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- Leseprobe -
Innovative Business- und Revenue-Modelle im
E-Business
von Ben Kluge, Alexander Pohl
Seit April 2000 weht der sogenannten New Economy ein frischer Wind
ins Gesicht. Mit dem Crash der Internetwerte an der Börse erhielt die
Netz-Euphorie einen herben Dämpfer. Das ändert aber nichts an den
Potenzialen, die das E-Business neuen und konventionellen Unternehmen
bietet. Durchdachte Business- und Revenue-Modelle helfen, die Möglichkeiten
des E-Commerce effizienter zu nutzen.
Stichworte: Formen
von Business-Modellen, Zusätzlicher Vertriebskanal,
Individualisierung, Reverse Economy & Marketing,
Dis- und Re-Intermediation,
Markttransparenz, Economies of Scale und Scope,
Erfolgsfaktoren in
Revenue-Modellen, Neuartigkeit, Kundenbindung,
Komplementärprodukte, Effizienz,
Zusammenfassung.
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In diesem Beitrag
erfahren Sie:
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warum die Bedeutung von Business-
und Revenue-Modellen auch im Bereich der New Economy zunimmt,
-
wie man spezifische Charakteristika
des E-Business zu Umsatzsteigerungen und Kostensenkungen nutzen
kann,
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durch welche Werttreiber sich im
Bereich des elektronischen Handels Business- und Revenue-Modelle
optimieren lassen.
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Bedeutung von
Business- und Revenue-Modellen
Das Wirtschaftsgeschehen befindet sich gegenwärtig in einer
Umbruchsituation hin zu der neuen Wirtschaftsform der
Informationsgesellschaft. Wesentliches Merkmal dieser sogenannten
informationstechnischen Revolution ist die »Re-Integration«. Die
Entwicklung der Mikroelektronik machte es möglich, die im Zuge der
industriellen Revolution erreichte Verrichtungsspezialisierung wieder zu
komplexeren oder breiter ausgerichteten Produktionsprozessen zusammenzuführen,
also verschiedene durch die Spezialisierung getrennte Prozessschritte zu
reintegrieren. Ein Beispiel für die Integration von Produkten und
Prozessschritten stellt die Elektronik mit ihrer Entwicklung von der
Produktspezialisierung bis hin zur modernen Mikroelektronik dar. Anfänglich
getrennte Komponenten von elektronischen Schaltungen werden in Zukunft
durch ihre hohe Integration zu eigenständigen Produkten verschmelzen.
Drei Schritte der Re-Integration im Bereich der Elektronik sind in
Abbildung 1 übersichtsartig dargestellt.

Abb. 1: Re-Integration in der Elektronik
Die Herstellung hochintegrierter Produkte bringt tiefgreifende Umwälzungen
in Produktionsprozessen mit sich. Gleichzeitig - und dies ist aus
unternehmensstrategischer Sicht der bedeutendere Aspekt - erfordert und
bewirkt diese Entwicklung auch eine Veränderung in den
Transaktionsbeziehungen zwischen Unternehmen und Kunden [5]. Es sind neue
ökonomische Konzepte erforderlich, um die technischen Errungenschaften
der informationstechnischen Revolution wirtschaftlich nutzbar zumachen.
Unternehmen lernen, wie komplexe Produkte vermarktet werden können, wie
technische Vorteile in ökonomische Vorteile transferiert werden, und
welche Besonderheiten durch die zunehmende Bedeutung des Internets als
zentrale elektronische Transaktionsplattform zu berücksichtigen sind.
Dieser Wandel eröffnet jungen Internetfirmen enorme Chancen. In den
vergangenen Jahren wurden zahlreiche Internet-Start-ups gegründet, die
mittlerweile an der Börse zu teilweise astronomischen Kursen gehandelt
werden und über eine entsprechend hohe Marktkapitalisierung verfügen. Für
diese Unternehmen nimmt daher die Beurteilung ihrer Geschäftsaktivitäten
durch die Aktionäre und Analysten einen besonderen Stellenwert ein. In
den letzten Jahren wurde die Entwicklung so positiv aufgenommen, dass sich
daraus ein regelrechter Internetboom entwickelte, was unter anderem dazu führte,
dass mittlerweile von der New Economy gesprochen wird. Nach kurzer Zeit
wurden Internetunternehmen an der Börse mit bisher nicht gekannten Ausmaßen
bewertet. Das Internetportal Yahoo! erreichte mit einem Umsatz von
589 Mio. US$ im Jahr 1999 eine Börsenkapitalisierung von 70 Mrd. US$ im
August 2000. Das Internetauktionshaus eBay erzielte einen Umsatz
von 225 Mio. US$ und wurde an der Börse mit 12,8 Mrd. US$ bewertet.
