|
- Leseprobe -
Produktinnovationen durch Internet- und
E-Commerce-Technologien
von Matthias
von Bechtolsheim
Das Internet entwickelt sich zu einem universellen Informations- und
Kommunikationsmedium, das Privathaushalte, Unternehmen und die Beziehungen
zwischen Unternehmen im E-Commerce durchdringt. Die Frage, wie Internet
und E-Commerce zum Motor für erfolgreiche Produktinnovationen werden können,
stellt sich dabei nicht nur für Unternehmen, deren Produkte per se
informationsbasiert sind. Ziel dieses Beitrags ist es, Beispiele und
Potentiale für Produktinnovationen im Internet darzustellen und eine
strukturierte Vorgehensweise aufzuzeigen, mit der Unternehmen die für sie
geeigneten Strategien für eine internetbasierte Produktinnovation
ableiten können.
Stichworte: Internet-Wertschöpfungskette,
Indikatoren
für erfolgreiche Innovationen: First Mover,
Kreative Unternehmerpersönlichkeit
und Gründerorganisationen,
Fokussierung in der Startphase,
Fünf
Schritte zur internetbasierten Produktinnovation,
Zusammenfassung.
|
In diesem Beitrag
erfahren Sie:
|
-
Welche Möglichkeiten das Internet
Unternehmen eröffnet, durch Produktinnovationen neue Kunden zu
gewinnen, bestehende Kunden zu halten und die Wettbewerbsfähigkeit
zu verbessern.
-
Welches die Erfolgsfaktoren für
internetbasierte Produktinnovationen sind.
-
Wie das Vorgehen aussieht, um für
das eigene Unternehmen eine erfolgreiche Produktinnovation auf
Basis von Internet-Technologie zu entwickeln.
|
Die »Internet-Wertschöpfungskette«
als Bezugsrahmen für Produktinnovationen
Die Durchdringung des Wirtschaftlebens durch das Internet unter dem
Schlagwort E-Business geschieht in mehreren Innovationsstufen (Abb. 1).
Bildeten am Anfang hauptsächlich Marketing-Informationen Inhalte des
Internets oder des Intranets in den Unternehmen (Unternehmensbroschüren,
Produktkataloge), so wurden schon bald die vorhandenen Produkte über das
Internet verkauft (Web-Shops). In einer weiteren Stufe kamen neue Produkte
und Dienstleistungen hinzu, zum Beispiel Kundenservices oder
Finanzierungsleistungen. Durch das Angebot gänzlich neuer oder zumindest
auf das Internet zugeschnittener Produkte, vorzugsweise durch neue
Unternehmen im Internet, werden nun neue Wertschöpfungen erbracht,
beispielsweise Vermittlungsservices (elektronische Marktplätze, Portale,
Einkaufsagenten).
Das Internet beschleunigt vor allem die Rate der Innovation erheblich, was
unter anderem an der Zahl neu gegründeter und an die Börse gebrachter
Unternehmen in USA und Deutschland
abzulesen ist. Zudem sind mittlerweile fast alle Branchen mit
Internet-Angeboten vertreten, in die zunehmend auch neue Wettbewerber
eindringen, seien es Startups oder etablierte Unternehmen aus anderen
Branchen, die durch »virtuelle Produkte«, aggressive Preise oder
attraktive Serviceangebote den Wettbewerb anheizen.
Neben der Frage, was im Internet angeboten wird, wird die Frage, wie
es dargeboten wird, in den nächsten Jahren an Bedeutung gewinnen. Ist
bislang der vernetzte Personal Computer mit einem Web-Browser das am
meisten verbreitete Medium, so kommen nun neue Endgeräte hinzu.
Mobiltelefone mit einem adaptierten Browser (WAP = Wireless Application
Protocol), Palmtop Computer im Handtaschenformat mit integriertem
Internet-Anschluß sowie in herkömmliche Produkte integrierte
Internet-Browser und intelligente Softwaremodule (z.B. vernetzte
Haushaltgeräte) zählen zu den Wichtigsten.

