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- Leseprobe -
Innovationsdynamik in den
Telekommunikationsindustrien am Beispiel M-Commerce
von Tatjana
Brönner, Claudia Graeve,
Bernhard Seidl
Durch die zunehmende Konvergenz der Netze, Endgeräte und Inhalte
verändert sich der Wettbewerb in der Telekommunikationswelt. Neben den
etablierten Playern können nun potenzielle Wettbewerber aus anderen
Branchen in den Markt eintreten. Die Vereinigung von Mobilkommunikation
und Internet und daraus entstehende Geschäftspotenziale verändern die
bestehenden Wertschöpfungsketten und Geschäftsmodelle revolutionär.
Ziel dieses Beitrags ist es, Veränderungen in der
Telekommunikationsindustrie aufzuzeigen und deren Auswirkungen zu erläutern.
Beispielhaft werden im Folgenden insbesondere die Bereiche Mobilfunk und
Internet betrachtet.
Stichworte: Veränderungen
in der Telekommunikationswelt, Konvergenz der Wertschöpfungsketten Internet und Mobilfunk,
Neue Technologien: Übertragungstechnologien, Informationstechnologien, Endgeräte,
Ausblick,
Zusammenfassung.
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In diesem Beitrag
erfahren Sie:
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Wie sich die Telekommunikationswelt
verändert und vor allem dem Kunden günstige und bequeme Möglichkeiten
eröffnet, seine Waren, Informationen und Dienstleistungen zu
beziehen,
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wie durch die Veränderung der
Wertschöpfungsketten und durch innovative Geschäftsprozesse eine
Vielzahl neuer Unternehmen entsteht,
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wie stark die Liberalisierung des
Telekommunikationsmarktes das Innovationspotenzial in diesem
Industriezweig vorantreibt.
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Revolutionäre
Veränderungen in der Telekommunikationswelt
»Die alten Branchenkategorien verschwimmen immer mehr. Alle müssen
ihr Geschäft plötzlich noch einmal neu erfinden.«
(Steve Case, CEO America Online)
Die Teilnehmerzahlen in Mobilfunk und Internet wachsen explosionsartig.
Der Trend der Konsumentenbedürfnisse entwickelt sich in Richtung
Infotainment, Kommunikation und Transaktion an jedem Ort zu jeder Zeit. So
wird beispielsweise prognostiziert, dass die Zahl der Mobilfunknutzer in
Deutschland von 24 Millionen Ende 1999 auf 55 Millionen in 2005 steigen
wird. Die rasante technische Entwicklung wird den Trend von derzeit
vorwiegend Festnetz-Anwendungen auf Basis des Computers und Telefons hin
zum Mobilnetz mit neuen mobilen Endgeräten zusätzlich beschleunigen. Der
Internetboom drängt gleichzeitig in die Mobilfunkwelt und erzeugt
Nachfrage nach den entsprechenden Endgeräten und Diensten. Für viele
Konsumenten wird das Handy den ersten Kontakt mit eMail und Internet ermöglichen.
Durch neue Technologien für Internetanwendungen und Mobilfunknetze
entstehen eine Vielzahl neuer Anwendungen. Zukünftige Übertragungstechnologien
(UMTS) stellen eine technische Plattform zur Verfügung, die mit mobilen
Übertragungsgeschwindigkeiten bis zu 384 kbit/s den Ansprüchen der
Informationsgesellschaft voll gerecht wird. Diese Übertragungstechnologie
wird erstmals breitbandige, mobile Multimedia-Dienste wie zum Beispiel
Videotelefonie und mobilen Internetzugang ermöglichen. Weitere
Basistechnologien, die diese Dienste ermöglichen sollen, werden zur Zeit
geschaffen. Kleine, multimediafähige Endgeräte mit langer
Batterieleistung sind in Entwicklung. Neue Softwareplattformen und
Anwendungsprogramme werden generiert. Sowohl Netzbetreiber als auch
Inhalteanbieter, Service Provider und Medienunternehmen drängen in den
Markt und versuchen, sich ein Stück des lukrativen Kuchens zu sichern.