Die New Economy hat sich damit vielfach vollständig von der Bewertung der
Old Economy getrennt. Im Vergleich zu Amazon.com führte der mehr
als 75-fach höhere Umsatz von DaimlerChrysler nur zu einer fünfmal höheren
Börsenkapitalisierung, und dies, obwohl DaimlerChrysler 1999 einen
bereinigten Konzern-Jahresüberschuss von über 6 Mrd. US$ erzielte, während
Amazon.com in der gleichen Zeit einen Verlust von 720 Mio. US$
machte. DaimlerChrysler liegt mit 53,5 Mrd. US$ sogar unterhalb der
Marktkapitalisierung von Yahoo!. Tabelle 1 gibt einen Überblick über
Umsätze, Gewinne und die Marktkapitalisierung von E-Business-Unternehmen.
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Tabelle
1: Umsätze, Gewinne und die Marktkapitalisierung von
E-Business-Unternehmen
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Unternehmen
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Umsatz
1999*
(in Mio. US$)
|
Gewinn
1999
(in Mio. US$)
|
Marktkapitalisierung
3.8.00 ** (in Mio. US$)
|
|
amazon.com
|
1.639
|
-720
|
10.839
|
|
buy.com
|
597
|
-130
|
510
|
|
drugstore.com
|
35
|
-116
|
303
|
|
ebay Inc.
|
224
|
positiv
|
12.828
|
|
egghead.com
|
515
|
-155
|
91
|
|
eToys
Inc.
|
128
|
-141
|
509
|
Aber auch die etablierten Unternehmen der Old Economy sind von dem
Internet-Boom betroffen. Sie erkennen die Vorteilspotenziale des
E-Business und des Internets und wollen sich die Chancen nicht von jungen
Unternehmen wegnehmen lassen. Es besteht die Tendenz, keine neuen
Intermediates in bestehende Wertketten einsteigen zu lassen [4]. So
eröffnen beispielsweise verschiedene Handelsriesen wie Carrefour oder
Wal-Mart eigene E-Stores im Internet mit breitem Produktsortiment und
zahlreichen Services wie Umtauschmöglichkeit im realen Geschäft, persönliche
Einkaufslisten sowie Erinnerungskalender.
Der Erfolg der Unternehmen in der New und der Old Economy hängt dabei maßgeblich
von dem gewählten Business- und Revenue-Modell ab. In diesen Modellen
kommen die Neuartigkeit der Geschäftsidee, mögliche Einsparpotenziale
und die Chance, in Zukunft Gewinne zu erzielen, zum Ausdruck. Lange Zeit
wurde hierbei das Internet als Allheilmittel angesehen, und fast jedes
engagierte Unternehmen wurde mit steigenden Aktienkursen belohnt. Nach dem
Crash der Internetwerte im April 2000 erhielt diese Euphorie einen herben
Rückschlag, und es werden seitdem wieder moderatere Maßstäbe an die
Bewertung von Unternehmen angelegt. Zahlreiche dieser Unternehmen kämpfen
seitdem ums Überleben beziehungsweise sind nicht mehr am Markt aktiv [2].
Diese Entwicklung unterstreicht die steigende Bedeutung des Business- und
des Revenue-Modells.
Abb. 2: Funktionsweise von E-Hubs
Formen von Business-Modellen
Das Business-Modell ist die Konfiguration eines Austauschprozesses, mit
dem Ziel, (neue) Geschäftsmöglichkeiten zu erschließen. Gegenstand des
Business-Modells ist die Geschäftsidee und ein detaillierte
Geschäftsplan. Den aktuell am Markt agierenden E-Business-Unternehmen
liegen eine Vielzahl von Business-Modellen zugrunde: Portale, Such- und
Metaindizes, e-Hubs, Shopping Robots, Auktionen/Reverse Auctions oder
Marktplätze. Teilweise sind die Geschäftsmodelle aus der Old Economy
übernommen und an die Besonderheiten des E-Business angepasst. Es
existieren aber auch echte Innovationen, wie beispielsweise die Gründung
und der Betrieb von e-Hubs. Dies sind Online-Handelsplattformen vor allem
im Business-to-Business-Bereich, an denen mehrere Anbieter und Käufer
einer Branche teilnehmen. Sie sind durch eine Mitgliedschaft zum Kauf oder
Verkauf der angebotenen Waren berechtigt. Ein Beispiel eines Two-Way-Hubs
im Customer-to-Customer-Bereich ist die Firma eBay. Dieser
Endkunden-Marktplatz eröffnet die Möglichkeit des Handels diverser
Produkte - von Briefmarken und Münzen bis hin zu Motorrädern und Pkws.