Abb. 1: Internet - Innovationsstufen
Um zu verstehen, wo im »Internet Business Geld verdient« werden kann,
ist ein Blick auf die Internet-Wertschöpfungsstufen hilfreich, also ein
Blick auf die Beteiligten in diesem Spiel und auf die von ihnen erbrachten
Leistungen (Abb. 2).
Die Logik der Internet-Wertschöpfungsstufen liegt darin, dass die jeweils
»unten« liegende Wertschöpfungsstufe für darüber liegende Stufen eine
»enabler«-Funktion hat. Das heißt, jede Innovation auf der unteren
Ebene eröffnet Produktinnovationen auf den höheren Stufen. Umgekehrt führt
eine Veränderung des Bedarfs auf einer höheren Ebene zu einer erhöhten
Nachfrage auf der unteren Stufe.
Typische erfolgreiche Unternehmen in dem jeweiligen Segment sollen hier
erwähnt werden wie auch aktuelle technologische Entwicklungen als
Beispiele für Produktinnovationen.
Abb. 2: Internet - Wertschöpfungsstufen
Hardware-Stufe
Basis des Internets ist die Hardware, also Netzwerke, Server und Endgeräte.
Hier stehen im wesentlichen Hardwareanbieter für Server (z.B. SUN, IBM
etc.) und Endgeräte (z.B. PC-Anbieter wie Compaq, Mobiltelefonhersteller
wie Nokia, Motorola und Hersteller von Palmtops wie 3Com, Psion etc.) im
Wettbewerb. Auf der Netzwerkseite finden sich Komponentenhersteller wie
Cisco, 3Com und andere sowie Netzanbieter für Sprach- und Datennetze wie
Telecoms und spezialisierte Netzanbieter.
Aus diesen Technologiegebieten wird die neue Generation von mobilen
internetfähigen Endgeräten die nächste Innovationswelle auslösen.
Mobilfunkgeräte und PDAs (Personal Digital Assistants) stellen den
Hauptanteil der universellen, an das Mobilfunknetz angebundenen
Internet-Endgeräte. Unterstützt durch Übertragungsstandards wie WAP (Wireless
Application Protocol) und erhöhte Übertragungsgeschwindigkeiten (z.B.
durch UMTS-Technologie) eröffnen sich neue Internet-Anwendungspotentiale
im mobilen Einsatz, beispielsweise Kalender- und Electronic-Mail,
Online-Banking, Online-Einkauf, Online-Wartung. Da mobile Internet-Endgeräte im
Vergleich zu üblichen Microsoft-Windows-basierten PCs einfacher zu
bedienen sind, über einen stark vereinfachten Browser verfügen und
kabellos arbeiten, dürften sich damit vor allem die Kundensegmente
erschließen lassen, denen das Internet bislang zu kompliziert war.
Auf der Seite der Festnetze sind breitbandige Netzzugänge für Haushalte
wie DSL (Digital Subscriber Lines) in den nächsten Jahren zu erwarten.
Mit ihnen eröffnen sich vor allem Potentiale, vollständig
internetbasierte Multimedia-Anwendungen in jeden Haushalt zu bringen.
Wenngleich wirkliche »killer applications« derzeit noch nicht zu
erkennen sind, so dürfte in gebündelten Angeboten von Video-on-Demand,
Pay-TV und Portalen die Hauptnutzung liegen. Chancen für
Produktinnovationen ergeben sich vor allem für Anbieter von
Plattformtechnologien und Content-Providern, die von der Integration von
Daten, Video und Audio sowie erhöhten Kapazitäten für Audio- und
Videodaten profitieren.
Plattformstufe
Die Stufe der Plattformen besteht aus Produkten, die die Nutzung der
Netzwerke und Endgeräte ermöglichen. Prominente Beispiele sind
Internet-Browser und -Server (von Netscape und Microsoft), die die
Kommunikation und Verarbeitung im Internet ermöglichen sowie
internet-spezialisierte Programmiersprachen (z.B. Java),
Softwareentwicklungswerkzeuge, Softwarebibliotheken und
Kommunikationsprotokolle (z.B. zur Verschlüsselung). Dieses Segment ist
beherrscht von einigen wenigen Technologiestandards und Anbietern (die
aber häufig ihre Technologie offengelegt und lizenzfrei gestellt haben
wie Sun Microsystems mit Java, um eine schnellere Verbreitung zu unterstützen).