Neben der technologischen Evolution verändern neue Geschäftsmodelle
und der Eintritt neuer Player grundlegend die Struktur in der
Telekommunikations-, Computer- und Medienindustrie: Netzbetreiber im
traditionellen Sinn werden die Netzinfrastruktur betreiben. Service
Provider werden segmentspezifische Kombinationen von Diensten
zusammenstellen und Vertrieb und Kundendienst übernehmen. Inhalteanbieter
werden spezifische Inhalte wie News, Finanzinformationen, Online Shopping
entwickeln und via Service Provider vertreiben. Der Einsatz von
Mobilfunknetzen der dritten Generation (in Europa UMTS) wird völlig neue
Geschäftsmodelle ermöglichen.
Medienunternehmen eröffnet sich neben Print und Fernsehen ein neuer
Kanal, mit welchem sie eine große Masse von Nutzern erreichen können.
Analog zum heutigen Trend im Internet, wo Gratisleistungen durch Werbung
finanziert werden, werden sich auch im Bereich der breitbandigen
Mobilfunktechnologien neue Geschäftsmodelle entwickeln.
Mobilfunkanbieter sind nicht die einzigen, die durch neue mobile Dienste
zusätzliche Einnahmen generieren möchten. Endgerätehersteller, Internet
Service Provider (ISPs), IT-Integratoren und dot.com Start ups versuchen,
ein neues Geschäftsfeld aufzubauen.
Auch eine Vielzahl existierender Branchen wird von neuen mobilen Möglichkeiten
beeinflusst werden. Internet und Mobilfunk werden das Verhältnis zwischen
Mitarbeitern, Zulieferern und Kunden verändern und grundlegende
Anpassungen der internen Geschäftsprozesse, Organisation und
Unternehmenskultur mit sich führen. Neben den klassischen
Telekommunikationsunternehmen treten zunehmend Finanzdienstleis-ter,
Handel und Logistiker als Player in den neuen Markt des »Electronic
Business« und werden ihre Angebote auch mobil zugänglich machen.
Größter Nutznießer all dieser Veränderungen wird der Kunde sein, dem
sich neue kostengünstige und bequeme Möglichkeiten eröffnen, seine
Waren, Informationen und Dienstleistungen zu beziehen.
Konvergenz
der Wertschöpfungsketten Internet und Mobilfunk
Die traditionelle Mobilfunk- und Internet-Wertschöpfungskette wächst
zusammen.
Der mobile Zugang zum Internet wird die Entwicklungen im Internet positiv
beeinflussen - gleichzeitig wird sich die klassische Wertschöpfungskette
von Internet und Mobilfunk verändern: Neue Technologien für
Telekommunikation und eine Vielzahl neuer Endgeräte ermöglichen die
Entwicklung einer Plattform für innovative benutzerfreundliche mobile
Dienste und Applikationen. Die Kombination von Internet und die Ubiquität
von mobiler Sprach- und Datenkommunikation ermöglichen es, neue Kundenbedürfnisse
wie zum Beispiel Echtzeitinformationen, ortsabhängige Information und
uneingeschränkte Kommunikation zu befriedigen. Personalisierung,
Lokalisierung, Ubiquität, einfache Bedienung und Aktualität in
Verbindung mit besonderen Inhalten bestimmen dabei nachhaltig den Erfolg
mobiler Dienste. Ein personalisiertes Netzwerk von Kommunikation,
Infotainment und Transaktion wird entstehen. Mobile Portale integrieren
Inhalte und Dienste und stellen ein personalisiertes Interface für den
Benutzer dar, um Zugang zu Informationen und Diensten zu organisieren.
Zukünftig wird der Benutzer vor allem das mobile Endgerät als Zugang zu
seinem persönlichen Netzwerk nutzen. Hauptcharakteristika dieses
Netzwerks sind dabei mobile Portale zur Abwicklung von M-Commerce in
Verbindung mit innovativen Kommunikationsdiensten wie beispielsweise
Unified Messaging und Videotelefonie.