In 1999 wurden Umsätze in Höhe von 3,2 Mrd. US$ vermittelt. eBay
erzielte dabei selbst einen Umsatz von 224 Mio. US$ und eine Umsatzrendite
von 4,9 Prozent. Insgesamt wurden in den USA durch eBay 120
Millionen Postsendungen ausgelöst. Im August 2000 erweiterte das
Unternehmen die Angebotspalette und kann nun unter dem Namen eBay Real
Estate durch eine Kooperation mit zipReality.com auch den
virtuellen Immobilienhandel anbieten.
Derartige Marktplätze im Internet haben inzwischen in nahezu allen
Branchen Einzug gehalten. Die bekannteste Handelsplattform im
Beschaffungsbereich wurde von DaimlerChrysler, GeneralMotors und Ford
geschaffen und soll den Unternehmen Kostenreduzierungen in Milliardenhöhe
ermöglichen.
Das Revenue-Modell setzt darauf auf und definiert den Weg, wie durch ein
Business-Modell Umsätze und Erträge generiert werden. Während der Blick
der Börse lange Zeit primär auf dem Business-Modell lag, verschiebt sich
die Perspektive zunehmend auf das Revenue-Modell. Unternehmen müssen ihre
Gewinnstrategien klar darlegen. Ein Revenue-Modell erzielt tendenziell
dann einen positiveren Kapitalwert, wenn die spezifischen Potenziale des
E-Business bezogen auf Umsatz und Kosten ausgeschöpft werden. Potenziale
ergeben sich aus Umsatzsteigerungs- und Kostenreduzierungsmöglichkeiten.
Folgende besonderen Charakteristika des E-Business können in
Umsatzsteigerungen münden (vgl. Abb. 3):
Abb. 3: Potenziale von E-Business
-
Zusätzlicher
Vertriebskanal: Für
Unternehmen der Old Economy kann das Internet als zusätzlicher
Vertriebskanal genutzt werden. Dadurch sind neue Märkte und
Zielgruppen adressierbar, die bisher zum Beispiel aufgrund der räumlichen
Entfernung nicht erreichbar waren. Gleichzeitig besteht die Gefahr der
Kannibalisierung bestehender Vertriebskanäle. Insbesondere für
Unternehmen, die ausschließlich über einen mehrstufigen Vertrieb
verkaufen, muss die Einführung des Direktvertriebs über das Internet
sorgfältig geprüft werden. Es besteht die Gefahr des Ausstiegs von
zwischengeschalteten Handelsstufen im traditionellen Vertrieb.
Insgesamt können dann höhere Umsätze erzielt werden, wenn die
Ansprache neuer Kunden den Kannibalisierungseffekt überkompensiert.
-
Individualisierung:
Weiterhin bietet das Internet besondere Möglichkeiten der
individuellen Kundenansprache. So können zum Beispiel durch
Beobachtung des bisherigen Kaufverhaltens individuelle
Angebotshinweise gegeben werden. Bei Amazon.com erhält zum
Beispiel der Käufer eines Buches den Hinweis, welche zusätzlichen Bücher
andere Käufer dieses Buches noch gekauft haben. Neben der
Kommunikation bestehen weiterhin Möglichkeiten der kundenspezifischen
Produkt- und Preisgestaltung. Durch eine Angebotsindividualisierung
lassen sich neue Kunden gewinnen und insbesondere auch bestehende
Kunden an das Unternehmen binden. Beides führt zu einer
Umsatzsteigerung.
-
Reverse Economy, Reverse Marketing:
Im Internet entstehen neuartige Geschäftsmodelle, die einzelne
Elemente der klassischen Funktionsweise in der Ökonomie umkehren. So
werden üblicherweise durch das anbietende Unternehmen die Preise für
Produkte oder Dienstleistungen festgeschrieben. Der Kunde kann zu
diesen Preisen kaufen oder in einen Verhandlungsprozess eintreten.