Auf den Technologiestandards der Plattformen basierend bieten zahlreiche,
auch kleinere Unternehmen und Startups Werkzeuge an, mit denen Webapplikationen erstellt, betrieben und weiterentwickelt werden können.
Dieses Produktsegment ist durch eine hohe Innovationsrate, allerdings auch
durch einen hohen Anpassungsdruck gekennzeichnet. Wer nicht schnell genug
eine kritische Masse von Kunden für seine Tools gefunden hat und eine
weltweite Supportorganisation bieten kann, wird sich wegen der hohen
Weiterentwicklungskosten bald aus dem Markt verabschieden. Eine ähnliche
Dynamik hat auch der Markt für Sicherheitstechnologien mit Produkten zur
Identifikation, Authentisierung, Verschlüsselung für gesicherte Geschäftsprozesse,
Dokumentennutzung, Netzzugang und so weiter. Mit der immer stärkeren
Durchdringung durch das Internet erhöht sich die Notwendigkeit, bislang
nicht persönlich bekannte Teilnehmer im Netz als vertrauenswürdig zu
identifizieren und die verwendeten Daten zu sichern.
Eine besondere Rolle spielen zudem die Plattformservices im Internet.
Jeder Internetbenutzer benötigt einen ISP (Internet Access Provider), über
den heute nicht nur der reine Internet-Anschluß hergestellt wird, sondern
der auch weitergehende Dienste anbietet wie Web-Server-Hosting, E-Mail,
Eintragung in Verzeichnissen, Web-Shops et cetera. Der Wettbewerb bei
reinen ISP-Leistungen ist zunehmend preisbasiert, so dass Anbieter auf
hohe Teilnehmerzahlen angewiesen sind. Nachdem der Markt zunächst von
vielen kleinen und regionalen Anbietern geprägt wurde, positionieren sich
nun Netzbetreiber und Telekoms selbst auch als ISP.
Applikations-Stufe
Ein großer Bereich von Produkten und Services hat sich bei den
Internet-Applikationen herausgebildet. Hierzu zählen unter anderem
Anwendungen zum:
-
Content-Management - Verwaltung von Web-Seiten und Produktangeboten,
-
Customer Service - zur Kundenregistrierung und -betreuung sowie
Call-Center-Integration,
-
Personalisierung der Webseiten nach den Wünschen des Kunden,
-
Online-Marketing - zur Erstellung von Kundenprofilen und
personalisierten Angeboten,
-
Online-Verkauf - zur kompletten Abwicklung von Angeboten und Aufträgen,
-
Bezahlung - Händlerfunktionen, Verifizierung von Kreditkarten,
Abrechnung.
Ähnlich der betriebswirtschaftlichen Software im Unternehmen sind auch
hier entweder kleine funktional eingeschränkte Anwendungen oder Komplettlösungen
im Sinne von Standardsoftwarepaketen (z.B. Broadvision) zu finden. Auch
dieser Markt ist stark durch neue Produkte und neue Anbieter geprägt, da
sich immer neue und verbesserte Anwendungsmöglichkeiten, insbesondere im
E-Commerce-Bereich, ergeben. Anbieter traditioneller Anwendungspakete wie
SAP oder Oracle sind vergleichsweise spät auf internetbasierte
Anwendungen eingestiegen und versuchen, zumindest ihre heutigen Kunden in
diesem Feld nicht zu verlieren.
