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- Leseprobe -
E-Business und die Restrukturierung der
Geschäftsprozesse
von Michael
Nowak
Ursache für den ausbleibenden Erfolg eines E-Business-Engagements
ist oft die mangelnde Prozessorientierung vieler Unternehmen. Die mit den
neuen Informationstechnologien verbundenen Potenziale können in der Regel
erst durch die Optimierung der Geschäftsprozesse und deren Anpassung an
die E-Business-Anwendungen realisiert werden. Um dies zu erreichen, ist
ein strukturiertes Vorgehen notwendig: Alle Aspekte eines Prozesses
müssen in die Überlegungen mit einbezogen werden.
Stichworte:
Bedeutung von Prozessen im E-Business; Reorganisationspotenziale; Probleme
bei der Neugestaltung von Prozessen; Grundlagen der Prozess-Strukturierung;
Neugestaltung von E-Business-Prozessen im Beschaffungs- und
Vertriebsbereich; Zusammenfassung
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In diesem Beitrag
erfahren Sie:
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-
wie durch eine Ausrichtung der
Prozesse auf E-Business-Anwendungen und die zugrunde liegenden
technologischen Möglichkeiten die Potenziale neuer Entwicklungen
ausgeschöpft werden können,
-
warum eine ganzheitliche
Umstrukturierung neben den Prozess-Abläufen auch die
Prozess-Leistungen und die Prozess-Schnittstellen mit einbeziehen
muss,
-
welche Besonderheiten bei der
Neugestaltung der Prozesse in verschiedenen Bereichen zu
berücksichtigen sind.
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Allgemeines zu Geschäftsprozessen
Im Allgemeinen wird die Unternehmensorganisation in die Aufbau- und die
Ablauforganisation unterteilt. Während bei der Aufbauorganisation die
Regelung und Abgrenzung von Aufgaben, Kompetenzen und
Unterstellungsverhältnissen im Vordergrund stehen, beschäftigt sich die
Ablauforganisation mit der Gestaltung von Unternehmensprozessen. Ein
Prozess umfasst in der Regel mehrere sachlich zusammengehörige
Aktivitäten, die funktionsübergreifend verbunden sind, und ist durch die
folgenden Merkmale gekennzeichnet:
Die klassische Prozessanalyse zerlegt je nach Betrachtungsebene
Geschäftsprozesse in Teilprozesse und diese wiederum in verschiedene
Aufgaben.
Charakteristisch für einen Prozess ist zum Ersten sein Ablauf, der durch
die spezifische Abfolge der auszuführenden Aufgaben festgelegt wird.
Neben den Aufgabenträgern stehen hierbei die verwendeten Medien für die
Bearbeitung und Übermittlung von Ergebnissen im Mittelpunkt des
Interesses. Zum Zweiten ist ein Prozess durch die Leistungen, welche er
abgibt beziehungsweise empfängt, gekennzeichnet. Unter Leistungen ist
hier nicht nur das Endergebnis eines Prozesses zu subsumieren, sondern
jeglicher Output (Input), der vom Prozess abgegeben (empfangen) wird, wie
beispielsweise Rechnungen, Auftragsbestätigungen oder Absatzdaten. Des
Weiteren können Prozesse in physische Prozesse und Informationsprozesse
eingeteilt werden. Im Bereich E-Business sind vor allem die
Informationsprozesse von besonderer Bedeutung. Die Trennung der physischen
von der informationellen Komponente eines Prozesses beziehungsweise eines
Produktes ermöglicht einerseits die Ausnutzung von
informationsspezifischen Potenzialen wie beispielsweise die beliebig
häufige Reproduzierbarkeit, die Möglichkeit der Speicherung und die
schnelle Transportierbarkeit. Andererseits wird dadurch die Grundlage für
die Virtualisierung von Prozessen und Funktionen geschaffen.
Um einen besseren Überblick über die Vielzahl der Prozesse, die in einem
Unternehmen ablaufen, zu erhalten und um deren Bedeutung für den
Unternehmenserfolg einschätzen zu können, ist eine Einteilung in
Prozesstypen üblich. Es besteht beispielsweise die Möglichkeit, die
Geschäftsprozesse entsprechend ihrer Bedeutung für die Kunden sowie für
den Unternehmenserfolg in vier Kategorien zu klassifizieren: In
Schlüsselprozesse, Hebelprozesse, opportunistische und unterstützende
Prozesse (siehe Abbildung 1).