Beim Anbieter Priceline.com geben umgekehrt Kunden feste
Preisangebote ab, zu denen sie verbindlich kaufen würden. Anbieter können
entscheiden, ob sie zu diesem Preis verkaufen oder das Geschäft nicht
zustande kommt. Dies führt häufig zu einer Win-win-Situation
zwischen Anbieter und Kunde, da die Konsumentenrente des Kunden
optimal abgeschöpft wird und dem Anbieter ein Instrument zur
flexiblen Kapazitätsauslastung zur Verfügung steht.
Weiterhin existieren Charakteristika des E-Business, die sich in
Kostensenkungen niederschlagen können:
-
Dis-Intermediation oder
Re-Intermediation: E-Business in seinen Ausprägungen
Business-to-Business, Business-to-Customer oder Customer-to-Customer
eröffnet den direkten Kontakt zwischen Anbieter und Nachfrager. Die
verschiedenen Stufen innerhalb einzelner Geschäftstransaktionen wie
Kontaktaufbau/Akquisition, Information, »Einigung«, Abwicklung der
Produkt-/Dienstleistungsdistribution und der monetäre Zahlungsstrom,
können zum großen Teil direkt zwischen Anbieter und Nachfrager
abgewickelt werden. Transaktionskosten im Verkauf und im Einkauf
werden reduziert. Zwischengeschaltete Handelsstufen fallen dadurch weg
(Dis-Intermediation). Gleichzeitig entstehen neue Zwischenhändler wie
elektronische Marktplätze, Portale, Broker et cetera (Re-Intermediation).
Dadurch werden Geschäftsprozesse zunehmend automatisiert, was enorme
Einsparungen der Transaktionskos-ten ermöglicht.
-
Markttransparenz:
Informationen sind global, zu jeder Zeit und vielfach kostenlos verfügbar.
Dies führt zu einer bisher nicht gekannten Markttransparenz, an der
sich Anbieter und Nachfrager ausrichten müssen. Damit gehen
verbesserte Kommunikationsmöglichkeiten einher. Kunden können
informiertere Kaufentscheidungen treffen, was zu einer größeren
Zufriedenheit führt und die Wiederkaufrate erhöht. Für Unternehmen
resultieren hieraus Kostenreduktionen, da Einsparungen bei
nicht-elektronischer Kommunikation und Marktforschung möglich werden.
-
Economies of Scale und
Scope: Nach der Ersterstellung der elektronischen
Infrastruktur eines E-Business-Unternehmens entstehen durch die zusätzliche
Nutzung durch neue Kunden nur relativ geringe Kosten. Die daraus
resultierenden Economies of Scale kommen dann voll zum Tragen, wenn
hohe Umsätze erreicht werden, was die starke Wachstumsorientierung
von Internet-Firmen begründet. Economies of Scope oder
Verbundvorteile ergeben sich aus Partnerschaften, durch die neue
Umsatzpotenziale erschlossen werden können.
Bei der Konzeption von Revenue-Modellen muss auch das komplexe Thema
des Pricing mit besonderer Sorgfalt angewandt werden (siehe hierzu auch
Kapitel 12.04). Neue Preisgestaltungsmöglichkeiten dürfen nicht das
eigentliche Geschäftsziel verdrängen, nämlich Gewinne zu
erwirtschaften. In der Tat führen Eingangsinvestitionen und
Marketingausgaben zu hohen Anfangsverlusten, die aber strukturell nicht
von dauerhafter Natur sein dürfen. Das beste Business-Modell ist nur dann
erfolgreich, wenn langfristig ein Überschuss erzielt wird. Insofern ist
es bedeutsam, dass Gewinnmargen erzielt, Neukunden akquiriert und diese an
das Unternehmen gebunden werden. Hierzu zählt auch die Bildung einer
hohen Markenbekanntheit und ein intensives One-to-One-Marketing [3].
Erfolgsfaktoren in
Revenue-Modellen
Durch welche entscheidenden Erfolgsfaktoren in Revenue-Modellen können
die Gewinnpotenziale optimal ausgeschöpft werden? Den folgenden vier
Werttreibern kommt dabei eine besondere Bedeutung zu [1] (vgl. auch Abb.