Gerade im Bereich der applikationsnahen Services, zum Beispiel Hosting von
Online-Shops oder anderen E-Commerce-Applikationen, entstehen neue
Produkte, beispielsweise rund um das Hosting von Standardsoftwareprodukten
wie SAP oder Intershop. Entsprechend entwickeln sich ASPs (Application
Service Provider), die im full-service eine fertig laufende Lösung
inklusive Software, Datenbanken, Hardware und Netz außerhalb des eigenen
Netzes in einem Extranet bereitstellen. Aufgrund der hohen Komplexität
von Internet- und E-Commerce-Lösungen und dem dramatischen Mangel an
qualifiziertem Personal entscheiden sich immer mehr Unternehmen, ihre
Internetaktivitäten den ISPs und ASPs zu überlassen. Für kleinere
Anwenderunternehmen ist es bereits heute möglich, ihre kompletten
betriebswirtschaftlichen Anwendungen einem ASP in die Hände zu geben. Die
deutlich verbesserte Möglichkeit der Verteilung von Anwendungen auf
verschiedene Server und deren Integration in Web-Anwendungen werden zu
verteilt-vernetzten Anwendungslandschaften führen, in die Kunden, Partner
und Lieferanten einbezogen sind. Daraus ergibt sich ein großes Potential
neuer branchenorientierter IT-Dienstleistungen.
Content-Stufe
Die prominenten Namen im Internet scharen sich historisch gesehen um die
Suche und Aufbereitung sowie das Angebot von Information. Eine Vielzahl
von neuen Unternehmen bietet »Content« an, stellt bereit oder aggregiert
und vermittelt Informationen im Internet, allen voran die bekannten
Suchmaschinen von Yahoo oder Lycos, die sich zu umfassenden
Informationsplattformen als Einstiegsseiten (Portals) für viele
Internet-User entwickelt haben.
Content Provider sind prinzipiell alle Betreiber eines Web-Servers, hier
sollen jedoch nur die gewerblichen Anbieter von Text, Daten, Musik,
Bildern im Internet darunter verstanden werden. Da der Vertrieb
digitalisierter Information deutlich geringere Transaktionskosten
aufweist, bietet sich hier ein großes Potential für neue oder neu
internetgerecht aufbereitete Informationsprodukte. Allerdings bereiten
leichte Kopierbarkeit und rasche Verbreitungsmöglichkeit erhebliche
Probleme beim Urheberrechtschutz und stellen damit ein
Innovationshindernis dar.
Das Internet lebt von der Vernetzung des einzelnen Anwenders mit Millionen
anderer Internet-Nutzer. Um in der Masse der Information das Richtige zu
finden - sei es ein Reisetipp, ein Anbieter von Reisen, ein Buch oder ein
Flugplan - sind entsprechende Vermittlungssysteme (Intermediaries oder
Aggregators) notwendig. Anfangs halfen Suchmaschinen wie Yahoo die zu
einem Schlagwort passenden Web-Seiten zu lokalisieren, nun haben sie sich
zu umfangreichen aggregierten Informationsvermittlern entwickelt, die
Produkte, Reiseangebote und vieles mehr filtern und zusammenstellen. Neben
diesen »horizontalen Portalen«, die den Zugriff auf ein breites, jedoch
unspezifisches Informationsangebot erlauben, entstehen mehr und mehr »vertikale
Portale«, die Informationen und Services für eine Zielgruppe (zum
Beispiel für Segler, Uhrensammler, Autoliebhaber) anbieten. Die meisten
Portale bereiten Informationen speziell in einer Redaktion auf,
beispielsweise durch Vergleichstabellen, redaktionelle Beiträge,
Serviceangebote.
In Communities, die oftmals Teil der Portale sind, wird Web-Nutzern die Möglichkeit
geboten, sich mit Gleichinteressierten zu unterhalten und Informationen
auszutauschen. Aus diesen, von den Nutzern selbst bereitgestellten
Informationen lassen sich auch wieder neue Angebote erzeugen, zum Beispiel
Erfahrungsberichte über Produkte, Testergebnisse. Web-Anbieter wie
epinions.com bieten Konsumentenratings und animieren Nutzer durch Prämien,
Produkte zu testen und zu bewerten. Noch umfassender im Service sind
Kaufassistenten im Netz wie Etown.com, NetSage.com und MySimon.com, die
mit Hilfe von »bots« Preis- und Leistungsvergleiche erstellen und die
Lieferanten bezüglich ihrer Qualität bewerten.