Abb. 1: Geschäftsprozess-Typen [1]
Schlüsselprozesse sind demnach von größter Bedeutung, da sie den
Erfolg sehr stark beeinflussen und vom Kunden als wichtig erachtet werden.
Sie ermöglichen eine Abgrenzung vom Konkurrenten und sollten daher bei
Prozessoptimierungen innerhalb eines Unternehmens bevorzugt betrachtet
werden. Hebelprozesse stiften primär keinen großen Nutzen für den
Kunden oder besser gesagt: Der Nutzen wird vom Kunden nicht wahrgenommen;
allerdings bilden sie die Voraussetzung für den Unternehmenserfolg.
Unterstützende und opportunistische Prozesse generieren in der Regel nur
eine relativ geringe Wertschöpfung und sollten möglichst kostengünstig
abgewickelt werden. Allerdings ist im Moment zu beobachten, dass
insbesondere die opportunistischen Prozesse im Zusammenhang mit E-Business
zunehmend an Bedeutung gewinnen und den Unternehmen eine Differenzierung
vom Wettbewerber ermöglichen.
Die Bedeutung von Prozessen im E-Business
Die Nutzenpotenziale von E-Business-Lösungen, wie zum Beispiel Kosten-
und Zeitersparnisse oder Absatzverbesserungen, erwachsen aus den
vielfältigen Möglichkeiten neuer, leistungsfähigerer Technologien,
welche die Verarbeitung und Übermittlung extrem großer Datenmengen
erlauben. Der Nutzen entsteht allerdings nicht primär durch den Einsatz
der neuen Technologie, sondern erst durch die Prozessverbesserungen, die
dadurch erreicht werden. Das heißt, die Potenziale müssen erst durch
aktive Prozessveränderungen umgesetzt werden. Dem Prozessmanagement kommt
demnach eine herausragende Rolle zu. Zwar sind Prozessverbesserungen
bereits durch die Einführung neuer Technologien zu beobachten -
beispielsweise fallen automatisch die Prozessschritte »Eintüten und
Frankieren« weg, wenn ein E-Mail-Dienst genutzt wird - die größten
Potenziale liegen allerdings im Bereich der aktiven Prozessumgestaltung.
Wird zum Beispiel eine E-Mail-Anfrage aufgrund einer nachlässigen
Prozessorganisation wochenlang nicht bearbeitet, verpuffen die
eigentlichen, technisch möglichen Potenziale. Folglich ist es nutzlos,
EDV-Systeme auf bestehende Prozesslandschaften aufzudrücken. Der Fokus
bei der Einführung von E-Business-Lösungen muss vielmehr auf die
Veränderung der Geschäftsprozesse gerichtet werden [2].
Reorganisationspotenziale
Mit Hilfe moderner E-Business-Lösungen entstehen völlig neue
Möglichkeiten, Geschäftsprozesse zu reorganisieren beziehungsweise zu
optimieren [3]. Ausgehend von den Komponenten eines Prozesses existieren
die folgenden drei Ansatzpunkte: Erstens kann an den Arbeitsabläufen
angesetzt werden. Durch eine Umstrukturierung der Aufgabenfolge können
Kosten- und Zeitvorteile realisiert werden. Zweitens können die
Leis-tungen eines Prozesses modifiziert werden, wobei eine zunehmende
Kundenausrichtung und die Integration von Geschäftspartnern im
Vordergrund stehen sollten. Drittens kann durch eine verbesserte
Verbindung der einzelnen Prozesse die Kommunikation optimiert und die
unternehmensinterne und -externe Vernetzung ausgebaut werden. Abbildung 2
stellt diese Ansatzpunkte grafisch dar.
Des Weiteren wird neben diesen Ansatzpunkten auch bezüglich der Tiefe der
Reorganisation unterschieden. Werden bereits vorhandene Abläufe,
Leistungen oder Verbindungen in Hinblick auf Zeit, Kosten und/oder
Qualität optimiert, handelt es sich um Prozessverbesserungen.