Die Entstehung dieser persönlichen Netzwerke führt zur Konvergenz der
Internet- und Mobilfunkwertschöpfungskette. Historisch betrachtet sind
die Wertschöpfungsketten für technologiebasierte Produkte lineare
Prozesse, in denen Wertzuwachs in jeder Stufe durch einen komplexeren
Service zugefügt wird wie zum Beispiel Übersicht über Börsenkurse,
personalisierbare Börsenkursabfrage und Online-Trading. In einer Welt, in
der Dienste über eine Vielzahl von Kanälen verteilt werden, verändert
sich die ursprüngliche Wertschöpfungskette, und die neue Art des
Zusammenwirkens kann bestens als ein Netz beschrieben werden. Wert wird
nicht nur durch das Angebot von Diensten an den Benutzer geschaffen,
sondern vor allem durch Systemintegration, Contentaggregation und
Entwicklung von innovativen Applikationen wie beispielsweise mobile
Bezahldienste.
Durch die Veränderung der Wertschöpfungsketten und neue Geschäftsprozesse
entstehen eine Vielzahl neuer Unternehmen wie zum Beispiel Mobile Portal
Betreiber, Virtuelle Mobile Netzwerkbetreiber und Application Service
Provider (ASP).
Besonders die etablierten Mobilfunkanbieter und Internet Service Provider
versuchen gegenwärtig, sich im Markt des M-Commerce strategisch als
Portalanbieter zu etablieren und sehen sich dabei Positionierungskämpfen
und notwendigen organisatorischen Veränderungen ausgesetzt. Eine Vielzahl
der Unternehmen geht dabei strategische Partnerschaften ein, um durch
gegenseitigen Know-how-Austausch Synergien zu nutzen. Vor allem etablierte
Internet-Portale bauen eigene mobile Portale auf und versuchen
gleichzeitig, diese Dienste wiederum Mobilfunkanbietern zu verkaufen.
Die strategische Herausforderung der Mobilfunkanbieter ist es, sich in das
Zentrum der M-Commerce Wertschöpfungskette zu stellen, um, weg vom reinen
Commodity Transportprodukt, höherwertige Dienste anzubieten, die den
Marktanteil erhöhen und zusätzliche Einnahmemöglichkeiten durch
Transaktionen und Werbung versprechen. In Partnerschaft mit
spezialisierten Mobile und Internet-Portalen erhalten Mobilfunkanbieter
Zugang zu etablierten Content-Allianzen und können von der Erfahrung der
Internet-Player in der Implementierung von Funktionalitäten wie
beispielsweise Suchmaschinen, Contentaggregation profitieren. Im Gegenzug
können die spezialisierten Portal-Anbieter vom großen Kundenstamm,
Brand, existierender Billingbeziehung, Kundeninformationen (insbesondere
aktueller Aufenthaltsort) profitieren. Time to Market ist dabei einer der
kritischen Erfolgsfaktoren.
Partnerschaften werden zunehmend an Bedeutung gewinnen, da keiner der
Player im M-Commerce alle Kernkompetenzen vereinigen kann, um frühzeitig
innovative mobile Dienste anzubieten. Besonders Middleware &
Applikations-Provider stellen ein Nadelöhr dar. Nur die Unternehmen, die
es schaffen, mobile Portale zu entwickeln, eine offene Zugangs- und
Plattform-Politik zu betreiben, Investitionen in
Lokalisierungstechnologien zu tätigen und neue Bezahlungssysteme zu
implementieren, werden von dem lukrativen neuen mobilen Markt profitieren.
Ein weiterer entscheidender Erfolgsfaktor ist es, innovative Produkte und
Dienste frühzeitig zu entwickeln und zu vermarkten, um so mit den
schnellen technologischen Innovationszyklen in der
Telekommunikationsindustrie nicht nur Schritt zu halten, sondern diese
proaktiv mitzubestimmen.