Angesichts des rapiden Wachstums des Internet im Informations- und
Warenangebots sind Aggregatoren unverzichtbare Services. Gerade im
Bereich der zielgruppenorientierten und branchenorientierten vertikalen
Portale und Services liegen weiterhin erhebliche Chancen für
Produktinnovationen.
Geschäfts-Stufe
Der Kauf und Verkauf von Produkten und Dienstleistungen im Internet, also
der E-Commerce-Bereich, stellt die eigentliche wirtschaftliche Nutzung des
Internet dar.
Mittlerweile lassen sich immer mehr Produkte und Dienstleistungen über
das Internet erwerben. Einige Unterscheidungen sind hilfreich, um
Innovationspotentiale aufdecken zu können. Der eigentliche Prozess von
Geschäftsanbahnung, Vertragsabschluß und Bezahlung lässt sich - sofern
es rechtliche Rahmenbedingungen zulassen - komplett im Internet abwickeln.
Die Erfüllung des Geschäfts kann jedoch nur teilweise über das Internet
erfolgen. Möglich ist dies immer, wenn es sich um Informationen handelt,
also bei Wertpapieren, Reisen, Musik in elektronischer Form und so weiter.
Auch Dienstleistungen lassen sich online erbringen, wie rechtsanwaltliche
Beratungsleistungen beispielsweise.
Physische Vertragserfüllung bedarf einer Erfüllungslogistik (fulfillment),
um die Ware nach den Wünschen des Kunden herstellen und direkt an ihn
liefern zu lassen. Die Erfüllungslogistik stellt eines der Kernprobleme
der Innovation von Geschäften durch das Internet dar. Klassische
Strukturen, die zur Erfüllung über den Handel genutzt werden, sind im
Online-Business nicht immer anwendbar. Klassische Auslieferungslogistik
bei Herstellern und Großhandel ist auf die Kommissionierung großer
Bestellmengen, auf längere Lieferzeiten und so weiter ausgerichtet und
nicht auf die Belieferung eines Einzelkunden in kleinen Mengen. In den
meisten Fällen muss teilweise eine neue Erfüllungsstruktur geschaffen
werden. Mittlerweile bieten fast alle Logistikunternehmen und auch neue
Spezialanbieter Erfüllungsservices im Outsourcing an (z.B. pfsweb.com).
Auch internetorientierte Geschäftserfüllung ist ein Feld für Produkt-
und Serviceinnovation.
Jedes Unternehmen, das im Internet Produkte und Dienstleistungen anbietet,
muss gegenüber dem klassischen Vertriebsweg einen Mehrwert für den
Kunden generieren.
Zum einen sind innovative Zusatznutzenmerkmale für den Kunden erzielbar,
beispielsweise durch schnellere Produktauswahl, personalisierte Produkte,
schnellere Produktlieferung.
Darüber hinaus bringen zusätzliche Dienstleistungen in Verbindung mit
dem Kernprodukt einen Zusatznutzen (z.B. Produktberatung online,
Online-Kundendienst, Bestellhistorie, Erfahrungsaustausch mit anderen
Produktnutzern).
Der nächste Schritt der internetbasierten Produktinnovation sind neue
oder deutlich im Kernnutzen erweiterte Produkte. Ein Beispiel sind
elektronische Kartengrüße, im Internet verbunden mit einem
Geschenkservice (z.B. www.egreetings.com).
Innovationen ergeben sich vor allem aus der Kombination eines
internetbasierten Services mit klassischen Produkten und Dienstleistungen
sowie Logistik und Finanzierung im Sinne eines kundenorientierten
Full-Service-Angebots. So bietet autobytel.com
neben der Vermittlung von Autos gleichzeitig Versicherungs- und
Finanzierungsservices an.