Prozessinnovationen liegen demgegenüber vor, wenn Prozesse völlig neu
gestaltet werden und bis dahin unbekannte Lösungen oder Leistungen
kreiert werden [4]. In Tabelle 1 sind die Reorganisationspotenziale durch
E-Business-Lösungen noch einmal aufgelistet und werden im Folgenden
näher erläutert.
Abb. 2: Reorganisationspotentiale
Optimierung des Ablaufes
Die Abfolge der einzelnen Aktivitäten eines Prozesses kann optimiert
werden, indem Prozessschritte eliminiert, parallelisiert oder substituiert
werden. Eliminiert werden in der Regel nicht-wertschöpfende Prozesse wie
Blind- oder Fehlprozesse, die durch den Einsatz technischer Lösungen
entfallen. Der bereits oben angeführte Einsatz von E-Mail-Diensten, durch
den die Prozessschritte »Eintüten und Frankieren« wegfallen, kann hier
wiederum als Beispiel angeführt werden.
Die gleichzeitige Verfügbarkeit und Übertragung von Informationen mit
Hilfe von digitalen Anwendungen ermöglicht darüber hinaus eine parallele
Verarbeitung. Insbesondere bei Genehmigungsverfahren, an denen mehrere
Instanzen beteiligt sind, kann durch eine gleichzeitige Bearbeitung die
Durchlaufzeit erheblich verkürzt werden.
Schließlich können Prozesse, die bisher manuell beziehungsweise physisch
abgearbeitet wurden, häufig durch kostengünstigere und qualitativ
verbesserte Abläufe ersetzt werden. Durch Automatisierungsmechanismen
werden sehr kurze Bearbeitungszeiten ermöglicht und der substituierte
Prozess als eigener Arbeitsschritt wird oft gar nicht mehr wahrgenommen.
Beim elektronischen Austausch von Dokumenten ist beispielsweise der
Prozessschritt »Versenden« nur noch mit einem Mausklick verbunden.
Kennzeichnend für Innovationen im Bereich der Prozessabläufe ist die
Einführung von Prozessstrukturen, die bisher nicht realisiert werden
konnten, da die technischen Voraussetzungen nicht gegeben waren. Ein
Beispiel hierfür ist die Durchführung von Auktionen im Internet. Die
dazugehörigen Prozessabläufe waren bis vor kurzem ohne die notwendige
Internet-Technologie nicht umsetzbar.
Optimierung der Leistungen
Auch die Verbesserung der Prozessleistungen spielt sich größtenteils
in der informationellen Sphäre ab. Ausgangspunkt ist immer die
Transformation von vorhandenen Informationen in die digitale Form. Mit
dieser digitalen Form sind eine Reihe von Vorteilen verbunden: Digitale
Informationen lassen sich leicht reproduzieren, speichern und versenden.
Mit Hilfe dieser Vorteile können viele Prozessleistungen verbessert
werden. Digitale Rechnungen oder Auftragsbestätigungen sind einfacher zu
versenden oder abzulegen. Ganze Produktkomponenten können virtualisiert
und modifiziert werden, wie beispielsweise Gebrauchsanleitungen oder
Druckertreiber. Durch den Zugriff auf zentrale Datenbanken, wie zum
Beispiel elektronische Produktkataloge, können Serviceleistungen
verbessert beziehungsweise ausgeweitet werden.
Innovationen im Rahmen der Prozessleistungen sind meist im
Dienstleistungsbereich zu finden. Viele neuartige Services, wie die
Online-Wartung von Maschinen oder die Online-Verfolgung von Bestellungen (tracking
& tracing), werden erst durch die neuen Technologien ermöglicht.
Optimierung der Schnittstellen
Neben der verbesserten Informationsverarbeitung sind die technischen
Möglichkeiten im Bereich der Kommunikation die zweite Haupt-Quelle von
Prozessoptimierungen. Unternehmensexterne und -interne Verbindungen
können durch die schnellere Übermittlung von immer größeren
Datenmengen verbessert werden. Der Kunde, die Lieferanten und andere
Akteure des Unternehmensumfeldes werden dadurch enger in den
Wertschöpfungsprozess eingebunden. So können die Kunden schon
frühzeitig Sonderwünsche einbringen und die Lieferanten durch
automatische Bestandsmeldungen an den Produktionsprozess besser angebunden
werden. Auch in diesem Bereich wurden und werden viele
Kommunikationsformen erst durch die neuen Technologien möglich. Der
Vertrieb über das Internet, die Ausrichtung der Produkte auf die
Kundenwünsche oder der Einsatz von Groupware basiert auf verbesserten
Kommunikationsmöglichkeiten, welche die Prozesse und die Prozessakteure
enger miteinander verknüpfen.