Neue Technologien
Die Liberalisierung des Telekommunikationsmarktes ist als einer der stärksten
Innovationstreiber in der Telekommunikationsindustrie anzusehen. Der
daraus resultierende intensive Wettbewerb führt zu einer schnelleren Einführung
innovativer Dienste - verbunden mit besserem Service zu geringeren
Preisen. Gleichzeitig entwickeln Konsumenten anspruchsvollere
Kommunikations- und Informationsbedürfnisse. Die
Telekommunikationsindustrie ist von immer kürzer werdenden Lebenszyklen
gekennzeichnet, die durch den Fortschritt neuer Technologien getrieben
werden. Diese sind eine der Grundvoraussetzungen, neue Kundenbedürfnisse
zu befriedigen beziehungsweise erst zu wecken.
Bessere Qualität, größere Kapazitäten und neue Leistungsmerkmale bei
niedrigen Kosten sind nur einige der notwendigen Kriterien für die
erfolgreiche Vermarktung neuer Anwendungen und Dienste. Die wesentlichen
Technologietreiber sind erhöhte Bandbreiteneffizienz, sinkende Kosten pro
Bandbreite, neue Softwaretechnologien und leistungsfähige Endgeräte. Die
Grenzen der übertragbaren Bandbreite sind daher nicht netzwerkbedingt,
sondern von den Fähigkeiten und Verfügbarkeiten der mobilen Endgeräte
vorgegeben, welche auch in den nächsten Jahren den Engpass darstellen
werden.
Übertragungstechnologien
Zwei grundlegend richtungsweisende Trends beherrschen die Technologien
in der Telekommunikationsindustrie: zum einen der Trend zu Breitband
Netzwerken und zum anderen die Entwicklung des Mobilfunks und insbesondere
des mobilen Internets, die gerade ihren Anfang nimmt und die Zukunft
erheblich umgestalten wird.
Im Breitbandbereich kommt es gegenwärtig zu einem außerordentlichen
Anwachsen der benötigten Bandbreite aufgrund zahlreicher neuer
hochbitratiger Applikationen im Geschäfts- und Privatbereich sowie der
rasant ansteigenden Nutzerzahlen.
Neue Fernübertragungnetze (Backbonenetze) werden derzeit von
Kabelnetzbetreibern, Telekommunikationsnetzbetreibern mittels
Glasfaserkabel aufgebaut. Zukünftig sind in diesen Netzen
Geschwindigkeiten von bis zu 1,6 Tbit/s über eine Glasfaser vorstellbar,
was einer Kapazität von 25 Millionen gleichzeitigen Telefonverbindungen
entspricht.
Im Teilnehmerzugangsbereich (Access) werden anstelle der teuren
Verlegung neuer Glasfaserkabel die existierenden Teilnehmeranschlüsse und
Kabel TV Anschlüsse durch innovative Übertragungstechnologien (ADSL,
SDSL, VDSL, Kabel Modem) ergänzt, so dass auch dort der bis jetzt
vorherrschende Flaschenhals von maximal 128 kbit/s in den Megabit-Bereich
erweitert wird. Im Mobilfunkbereich ist das alles beherrschende Thema die
mobile Datenübertragung. Mit der Einführung der Netzwerke der nächsten
Generation werden die Weichen für die Einführung einer Vielfalt neuer
Applikationen und Dienste gestellt.
Die mobilen Netztechnologien der »2.5ten Generation« (HSCD, GPRS, EDGE)
sowie der dritten Generation (UMTS) erlauben eine Steigerung der
typischerweise im GSM Netz verfügbaren Bandbreite von 9,6Kbit/s auf bis
zu 384Kbit/s im UMTS Netz. Die Übertragung wird in Zukunft auf reiner
Ende-zu-Ende Paketvermittlung basieren und dem Kunden über das Internet
Protocol (IP) eine standardisierte Applikationsschnittstelle zur Verfügung
stellen.