Markt-Stufe
Erst in jüngster Zeit sind neue Marktvermittler im Internet populär
geworden, die Geschäfte zwischen Unternehmen oder Konsumenten anbahnen,
vermitteln, abwickeln und auch zusätzliche Handels-Services wie Versand
und Abrechnung anbieten. Im Konsumentenbereich ist der Auktionator eBay
ein bekanntes Beispiel, im Businesss-to-Business-Bereich spielen neben
Auktionen, zum Beispiel für Gebrauchtmaschinen,
die Einkaufsgemeinschaften für C-Güter (z.B. CAContent)
eine zunehmend bedeutende Rolle.
Elektronische Marktplätze oder Branchenportale offerieren zahlreiche
Vermittlungsfunktionen:
-
Informationsaustausch durch Branchen-News, Diskussionsforen, »Schwarze
Bretter«,
-
Werbung von Anbieterfirmen,
-
Produktangebote in Form von Auktionsangeboten oder Produktkatalogen,
-
Vermittlung von Käufern und Verkäufern,
-
Preisbildung durch Auktionen oder Bündelung von Nachfrage,
-
Bonitätsprüfungen, Garantien, Finanzierungen,
-
logistische Services, Abrechnungs-Services und Zahlungsverkehr.
Der »Markt für Märkte« befindet sich derzeit in einer stürmischen
Entwicklungsphase. So haben sich in Nordamerika bereits 250, in
Deutschland bereits 35 Marktplätze im Internet herausgebildet (Stand:
1999). Anbieter und Initiatoren wie VerticalNet
betreiben eine Vielzahl von Marktplätzen auf der Basis gemeinsamer
IT-Infrastruktur und Services und können somit Skaleneffekte erzielen.
Erfolgsfaktoren
von Unternehmen in der Internet-Wirtschaft
Unabhängig davon, ob nun die Börsenerfolge junger
Internet-Unternehmen auch den langfristigen unternehmerischen Erfolg
garantieren mögen, bleibt die Frage, warum diese Unternehmen
erfolgreich sind, genauer gefragt:
-
Warum sind sie erfolgreicher als ihre tradierten Mitbewerber, gerade
auf der Netz, - Basis- und Applikationsebene?
-
Warum sind sie die Marktführer in ihren Segmenten?
Zum einen gibt es natürlich spezifische Erfolgsfaktoren (K.O-Kritieren)
auf jeder Ebene der Internet-Wirtschaft. So muss ein Solution-Provider
beispielsweise einer Web-Agentur ein Höchstmaß an Kreativität haben,
ein Marktplatzbetreiber muss ein Maximum an Kunden und Lieferanten
zusammenbringen, ein Portal-Anbieter wird die Anzahl und Verweildauer der
Besucher maximieren, ein Internet-Serviceprovider muss Kostendegression
und Servicequalität miteinander in Einklang bringen.
Darüber hinaus sind viele der Marktführer in der Internet-Wirtschaft
durch ein Set von Erfolgsmerkmalen gekennzeichnet, die allesamt als
Indikatoren für erfolgreiche Innovation gelten können.
First Mover
Der Erste auf dem Markt zu sein, entscheidet wesentlich über die Möglichkeit,
eine hohe Zahl von Nutzern und Kunden gewinnen und einen etablierten
Markennamen erreichen zu können. Firmen wie Yahoo, Amazon und eBay sind
prominente Beispiele für Spieler im Internet, die die »First Mover
Advantage« klar ausgespielt haben. Allen gemeinsam sind die hohen
Aufwendungen für Marketing und Aufbau der technischen und logistischen
Infrastruktur.
Kreative
Unternehmerpersönlichkeit und Gründerorganisation
Einen entscheidenden Einfluss auf den Erfolg haben die flexiblen
organisatorischen Rahmenbedingungen. In dem Set-up einer Kleinstfirma kann
sich ein Team um einen oder einige wenige Erfinderpersönlichkeiten viel
stärker auf das Produkt konzentrieren als in den etablierten Strukturen
einer Großorganisation. Viele Firmen der Internet-Wirtschaft oder der
Computer-Industrie entspringen Startup Companies, angeführt durch
hochkreative Unternehmerpersönlichkeiten, angefangen bei Apple, Microsoft
über Sun Microsystems zu Yahoo und Intershop.