Probleme bei der Neugestaltung von Prozessen
Die Umsetzung der dargestellten Reorganisationspotenziale ist nicht
immer einfach. Neben allgemeinen Problemen, die generell bei der
Einführung neuer E-Business-Lösungen auftauchen können, wie zum
Beispiel mangelnde Akzeptanz der Anwender oder unzureichendes
Projektmanagement, gibt es zwei Aspekte, die insbesondere bei der
Anpassung von Prozessen an ein E-Business-Engagement problematisch sind
[5]:
-
Zum einen fehlen aufgrund des hohen Neuigkeitsgrades der zu
realisierenden Prozesse Erfahrungen und vergleichbare (Referenz-)
Prozesse.
-
Zum anderen sind bei einer funktions- oder bereichsübergreifenden
Prozessgestaltung mehrere Partner mit eigener IT- und Prozesserfahrung
beteiligt und müssen koordiniert werden.
Ein durchdachtes Prozessmanagement und die frühzeitige Einbeziehung
aller Prozess-beteiligten bilden die Grundlage dafür, diesen Problemen
entgegenzuwirken.
Grundlagen der Prozess-Restrukturierung
Prozess-Restrukturierung oder neudeutsch »Process-Reengineering« ist
kein neuer Gedanke. Schon seit Anfang der neunziger Jahre gilt die
radikale Umgestaltung der Unternehmensprozesse als vielversprechendes
Managementkonzept. Allerdings sind im Zusammenhang mit E-Business einige
neue Aspekte aufgetaucht:
-
Technologische Lösungen gewinnen bei der Gestaltung von Prozessen
zunehmend an Gewicht.
-
Schnittstellen zwischen Unternehmen oder Prozessen werden zunehmend
automatisiert.
-
Unternehmensexterne Akteure werden zunehmend in die
Unternehmensprozesse mit eingebunden.
Die Gestaltung von E-Business-Prozessen folgt im Wesentlichen den
Phasen der klassischen Prozessrestrukturierung: Zielformulierung,
Ist-Analyse, Restrukturierung.
Zielformulierung und Ist-Analyse
In einer ersten Phase müssen die Ziele, welche durch den neuen Prozess
erreicht werden sollen, definiert werden. Die klassischen Prozess-Ziele
sind hierbei Kosten, Zeit und Qualität. Unter dem Aspekt E-Business
unterliegt die Bedeutung der einzelnen Ziele allerdings einem gewissen
Wandel. Kosten und Zeit sind zwar nach wie vor Grundziele, die
berücksichtigt werden müssen, allerdings sind diese Faktoren im Hinblick
auf die elektronische Datenverarbeitung meist sowieso ein Nebenprodukt der
Automatisierung und der digitalen Kommunikation. Qualitätsziele hingegen
werden zunehmend an Bedeutung gewinnen. Dies liegt zum einen an der
Tatsache, dass eine Differenzierung über Zeit- oder Kostenvorteile
aufgrund des zunehmenden Technologieeinsatzes immer schwieriger wird. Zum
anderen erfordern die komplexer werdenderen Prozesslandschaften qualitativ
hochwertigere Lösungen. Welche Faktoren die Qualität eines Prozesses
ausmachen, hängt stark von dem betrachteten Prozess ab. So kann sich die
Qualität auf die Prozessleistungen beziehen (z.B. guter Kundenservice),
die Prozessschnittstellen (z.B. Kompatibilität zu anderen Systemen) oder
aber auch auf den Prozess selbst (z.B. geringe Fehlerrate). Viele
prozessinterne Qualitätsaspekte können durch technische Lösungen
einfach umgesetzt werden, wie beispielsweise Genauigkeit oder Aktualität.