4):
Abb. 4: Erfolgsfaktoren von Revenue-Modellen
-
Neuartigkeit: Business-Modelle,
die selbst innovativ sind, eliminieren oft Ineffizienzen in
Austauschbeziehungen, so dass sie häufig höhere Gewinnchancen haben
als vergleichbare Modelle aus der Old-Economy. Innovative
Business-Modelle haben daher eine größere Chance erfolgreich zu
sein, als die reine Übertragung von Ideen aus der Old-Economy in die
virtuelle Welt. Beispiele für innovative Modelle sind eBay und Priceline.com.
eBay führte als erstes Unternehmen
customer-to- customer-Auktionen ein, in denen auch geringwertige Güter
zwischen Kunden gehandelt werden können. Priceline.com steht für
Reverse-market-Auktionen, bei denen ein Kunde ein verbindliches
Preisangebot für ein Produkt macht. Unternehmen können entscheiden,
ob sie für dieses Preisangebot verkaufen. Entscheidend ist, dass ein
neuartiges Business-Modell für Kunden attraktiv ist und eine
Kundenakzeptanz entsteht.
-
Kundenbindung: Ein weiterer
Werttreiber von Business-Modellen ist das Ausmaß an Kundenbindung,
das potenziell erzielt werden kann. Der Wert eines Business-Modells
steigt dabei mit der Wahrscheinlichkeit, dass Kunden zu einer hohen
Wiederkaufrate motiviert werden können. Diese ist dann hoch, wenn
Kunden Vertrauen zu einem Anbieter ent-wickeln, die Internetseite
individualisiert wurde und einen hohen Bekanntheitsgrad erzielt, eine
kritische Masse an Nutzern erreicht wurde und sich das Produkt oder
die Dienstleistung prinzipiell zum Wiederkauf eignet. So steigt zum
Beispiel in der virtuellen Community For-tunecity der Nutzen der
Teilnehmer mit der Gesamtzahl an Teilnehmern, mit denen sie
interagieren können.
-
Angebot von Komplementärprodukten:
Vielfach bewerten Kunden ein Produktangebot höher, wenn sie
gleichzeitig ein Produkt eines anderen Anbieters beziehen können. So
bietet zum Beispiel E-bookers, ein europäischer
Reiseveranstalter, neben dem originären Geschäft der
Reisevermittlung zusätzlich zahlreiche Services wie
Wetterinformationen, Wechselkursinformationen sowie die Möglichkeit
des Erwerbs spezieller Produkte wie Mosquitonetze oder Sonnencreme über
Travelcamel.com oder Informationen über verspätete Flüge per
SMS. Das Angebot dieser Komplementärprodukte wird in der Regel über
Partnermodelle realisiert. Teilweise werden auch Online-Angebote durch
Offline-Services wie After-Sales-Service oder Umtauschmöglichkeit in
realen Niederlassungen ergänzt. Wichtig ist dabei der inhaltliche Fit
zwischen »Hauptprodukt« und Komplementärprodukten oder Services.
-
Effizienz: Der Wert eines
Business-Modells ist umso höher, je größer die
Transaktionseffizienz ist. Der Erfolgsfaktor Effizienz adressiert
damit eindeutig das Einsparpotenzial durch Reduktion der
Transaktionskosten. Hierzu bestehen vielfältige Möglichkeiten.
Informationsasymmetrien können durch umfassende und aktuelle
Kundeninformationen abgebaut werden. Dies führt zu einer Verringerung
der Suchkosten der Kunden und zu einem informierteren
Entscheidungsverhalten. Durch Nachfragebündelung können günstigere
Preise erzielt werden. Für Anbieter ist dies ebenfalls vorteilhaft,
denn sie profitieren von optimierten Transaktionsprozessen und
niedrigen Beschwerderaten. Beim Anbieter Autobytel.com
beispielsweise erhalten Kunden umfassende Informationen und werden zu
einer geeigneten Produktentscheidung hingeführt. Hat sich ein Kunde für
eine Marke und ein Modell entschieden, wird diese Information an den nächstgelegenen
Händler weitergeleitet, der dann zeitnah ein Angebot unterbreiten
kann. Transaktionskosten werden dadurch auf Käufer- und Verkäuferseite
reduziert.