Fokussierung
in der Startphase
Konzentration auf die Bedürfnisse einer bestimmten Kundengruppe
(beziehungsweise auf eine spezifische technologische Komponente) zeichnen
die erfolgreichen Unternehmen aus. Sun´s Workstation, Netscape´s
Browser, eBay´s Auktionssystem, Schwab´s Online-Brokerage sind nur
einige Beispiele dafür, dass volle Konzentration auf einen spezifischen
Mehrwert Voraussetzung für eine echte Innovation ist. Damit ist jedoch
keineswegs gesagt, dass nur die First Mover erfolgreich sein können.
Immer dort, wo sich die Differenzierungsvorteile nicht langfristig halten
lassen, bieten sich Eintrittschancen für Second Mover.
Ein (noch nicht abschließend zu beurteilendes) Beispiel hierfür ist der
Online-Vertrieb von Lebensmitteln. Der First Mover peapod.com hat nur
regionalen Erfolg gehabt. Durch den Aufbau einer dezidierten landesweiten
logistischen Infrastruktur in den USA und garantierte
Kundenzufriedenstellung versucht WebVan.com derzeit, den Online-Food-Markt
systematisch aufzurollen. Das ist, wenn man den Analysten glaubt, ein
zumindest erfolgversprechendes Beispiel. Nun steigt wiederum Walmart,
Weltmarktführer im Einzelhandel, in den Online-Vertrieb ein. Ebenso
zeigen sich im Online-Buchhandel starke Verfolger, die bereits über eine
eigene Logistik verfügen (wie Bertelsmann mit BOL) und dadurch kostengünstiger
produzieren können.
Natürlich gibt es auch eine Reihe nicht erfolgreicher
Internet-Innovationen. Einige Beispiele:
IBM´s World Avenue war ebenso wie Karstadt´s MyWorld nicht erfolgreich
bei dem Bestreben, Konsumenten in eine - ähnlich einem Kaufhaus oder
einer Mall ausgestalteten - Internet-Verkaufsplattform hineinzubringen.
Vermutlich dürften der Mangel an Fokussierung (d.h. ein zu breit
angelegtes Produktangebot), mangelnde Zusatznutzen für den Käufer gegenüber
direktem Kauf bei einem Online-Anbieter und geringe Benutzerfreundlichkeit
zur unbefriedigenden Resonanz geführt haben.
Auch Vermittlungsmodelle im Business-to-Business-E-Commerce wie
Industry.net und IBEX sind an zu breiter Ausrichtung und zu geringem
Mehrwert für den Kunden gescheitert.
Vorgehensweise
für eine internetbasierte Produktinnnovationsstrategie
Die Herangehensweise an internetbasierte Innovationen erfordert einen
kreativen und schnellen Ansatz, denn das Innovationstempo im Internet ist
hoch und erlaubt deshalb keine langwierigen Abläufe und Projekte.
Wir halten fünf Schritte zur internetbasierten Produktinnovation für
wesentlich (Abb. 3). Wie sie ausgestaltet und zeitlich angelegt werden, muss
im Einzelfall entschieden werden. Aufgrund unserer Projekterfahrungen
gehen wir davon aus, dass diese Phasen in zwei bis drei Monaten
durchlaufen werden können.
Abb. 3: Vorgehensweise Internet - Produktinnovation
Schritt 1:
Bewertung der Ausgangssituation
Der erste Schritt einer internetbasierten Produktinnovationsstrategie
besteht darin, die eigene Strategie im Internet klar zu beschreiben. Dazu
sind unter anderem folgende wichtige Fragen zu beantworten:
-
Wer sind unsere Kunden, und wie lassen sie sich bezüglich ihrer Bedürfnisse
unterscheiden? Wie nutzen sie das Internet bereits heute und wofür?
-
Mit welchen Leistungen und Produkten erfüllen wir heute diese Bedürfnisse?
Welche internetbasierten Leistungen können die Kunden heute schon
(ggf. bei Wettbewerbern) haben?
-
Welches sind heute die kaufentscheidenden Faktoren, die einen Kunden
tatsächlich zum Kauf bewegen?