Bezogen auf die Prozessleistungen sind Faktoren wie der
Prozess-Kundennutzen oder der Informationsgehalt bestimmter Leistungen von
herausragender Bedeutung. Die Kompatibilität von verschiedenen Systemen
und die Prozessflexibilität wird in Bezug auf die Schnittstellen zwischen
verschiedenen Prozessen zunehmend wichtiger. Insbesondere die
Prozessflexibilität ist hier hervorzuheben, da sie auch in den anderen
genannten Bereichen von besonderer Bedeutung ist. Sie ermöglicht die
schnelle Anpassung von Abläufen und Leistungen an veränderte
Rahmenbedingungen in der sich schnell wandelnden Internet-Ökonomie. Die
Abbildung 3 stellt noch einmal die Faktoren der Prozessqualität grafisch
dar.
Abb. 3: Prozessqualität
Bei der Zielbestimmung sind neben dieser sachlich-rationalen,
prozessbezogenen Sichtweise noch andere Dimensionen in die Überlegungen
mit einzubeziehen, welche die Prozessziele in erheblichem Ausmaß
beeinflussen (sekundäre Ziele). Hierzu zählen interne politische Ziele
(z.B. strategische Aspekte), externe politische Ziele (z.B. Kontakte zu
bestimmten Lieferanten) und das angestrebte Investitionsvolumen, das zu
großen Teilen von der beabsichtigten technologischen Lösung determiniert
wird.
An die Phase der Zielformulierung schließt sich die Ist-Analyse an. Sie
soll die aktuelle Situation kritisch darstellen und liefert erste
Ansatzpunkte für mögliche Prozessverbesserungen. Für die Abgrenzung,
Erfassung und Abbildung der Prozesse stehen eine Vielzahl an verschiedenen
Instrumentarien zur Verfügung; sie sollen aber im Rahmen dieses Beitrages
nicht weiter vertieft werden [6].
Restrukturierung
Die eigentliche Prozessneugestaltung muss ausgehend von den verfolgten
Zielen folgende Aspekte betrachten:
-
Optimierung der Prozess-Leistungen
-
Optimierung der Prozess-Schnittstellen
-
Abgleich des Prozesses mit der E-Business-Strategie
-
Optimierung der Prozessabläufe
Zunächst müssen die Prozess-Leistungen überdacht werden. Hierbei
müssen neben den technologischen Möglichkeiten von E-Business-Lösungen
auch die Wünsche und Bedürfnisse der Prozess-Kunden beachtet werden. Es
können neue Leistungen oder Leistungsvarianten hinzugefügt
beziehungsweise bisher erbrachte Leistungen abgeschafft werden oder im
Hinblick auf die Erwartungen des Prozess-Kunden modifiziert werden. Auch
die Gestaltung der Prozess-Schnittstellen ist stark technologieabhängig.
Zukünftige Trends und Standards sollten in die Überlegungen schon
frühzeitig mit einbezogen werden. Der Abgleich des Prozesses mit einer im
Unternehmen vorhandenen E-Business-Strategie führt in der Regel zu
tiefgreifenden Veränderungen. Durch den Einsatz neuer Technologien im
Rahmen einer E-Business-Lösung können die Leistungen konventioneller
Abläufe oft auf völlig anderen Wegen erbracht werden. Bei einer
Beschaffung von C-Teilen über elektronische Marktplätze fallen
beispielsweise viele Prozessschritte weg, da der einzelne Mitarbeiter
direkt Material ordern kann, ohne dass der zentrale Einkauf involviert
ist. In einem letzten Schritt müssen schließlich die Prozess-Abläufe
unter Berücksichtigung der Ziele, der weiterentwickelten Leistungen, der
optimierten Schnittstellen und der E-Business-Strategie neu gestaltet
werden. Neben Prozessverbesserungen können darüber hinaus völlig
neuartige Prozessinnovationen integriert werden.
Die Abbildung 4 gibt noch einmal einen Gesamtüberblick über das Vorgehen
der Prozessoptimierung im E-Business-Bereich.
An diese Gestaltungsphasen schließen sich die Implementierung, die
Kontrolle und die Optimierung der erarbeiteten Lösung an.