Informationstechnologien
Die kürzeren Lebenszyklen der Mobiltelefone bewirken, dass nicht mehr
alle Komponenten eines mobilen Endgerätes (Hardware, Betriebssystem,
Applikationen) vom Endgerätehersteller selbstständig entwickelt werden können.
Außerdem werden im Rahmen von gestiegenen Interoperabilitätsanforderungen
standardisierte Komponenten Eigenentwicklungen ablösen. Als typisches
Beispiel für herstellerübergreifende mobile Standards seien hier WAP
(Applikationsprotokoll), Bluetooth (zur direkten Kommunikation zwischen
Endgeräten) und die 3 konkurrierenden Betriebssysteme EPOC (Symbian),
Windows CE (Microsoft) und Palm OS (3Com) genannt.
Die Applikationsprotokolle zur Darstellung von Bildinhalten basieren alle
auf einem Client-Server Prinzip und sind im Wesentlichen SIM Application
Toolkit (STK), Wireless Application Protocol (WAP), i-Mode in Japan und
der proprietäre Palm VII Standard in den USA. Ähnlich wie bei den
mobilen Betriebssystem ist es derzeit noch nicht möglich, vorauszusagen,
welcher Standard sich endgültig durchsetzen wird. WAP ist mit vielen
Vorschusslorbeeren gestartet, hat jedoch aufgrund seiner gegenwärtigen
Benutzerunfreundlichkeit und langer Wartezeiten für Endgeräte einiges an
Attraktivität eingebüßt. i-mode hingegen, von DoCoMo als nationaler
japanischer Standard in den Markt gebracht, erfreut sich aufgrund
niedriger Gebühren und intelligentem content ungebremster Beliebtheit bei
den Kunden und hatte Mitte 2000 schon mehr als 7 Millionen aktive Nutzer.
Die Applikationsprotokolle stellen die Plattform dar, die es ermöglicht,
neue mobile Daten- und Multimediaanwendungen anzubieten. Ob und welche
dieser Anwendungen tatsächlich den Durchbruch im Massenmarkt erreichen
wird, ist zu diesem Zeitpunkt noch ungewiss. Wahrscheinlicher ist dagegen,
dass es ein Bündel von Anwendungen geben wird, die ein breites
Interessensspektrum abdecken und somit zusammen den Durchbruch in den
Massenmarkt erreichen. Erfolgskritisch wird es somit sein, die geeigneten
Mischungen verschiedener Dienste anzubieten, also etwa »lifestyle
packages« zusammenzustellen und Kundenbindungsprogramme zu integrieren.
Die Software- und Systemintegrationsbranche, die durch den zunehmenden
Transport von Daten über das Festnetz sowie die steigende Zahl an
Internetapplikationen einen Kreativitätsschub erhalten hat, hat mit der
Einführung von Softwareplattformen in den bestehenden Mobilfunknetzen
begonnen, sich auf den mobilen Bereich auszudehnen. So sind spezielle
Software Lösungen essentiell für die Bereitstellung neuer Abrechnungs-
und Kundenverwaltungssysteme, für Sicherheits- und Verschlüsselungssysteme
sowie neue Bezahlsysteme für Kleinbeträge. Zukünftige Abrechungssysteme
müssen in der Lage sein, Gespräche/Sitzungen auf der Basis von durchgeführten
Transaktionen / abgerufenem Inhalt /übertragender Datenrate zu vergebühren.
Sie müssen dem gestiegenen Bedürfnis nach rascher Veränderbarkeit
gerecht werden, erfordern Internetfähigkeit für eigenständige
Kundenverwaltung und eine stärkere Einbindung weiterer Backofficesysteme.
Das Problem der Datensicherheit und -vertraulichkeit stellt eine der
bislang ungelösten Herausforderungen der Mobilfunkbranche dar. Sicherheit
wird zwar als einer der Schlüsselfaktoren für M-Commerce betrachtet,
dennoch gibt es keinen Standard. Asymmetrische Schlüsselsysteme wie PKI
(Public Key Infrastructure) Systeme haben dank mehrerer Allianzen zwischen
Softwarehäusern, Telcos, Systemhäusern und SIM-Kartenherstellern die
besten Aussichten, sich zusammen mit der Digitalen Unterschrift als
Quasi-Sicherheitsstandard für drahtlose Transaktionen zu etablieren.