-
Wie ist die Wertschöpfungskette, um die Kundenbedürfnisse zu
befriedigen? Welche Wertschöpfungsschritte lassen sich über das
Internet abwickeln?
-
Welche Kompetenzen hat unser Unternehmen in dieser Wertschöpfungskette?
Welche Unternehmen können uns bei welchen Kompetenzen bedrohen?
Ergebnis dieses ersten Schrittes ist ein Bild über die Chancen und möglichen
Bedrohungen, die sich für ein Unternehmen im Internet ergeben.
Schritt 2:
Trend-Szenarien
Im nächsten Schritt sind Trend-Szenarien über die Technologie- und
Marktentwicklung erforderlich, die Annahmen darüber treffen, welche
technologischen Entwicklungen und Konsequenzen am Markt zu erwarten sind.
Technologieentwicklungen und Marktverhaltensweisen lassen sich
geeigneterweise anhand der Technologie-Wertschöpfungskette aufzeigen.
Dazu wird für jede Technologieebene dargestellt, wie sich
Marktteilnehmer, also Kunden, Wettbewerber und Lieferanten, verhalten
werden. Am Beispiel der Markt-Stufe im Technologie-Modell wird dieses
dargestellt (Abb. 4).

Abb. 4: Trend-Szenarien (Beispiel)
Schritt 3:
Ideenentwicklung
Im dritten Schritt werden nun durch Brainstorming Produktideen entwickelt,
die sich im Spannungsfeld zwischen Ausgangssituation einerseits und
Trend-Szenarien andererseits bewegen. Dieses ist die eindeutig kreative
Phase im Innovationsprozess, bei der es darauf ankommt, »laterales Denken«,
unkonventionelle Ansätze, aber vor allem auch die Kundensicht
einzubringen. Es ist deshalb ratsam, in Brainstorming-Workshops Kunden und
auch Lieferanten einzubeziehen oder zumindest im Rahmen von Interviews zu
berücksichtigen.
Aus der möglichen Vielzahl von Ideen gilt es, diejenigen drei bis vier
initialen Projekte herauszufiltern, die ein hohes strategisches
Nutzenpotential haben und schnell umsetzbar sind. Mögliche
Filterungskriterien sind in Abbildung 5 dargestellt.

Abb. 5: Ideenbewertung
Schritt 4:
Business Case
Im vierten Schritt des Vorgehens ist für diese Konzepte jeweils ein
Business Case zu entwickeln, in dem Marktentwicklung, Erlöse, Kosten und
Investitionen abgeschätzt werden. Kern eines Business Case im Internet
sind die Annahmen über:
-
Besucher: Wie viele Nutzer greifen pro Monat auf die Website zu?
-
Wie viele und welche Seiten werden wie häufig aufgerufen?
-
Wie viele Besucher lassen sich registrieren?
-
Wie viele Transaktionen, also Bestellungen, Angebote und so weiter
werden gemacht?
Dabei sind jeweils Erfahrungswerte zu hinterlegen wie die »Looker-to-Booker«-Rate
von ca. 1:100, also ein Kaufabschluss pro hundert Besucher.
Des weiteren sind die direkten und indirekten Erlöse abzuschätzen. Neben
den direkten Erlösen aus Produktverkäufen und Werbungseinnahmen sind die
indirekten Effekte der internetbasierten
Produktinnovation zu berücksichtigen wie beispielsweise Verhinderung der
Abwanderung von Kunden, Cross-Selling-Effekte, Kostensenkung durch günstigere
Transaktionskosten.
...
|
Dieses Kapitel...
|
|
... können Sie vollständig per
PDF-Download beziehen:
Alle Seiten mit Abbildungen in optimaler Qualität, hervorragend geeignet
zum Ausdruck auf Papier.
Zusätzlich bietet Ihnen das PDF-Format praktische Suchmöglichkeiten.
Schon in wenigen Minuten sind die Kapitel auf Ihrem Computer gespeichert,
zu einem günstigen Preis: 30 Cent pro Seite.
Zum Download |
|