[Abb. 4: Phasen der Prozessoptimierung im E-Business-Bereich - Die Abbildung
entnehmen Sie bitte dem Printwerk]
Besonderheiten bei der Neugestaltung von E-Business-Prozessen im
Beschaffungs- und Vertriebsbereich
Beschaffung
Aufgrund der einfachen Realisierbarkeit und der großen
Kostensenkungspotenziale ist die Beschaffung derjenige Bereich, in dem
E-Business-Lösungen bereits am stärksten umgesetzt worden sind. Neben
der Ermittlung potenzieller Lieferanten, beispielsweise über
elektronische Marktplätze sowie der elektronischen Bestellübermittlung,
spielen insbesondere die Automatisierung von Bestellvorgängen und
Genehmigungsworkflows eine herausragende Rolle. Um derartige Lösungen
umsetzen zu können, ist eine grundlegende Umgestaltung der
Beschaffungsprozesse notwendig. Ein konventioneller Beschaffungsprozess
besteht in der Regel aus den Phasen [7]:
Kennzeichnend ist die Beteiligung einer Vielzahl von
Entscheidungsträgern und Abteilungen. Die Abbildung 5 verdeutlicht diese
Aufteilung der einzelnen Aufgabenbereiche.
[Abb. 5: Konventioneller Beschaffungsprozess - Die Abbildung
entnehmen Sie bitte dem Printwerk]
Typisch für konventionelle Beschaffungsprozesse sind der hohe Anteil
an mit den Händen durchgeführten Arbeitsschritten, komplizierten
Genehmigungsverfahren und umfangreichen Ablagen von Bestellformularen und
Ähnlichem. Mit Hilfe von E-Business-Lösungen wird versucht, die
verschiedenen Aufgaben zusammenzufassen, Aufgabenträger zu entlasten und
die Prozesse zu verschlanken. Die oben angeführten Prozessschritte
müssen allerdings auch in einem restrukturierten Prozess enthalten sein,
um die Durchführung des Prozesses zu gewährleisten. Die besprochenen
Phasen der Prozessoptimierung sind, bezogen auf den Beschaffungsbereich,
durch folgende Besonderheiten gekennzeichnet:
Abgleich des Prozesses mit der
E-Business-Strategie
Die Beschaffungsstrategie eines Unternehmens besteht aus
mehreren Strategie-Elementen (z.B. Beschaffungsmarktstrategie oder
Lieferantenstrategie). Durch die zunehmende Nutzung von
E-Business-Lösungen rückt der technologische Aspekt bei der Umsetzung
von Beschaffungsstrategien zunehmend in den Mittelpunkt. Der
Beschaffungsprozess wird daher zunächst einmal von den technologischen
Anwendungen bestimmt, wobei das Katalogmanagement (elektronische Abbildung
der zu beschaffenden Güter) und das verwendete System zur Abwicklung des
Bestellvorgangs (E-Procurement-System) die beiden entscheidenden
Determinanten darstellen. Mit Hilfe derartiger E-Procurement-Systeme
können der Beschaffungsprozess abgebildet, Genehmigungsvorgänge
realisiert und bestehende ERP-Systeme eingebunden werden. Haben viele
Bedarfsträger im Unternehmen die Möglichkeit, Beschaffungsprozesse zu
initiieren, spricht man in diesem Zusammenhang auch von Desktop Purchasing
Systemen (DPS). Die Prozessoptimierung muss somit zunächst an den
technisch möglichen Alternativen ausgerichtet werden. Darüber hinaus
bilden die nicht-technologischen Strategie-Elemente, wie beispielsweise
die Genehmigungspolitik oder die Verteilung von Verantwortlichkeiten in
einem Unternehmen, den zweiten Ausgangspunkt für die Prozessgestaltung.
Entwicklung der Prozessleistungen
Wie bereits angedeutet, können die Leistungen des
Beschaffungsprozesses durch das Hinzufügen neuer Leistungen, den Verzicht
und die Modifikation bisher erbrachter Leistungen optimiert werden.
Denkbar wären im Beschaffungsbereich der Verzicht auf den Versand
separater Auftragsbestätigungen, die Einführung eines elektronischen
Zahlungsverkehrs oder die Ausweitung des internen Beratungsangebotes.
Viele Veränderungen im Leistungsbereich sind allerdings auf die
Kooperationsbereitschaft der Lieferanten angewiesen.