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Beispiel:
Lernout & Hauspie und Beyond.com
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Die Bedeutung der
genannten Erfolgsfaktoren für das Potenzial von Business-Modellen
soll am folgenden Beispiel erläutert werden. Wir vergleichen die
beiden Unternehmen Lernout & Hauspie und Beyond.com.
Beide vermarkten Computersoftware über das Internet. Lernout &
Hauspie ist der führende Entwickler und Anbieter von
Spracherkennungs- und Übersetzungssoftware. Beyond.com ist
spezialisiert auf den Handel mit Software, Computerperipheriegeräten
und -literatur, Geschenken sowie E-Commerce-Lösungen, wie zum
Beispiel Webseiten-Erstellung. Die Geschäftsmodelle der beiden
Anbieter unterscheiden sich jedoch maßgeblich, was zu der in
Abbildung 5 dargestellten Bewertung führt.
Abb. 5: Werterzielungspotenzial von zwei
E-Commerce Business-Modellen [1]
Zu Lernout & Hauspie´s
Kunden zählen Privatpersonen, Firmenkunden und
Weiterbildungsinstitutionen. Sie treffen ihre Kaufentscheidung auf der
L&H-Internetseite. Der Auftrag wird von dort direkt an eine Firma
namens Digital River weitergeleitet, die dann die
Softwarelieferung (per Download oder auf Datenträger) und das Inkasso
übernimmt. Das Ausmaß an Neuartigkeit dieses Business-Modells ist
relativ gering, da sich Lernout & Hauspie auf seine
Kernkompetenzen der Produktentwicklung konzentriert und die
Distribution über einen anderen Anbieter abwickelt. Kundenbindung
wird ausschließlich über das Produkt selbst, nicht jedoch über das
Business-Modell an sich generiert. Des Weiteren werden nur wenig
Komplementärprodukte angeboten. Es wird deutlich, dass lediglich die
konventionelle Wertschöpfungskette in ein E-Commerce-Business-Modell
überführt wurde. Dennoch ist das Modell effizienter als das
konventionelle Verkaufsmodell, denn Downloadzeiten werden verkürzt
und Kunden können weltweit angesprochen werden.
Beyond.com ist ein reiner
Internet-Softwarehändler und positioniert sich als unabhängiger
Mittler zwischen Anbieter und Kunde. Das Business-Modell ermöglicht
Kunden ein einfaches Downloaden der gewünschten Software. Hierzu
wurden Lizenzabkommen mit über 350 Softwareanbietern geschlossen. Beyond.com
wurde 1994 gegründet und war damals der First Mover mit der Idee des
Internet-Softwarehändlers. Das Ausmaß an Neuartigkeit des
Business-Modells war somit hoch. Eine hohe Kundenbindung
beziehungsweise Wiederkaufrate wird durch das Modell über spezielle
Features wie Produktbeurteilungen aus Kundensicht und
individualisierbare Internetseiten unterstützt. Die hohe
Markenbekanntheit und der Unabhängigkeitsstatus bilden zusätzlich
Vertrauen und stärken die Kundenbindung. Zusätzlich gehört eine
Vielzahl an Komplementärprodukten und Services wie Handbücher, Web
page-Management, Software maintenance und updates et cetera zum
Angebot. Schließlich erreicht das Business-Modell eine hohe
Effizienz, da Lagerhaltung nicht erforderlich ist, wenige
Vermögensgegenstände vorhanden sind und der Online-Versand keine
Transportkosten verursacht. Zusätzlich erlangen Kunden Vorteile durch
schnellen Erhalt der Software, einen einfachen Kaufprozess, umfassende
Produktinformationen und effiziente Suchhilfen. Softwareanbieter
versprechen sich ebenso Vorteile, da Beyond.com für sie ein
zusätzlicher Vertriebskanal ist. Außerdem erhalten sie
Kundeninformationen, die sie für gezielte Direktmarketingaktionen
einsetzen können.
Diese Analyse bedeutet nicht, dass Lernout
& Hauspie ein wenig erfolgreiches Unternehmen ist. Die
Marktkapitalisierung betrug Ende 1999 immerhin zirka 2,3 Mrd. US$. Es
werden aber Hinweise gegeben, dass die Wertschöpfung hauptsächlich
auf gute Produkte und weniger auf die Konstruktion des
Business-Modells zurückgeführt werden kann [1]. Das Business-Modell
von Beyond.com an sich verfügt über ein höheres
Werterzielungspotenzial als das von Lernout & Hauspie.
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