region Freiberg mit Unterstützung des Bundesministeriums
für Wirtschaft und Technologie das Innovationsnetzwerk »Funktionelle
Schichtsysteme«. Oberflächen- und Schichttechnologien gehören zu den
Schlüsseltechnologien. Die gezielte Beeinflussung von Bauteiloberflächen
- ohne dabei die Eigenschaften des Grundwerkstoffs zu verändern - bietet
hohe Marktpotenziale unter anderem für die großflächige
Glasbeschichtung in der Bauwirtschaft und in der Automobilindustrie, für
elektronische Bauelemente und für die dekorative Gestaltung industrieller
Produkte.
Bilaterale Kontakte bestanden auf diesen Gebieten in der Region schon
länger. Damit gelang es jedoch nicht, den Standort Freiberg als Anbieter
von Systemtechnologien für funktionelle Schichtsysteme zu profilieren.
Durch Zusammenfassung einander ergänzender Kernkomponenten zu einem
Netzwerk werden folgende Ziele verfolgt:
-
Bündelung von Know-how,
-
Erweiterung des Spektrums entwicklungstechnischer Möglichkeiten,
-
Verkürzung der Innovationszyklen,
-
Erhöhung der Kompetenz für den Kunden.
Die Handlungsfelder im Netzwerk liegen unter anderem auf folgenden
Gebieten: Kundenakquisition, Messepräsentation, Nutzung moderner
Technologien, Schutzrechtsarbeit, Technologietransfer, Ressourcennutzung,
Aufbau regionaler Wertschöpfungsketten, Marketing, Kommunikation.
Das Netzwerk entstand nicht von allein, sondern erst, nachdem die
Technologieagentur Chemnitz Impulse zur Netzwerkbildung gab und die
Koordination und Moderation des Prozesses übernahm. Ohne
Anschubförderung durch das Bundeswirtschaftsministerium wäre das
Netzwerk kaum entstanden, da bis zum Eintreten greifbarer ökonomischer
Vorteile doch eine gewisse Zeit vergeht. Die Neutralität des Koordinators
half, anfängliche Befürchtungen etwaiger einseitiger
Interessenverfolgungen durch einzelne Partner zu zerstreuen. Mittlerweile
hat sich das Netzwerk etabliert und die beteiligten Partner sammelten
positive Erfahrungen, so dass kein externer neutraler Koordinator mehr
notwendig ist.
Das Netzwerk ist offen und flexibel. In ihm sind drei bis vier Kernpartner
und etwa 20 Unternehmen und Forschungseinrichtungen mit unterschiedlicher
Intensität eingebunden. Nach Bedarf schließen sich die verschiedene
Partner jeweils neu zu Kooperationen zusammen (vgl. Abbildung 2). Die
Kernunternehmen übernehmen die Netzwerkkoordination und entwickeln
insbesondere die Strategie im Netzwerk weiter, da ansonsten die Gefahr
besteht, dass das Netzwerk »auseinander läuft«. Die bisherigen
Ergebnisse zeigen, dass die Effekte (Markteinführung neuer Produkte,
Erhöhung der Wertschöpfung in der Region, Schaffung neuer Arbeitsplätze
u.a. in einem neugegründeten Joint Venture) relativ nachhaltig sind.
Abb. 2: Struktur des Innovationsnetzwerkes Freiberg aus
Kernpartnern und je nach Bedarf in das Netzwerk eingebunden weiteren
Unternehmen (U) und Forschungseinrichtungen (F)
Netzwerk für
junge innovative Unternehmen
Junge Unternehmen benötigen vielfältige Kontakte und Beziehungen, um
den Anforderungen an die Innovationstätigkeit gerecht werden zu können.