Neue mobile Bezahlsysteme für Kleinbeträge werden in Zukunft mehr und
mehr an Bedeutung gewinnen. Kunden können zum Beispiel in Zukunft ihre
Geldbörse in elektronischer Form auf der SIM Karte im Endgerät mit sich
führen (elektronischer Geldbeutel) und damit Waren und Dienstleistungen
ohne Zuhilfenahme von Bargeld oder Kreditkarte beziehen.
Im Bereich Medien beziehungsweise Multimedia sind mit neuen Verfahren zur
Digitalisierung von Information und zur Kompression der Datenmengen die
Voraussetzungen geschaffen worden, um (multi)mediale Inhalte über
Netzwerke - Festnetz und in zunehmendem Maße das Mobilnetz - zu
verbreiten. Zusätzlich wurden herstellerübergreifende Standards
definiert, damit der komprimierte Inhalt unabhängig vom Endgerät und Übertragungsprotokoll
dargestellt werden kann.
Standardisierte Verfahren zur Komprimierung von Audiodaten (MP3) und
Videodaten (MPEG-4) ermöglichen die Verbreitung von Musik und Videos
sowohl über das traditionelle Internet als auch zukünftig über das
mobile Internet. Diese Form des Online-Vertriebes digitalisierbarer
Inhalte wie Software, Bücher, CD`s, Videos oder Computerspiele über
einen neuen Distributionskanal wird zu großen Umstrukturierungen
innerhalb der Medien, des Einzelhandels und der Unterhaltungsindustrie führen.
Die Kombination von Mobilfunk und Lokalisierungstechniken bietet zusätzliche
Möglichkeiten, spezifische Mehrwertdienste und -information anzubieten.
Ebenso wichtig werden die Personalisierungstechniken für die mobile
Umgebung. Da im Bereich M-Commerce jeder zusätzliche Click einen
erheblichen Aufwand darstellt, der zudem die
Transaktionswahrscheinlichkeit um die Hälfte reduziert, werden
Personalisierungstechniken zu einem wesentlichen Erfolgsfaktor. Mit Hilfe
des Benutzerprofils, das heißt dessen Verhalten und Vorlieben, lassen
sich die mobilen Portal-Services individuell auf den einzelnen Benutzer
zuschneiden.
Die zur Beschreibung von Inhalten und Datenstruktur verwendete
Seitenbeschreibungssprache basiert zunehmend auf der eXtensible Markup
Language XML, die sich als Übergruppe der Meta-Sprachen HTML (Internet)
und WML (Wireless Mark-up Language, für WAP entwickelt) etabliert hat. Außerdem
werden gegenwärtig Seitenbeschreibungssprachen wie Voice over XML (VoXML)
zur automatischen Spracherkennung und intelligenten Sprachwiedergabe
entwickelt, die zukünftig die existierenden Seitenbeschreibungssprachen
ergänzen werden.
Die mobile Middleware steht in den Anfängen ihrer Entwicklung. So sind
unter den Lösungen zum Aufbau mobiler Portale erste Beispiele für die
Integration von mobilem Content und Lokalisierungs- und
Personalisierungstechniken sowie Mehrwertdiensten wie Spracherkennung zu
finden. Auch die Weiterentwicklung der Portale zu M-Commerce Plattformen,
die die Abwicklung jeglicher Art von kommerziellen Transaktionen zwischen
dem Endkunden, dem Mobilnetzbetreiber und dem Contentanbieter ermöglichen,
ist noch im Anfangsstadium.
Vor diesem Hintergrund ist zu verstehen, warum die verschiedenen mobilen
Applikationen, die in Abbildung 5 zusammengefasst sind, erst mittelfristig
an Attraktivität gewinnen.
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