Ausbau der Prozess-Schnittstellen
Voraussetzung für die Umsetzung elektronischer
Beschaffungslösungen sind neben einer elektronischen Abbildung der Güter
die technologischen Schnittstellen, welche den effektiven
Informationsaustausch zwischen verschiedenen Prozessen ermöglichen. Im
Gegensatz zur Bestellung per Telefon oder Fax können über elektronische
Kommunikationskanäle (Internet oder EDI) umfangreichere und
detailliertere Bestellinformationen ausgetauscht werden. Die
Zusammenführung verschiedener Systeme und der Aufbau von
Industrie-Standards stehen hier im Mittelpunkt der Bemühungen.
Optimierung der Prozess-Abläufe
Die optimierten Leistungen und Schnittstellen münden
schließlich unter Berücksichtigung der Beschaffungsstrategie und der
-ziele in die Optimierung des Beschaffungsprozess-Ablaufes. Die Abbildung
6 zeigt einen durch den Einsatz von E-Business-Lösungen modifizierten
typischen Beschaffungsprozess.
Der restrukturierte, schlanke Beschaffungsprozess zeichnet sich vor allem
dadurch aus, dass fast alle elementaren Aufgaben vom Beschaffungsträger
wahrgenommen werden. Lediglich die elektronisch fixierte Autorisierung
erfolgt noch durch den zentralen Einkauf. Die gesamte Kommunikation wird
im Idealfall auf elektronischem Wege abgewickelt. Über Schnittstellen
zum ERP-System und eine enge Integration der Lieferanten kann die
Dateneingabe und -pflege in die EDV-Systeme auf ein Minimum reduziert
werden.
[Abb. 6: Restrukturierung des beschaffungsprozess-Ablaufes - Die Abbildung
entnehmen Sie bitte dem Printwerk]
Vertrieb
Auch im Vertriebsbereich wurden schon viele E-Business-Lösungen
umgesetzt. Vor allem im Business-to-Consumer Bereich sind Shop- und
Marktplatz-Lösungen weit verbreitet. Der konventionelle Vertriebsprozess
besteht aus den Elementen:
Wie die Abbildung 7 zeigt, ist der Vertriebsprozess in der Regel recht
gut strukturiert.
Im Gegensatz zum Beschaffungsprozess konzentrieren sich die Aufgaben
hauptsächlich auf eine Abteilung: die Vertriebsabteilung. Die
Prozess-Abläufe können auch durch technologische Instrumente kaum
restrukturiert werden. Vielmehr müssen sich die Optimierungsbemühungen
auf die Prozess-Leistungen und -Schnittstellen konzentrieren.
[Abb. 7: Konventioneller Vertriebsprozess - Die Abbildung
entnehmen Sie bitte dem Printwerk]
Optimierung der Prozess-Leistungen und
-Schnittstellen im Vertrieb
Die Zielsetzung im Vertriebsbereich richtet sich weniger auf
die Beseitigung bestehender Probleme des Prozesses, sondern vielmehr auf
die Schaffung von Mehrwert für den Kunden, der sich aufgrund bestimmter
Vorteile beziehungsweise eines Zusatznutzens für ein Vertriebsunternehmen
entscheidet. Folglich stehen in diesem Zusammenhang weniger die
Prozessoptimierungen im engeren Sinne im Vordergrund der Überlegungen,
sondern vielmehr die Quellen der Wertgenerierung für den Kunden, welche
mit Hilfe von E-Business-Lösungen erschlossen werden können. Die Frage
muss also lauten: Wie kann im Vertriebsbereich zusätzlicher Wert
geschaffen werden? Die Abbildung 8 zeigt eine Systematisierung von
verschiedenen Bereichen, in denen eben dieser zusätzliche Wert durch den
Einsatz von E-Business generiert werden kann [8]:
[Abb. 8: Wertgenerierung durch E-Business - Die Abbildung
entnehmen Sie bitte dem Printwerk]
Transaktions-Effizienz
Einer der wichtigsten Bereiche, in denen zusätzlicher Wert
generiert werden kann, ist der Bereich der Transaktions-Effizienz.