Durch Vernetzung der Gründer und aller innovationsrelevanten
Umfeldakteure erhöhen sich für das einzelne Unternehmen die
Erfolgschancen der Geschäftsbeziehungen. Oft ist für potenzielle
Gründer die Existenz derartiger Netzwerke der auslösende Faktor, ein
Unternehmen überhaupt und insbesondere in einer bestimmten Region zu
gründen.
Jungen Technologieunternehmen erwachsen dabei Chancen aus der Einbindung
in folgende Netzwerke:
-
Netzwerke großer, etablierter und kleiner, junger Unternehmen
Im Innovationsprozess verfügen große und kleine Unternehmen über
spezifische Stärken, aber auch Schwächen. Die Arbeitsteilung
zwischen großen und kleinen Unternehmen leitet sich unter anderem aus
der Marktgröße, der Investitionsintensität, den Technologiegebieten
ab. Zwischen beiden Unternehmensgruppen bestehen komplementäre
Beziehungen. Diese sind für beide Seiten attraktiv, besonders dann,
wenn die etablierten Unternehmen die innovativen Impulse der jungen
Unternehmen aufnehmen und die jungen Unternehmen auf bestehende
Vertriebsnetze, Verbundforschungsprojekte und abgegrenzte kleine
Marktsegmente zugreifen können.
-
Regionale innovative Netzwerke
Regionale innovative Netzwerke mit Forschungseinrichtungen,
Hochschulen, großen und kleinen Unternehmen sowie Einrichtungen der
innovativen Infrastruktur (Technologiezentren, Innovationsagenturen,
Wirtschaftsförderung, Seed-Capital-Fonds) bilden ein innovatives
Milieu und ein günstiges Umfeld für interdisziplinäre,
anwendungsorientierte Forschungsarbeit. Sie schaffen Rahmenbedingungen
für die erfolgreiche Entwicklung traditionsreicher Firmen wie auch
die Ansiedlung innovativer Unternehmen. In diesem Umfeld entwickelt
sich der Erfahrungsaustausch, und es entstehen gemeinsame
F&E-Projekte, die von der Grundlagenforschung bis zur
Markteinführung reichen.
-
Netzwerke in Technologie- und Gründerzentren
Gründer erfahren in Technologie- und Gründerzentren nicht nur
Unterstützung bei der Ausarbeitung ihrer Unternehmenskonzeption,
sondern es entwickeln sich in den Zentren oft auch intensive Kontakte
mit anderen Unternehmen des Zentrums, die zur F&E-, Fertigungs-
und Vertriebskooperation führen. Darüber hinaus unterstützt das
Management der TGZ die Gründer bei der Kontaktaufnahme zu anderen
Unternehmen in der Region und bei der Einbindung der Gründer in
regionale Netzwerke. In Zentren entwickeln sich Gründernetzwerke,
deren konkrete Ausdrucksform Unternehmerstammtische und
Unternehmerforen sind.
-
Netzwerke von Kapitalgebern
Kapitalgeber - angefangen bei der Hausbank - verfügen über
umfangreiche Kontakte zu öffentlichen Kapitalgebern,
Kapitalbeteiligungsgesellschaften, Business-Angel-Netzwerken und
Fördermittelgebern. Diese selbst sind wieder Träger eigener
Netzwerke. Gründer sollten sich in diese Netzwerke einbringen und die
daraus entstehenden Vorteile nutzen, denn für die
Unternehmensfinanzierung ist zumeist ein Mix verschiedener
Finanzierungsquellen erforderlich.
-
Netzwerke von Verbänden, Selbsthilfeeinrichtungen, Transfer- und
Beratungsstellen
Über diese Einrichtungen ergeben sich für Gründer und junge
Unternehmer Informationsmöglichkeiten, Diskussionsforen,
Erfahrungsaustausch, Beratung und Coaching bis hin zu Patenschaften.
In manchen Fällen führen diese Netzwerke auch Kooperationsbörsen.
Sie ermöglichen den Zugang zu Datenbanken und organisieren Messe- und
Besuchsprogramme.
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