Ausgehend von den technologischen Möglichkeiten steht hier die
effizientere und kostengünstigere Gestaltung von Transaktionen zwischen
den verschiedenen Markt-Akteuren (z.B. Unternehmen - Kunde) im
Vordergrund. Zentraler Ansatzpunkt einer Optimierung ist hierbei die
verbesserte Bereitstellung aktuellerer und qualitativ hochwertigerer
Informationen. Durch die verbesserte Informationsbereitstellung kann der
Kunde seinen Aufwand bezüglich des Such- und
Entscheidungsfindungsprozesses erheblich reduzieren. Darüber hinaus
können unternehmensseitig Distributionskosten gesenkt,
Auftragsabwicklungen beschleunigt und Prozesse schneller abgearbeitet
werden. Schließlich ist von einer Senkung der Kommunikationskosten durch
den Einsatz neuer und leistungsfähigerer Technologien auszugehen.
Praktisch können diese Werte aus dem Bereich der Transaktions-Effizienz
durch folgende Schritte umgesetzt werden:
-
Bereitstellung von umfangreicheren Informationen für den Kunden
(z.B. alternative Angebote, Vergleiche)
-
Ständige Aktualisierung der bereitgestellten Informationen (z.B. in
elektronischen Produktkatalogen)
-
Bereitstellung von Tools, die den Käufer unterstützen (z.B.
Shop-Assistenten)
-
Automatisierung in allen Phasen des Distributionsprozesses (z.B.
automatische Generierung einer Auftragsbestätigung)
-
Konzentration auf standardisierte Abläufe
-
Vermeidung von Medienbrüchen durch Digitalisierung aller
Prozessschritte (z.B. E-Mail statt Telefax)
Komplementäre Leistungen
Ein weiterer Bereich, in dem Wert generiert werden kann, ist
der Bereich der komplementären Leistungen. Von komplementären Leistungen
spricht man, wenn der Wert eines Bündels von Leistungen (Produkte,
Dienstleistungen, Technologien) höher einzustufen ist als der
aufsummierte Wert der separat betrachteten Leistungen. Oder einfacher
ausgedrückt: Komplementäre Produkte ergänzen sich gegenseitig.
Klassisches Beispiel sind in diesem Zusammenhang Kameras und Filme. Erst
durch die Zusammenführung beider Produkte entsteht der eigentliche Wert,
nämlich die Möglichkeit, fotografieren zu können. Derartige
komplementäre Leistungen können somit zusätzlichen Wert generieren und
sind unter anderem in folgenden Ausprägungen durch den Einsatz von
E-Business-Lösungen möglich:
-
Ergänzung von Produkten durch Services (z.B.
After-Sales-Services,
Produkt-Updates,...),
-
Ergänzung von Offline- durch Online-Leistungen und umgekehrt (z.B.
Suche von Produkten auf der Internet-Seite und anschließender Kauf in
der dazugehörigen Verkaufsstelle des Unternehmens oder Bereitstellung
von Service-Informationen im Internet zu bestimmten Produkten),
-
sich ergänzende Technologien (z.B. Software zur Komprimierung und
Archivierung von Musik-Dateien, die den Aufbau einer Musik-Bibliothek
ermöglicht).
Lock-in
Der Begriff Lock-in beschreibt die Ausgestaltung der
Bedingungen, die ein Abwandern von Kunden oder strategischen Partnern zu
Wettbewerbern verhindern. Eine derartige Kunden- beziehungsweise
Partnerbindung führt zu weiteren, sich wiederholenden
Geschäftsabschlüssen, steigert somit das Umsatzvolumen und senkt die
Kosten, die zum Beispiel durch das Anwerben neuer Kunden entstehen. Der
Wert für den Kunden entsteht durch die Anstrengungen, die das Unternehmen
unternimmt, um derartige Lock-in-Bedingungen zu schaffen. Wie kann nun der
Kunde an das Unternehmen mit Hilfe von E-Business Anwendungen gebunden
werden? Hierzu existieren mehrere Instrumente:
-
Dominante Design-Standards für Geschäftsprozesse oder Services
(z.B. 24-Stunden-Service)
-
Loyalitäts-Programme (z.B. spezielle Vergünstigungen für
Stammkunden im Internet)
-
Internet-Seiten-Design mit Wiedererkennungseffekt
-
Aufbau vertrauensvoller Kundenbeziehungen (z.B. durch hohe
Sicherheitsstandards bei der Datenübertragung)
-
Individualisierung von Produkten, Services, Informationsangeboten
(z.B. durch Berücksichtigung der Surf-Gewohnheiten im Internet)
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