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Finanzierung von Innovationen im Überblick:
Venture Capital und Beteiligungskapital
von Alexander
Gerybadze
Das Thema »Finanzierung von Innovationen« ist ein Querschnittsbereich, der technische Fachkräfte, Manager, Banker und Finanzierungsspezialisten zusammenführen sollte. Bislang bilden die »Technologiewelt« und die »Finanzwelt« aber noch zwei getrennte Sphären, und es besteht wenig Kommunikation zwischen den Fachleuten aus beiden Gebieten. Die Beiträge in dieser Sektion zielen darauf ab, beiden Gruppen einen Überblick über die verschiedenen Formen und Instrumente der Innovationsfinanzierung an die Hand zu geben.
Wenn wir von »Finanzierung von Innovationen« sprechen, so meinen wir
damit in der Regel zwei Dinge:
-
die Finanzierung des Gründungsvorgangs und die finanzwirtschaftliche
Unterstützung neuer unternehmerischer Strukturen,
-
die innerbetriebliche finanzwirtschaftliche Begleitung von Forschung
und Entwicklung und des Innovationsprozesses.
Im Laufe der letzten Jahrzehnte sind zahlreiche Institutionen aufgebaut
worden, die die erstgenannte Funktion wahrnehmen. »Finanzierung von
Innovation« wird vielfach gleichgesetzt mit
der Tätigkeit von spezialisierten Unternehmen im Bereich Venture Capital
und Beteiligungskapital. Diese spielen in der Tat eine ganz wichtige Rolle
für die Finanzierung von Innovationen. Ihre Tätigkeit muss jedoch im
Verbund mit zahlreichen anderen Investorengruppen und Serviceleistern
gesehen werden. Die vorliegende Sektion gibt einen synoptischen Überblick
über die verschiedenen Anbietergruppen in der Bundesrepublik Deutschland.
Neben dieser Übersicht über die Struktur der Finanzierungsgeber ist
es auch erforderlich, die finanzwirtschaftlichen Fragen des
Innovationsmanagements innerhalb von Unternehmen zu beschreiben. Wer sind
die Kunden im Finanzierungsmarkt für Innovationen?
Welche besonderen Probleme haben diese und welche Finanzierungsformen und
-instrumente sind für die Lösung dieser Probleme geeignet?
Venture Capital und Beteiligungskapital: Einige Grundbegriffe
Innovationen gehen in bestimmten Phasen einher mit Gründungsprozessen,
Ausgliederungen, Umstrukturierungen und mit Änderungen in den
Eigentumsverhältnissen. Um diesen Prozess in den wichtigsten
Restrukturierungsphasen zu begleiten, hat sich ein eigenständiger
Servicesektor herausgebildet. Für den Gründer und Manager ist es nicht
immer leicht herauszufinden, wer eigentlich genau für was zuständig ist
und wer für welche Problemstellungen jeweils die besten Lösungen
anbietet.
Investoren auf dem Venture-Capital-Markt unterscheiden typischerweise
zwischen folgenden Phasen der Innovationsfinanzierung:
-
die Frühphasen-Finanzierung (Early stage),
-
die Expansions- beziehungsweise Wachstumsfinanzierung (Expansion)
sowie
-
die späteren Phasen der Restrukturierung.
Die Frühphasen-Finanzierung richtet sich an die echten Gründer-Innovatoren,
die
oftmals noch unausgereifte Ideen haben, die sie langsam zu überzeugenden
Geschäftskonzepten entwickeln wollen. Für diese ganz frühen Phasen des
Gründungsprozesses wird zwischen folgenden drei Finanzierungsformen
unterschieden:
(Diese Unterscheidung basiert auf Pratt's Guide to Venture Capital
Sources (Venture Economics 1998), die in entsprechender Form auch von der
European Venture Capital Association (EVCA) übernommen wurde [1].)
Während der Frühphasen-Finanzierung sind die Anfangsinvestitionen
zwar oft noch gering, die Geschäftskonzepte aber auch noch sehr
unausgereift und die Risiken entsprechend sehr hoch. Vielen
Finanzierungssuchenden mit unausgereiften Ideen stehen wenige
Kapitalanbieter mit klaren finanzwirtschaftlichen Zielvorstellungen gegenüber.
Kapitalsuchende Innovatoren sollten in dieser frühen Phase davon
ausgehen, dass sich Finanzierungsinstitutionen keineswegs um ihre Konzepte
reißen.
Innovatoren und Finanziers haben gerade in den frühen Phasen ganz
unterschiedliche Vorstellungen und sprechen oft zwei verschiedene
Sprachen. Um diese Situation zu überwinden, ist ein schwieriger
Anpassungsprozess nötig, der nicht selten konfliktreich und mit Frustrationen auf beiden Seiten abläuft.
Infolgedessen vermeiden viele VC-Firmen de facto solche Frühphasen-Engagements.
Allerdings gibt es spezialisierte Anbieter, die sich schwerpunktmäßig
auf dieses Segment des Seed-Capital und der Start-up-Finanzierung
konzentrieren. In den letzten Jahren gibt es hier neue, engagierte
Anbieter, und es entwickelt sich in Deutschland zunehmend eine geeignete
Finanzierungsinfrastruktur auch für die frühen Phasen.
Die meisten im Markt befindlichen Venture-Capital-Firmen sind
schwerpunktmäßig vor allem auf die Expansions-Finanzierung
ausgerichtet. Hier gibt es mittlerweile in Deutschland eine hohe Zahl an
Venture-Capital-Firmen, die überwiegend im Bundesverband der
Kapitalbeteiligungsgesellschaften (BVB) organisiert sind. (Eine Übersicht
über die Anbieter in Deutschland bietet der BVK in seinem jährlich
aktualisierten Mitgliederverzeichnis. Wichtige Kenndaten werden zudem im
Jahrbuch der EVCA (1999) veröffentlicht.) Einzelne
der VC-Firmen sind auch in den frühen Phasen tätig, die meisten überlassen
dieses Feld dagegen den dafür spezialisierten Anbietern (zum Beispiel
sogenannten Business Angels und Seed-Capital-Firmen).
Das Ziel von Venture-Capital-Firmen ist es, vielversprechende,
wachstumsträchtige Firmen in ihr Portfolio aufzunehmen und von diesen
einen möglichst hohen Prozentsatz an die Börse zu bringen.
Venture-Capital-Firmen steigen zumeist erst in der Phase des Second-Stage
Financing ein, und sie begleiten ihre Portfoliounternehmen anschließend
in mehreren weiteren Finanzierungsrunden (Third-stage/Mezzanine sowie
Bridge Financing).
Parallel zur Entwicklung von Venture Capital sind verschiedene
Anbietergruppen im eher mittelständisch orientierten
Beteiligungskapitalmarkt aufgebaut worden. In Deutschland sind auf diesem
Feld die Kapitalbeteiligungsgesellschaften (KBG) und die mittelständischen
Beteiligungsgesellschaften (MBG) entstanden. Hinzugekommen sind spezialisierte Anbieter, die sich auf Management-Buy-out (Ausgliederung von
Unternehmensteilen durch das bisherige Management) sowie Management-Buy-in
(Übernahme von Unternehmensteilen durch externe Managementteams)
spezialisiert haben. Sie alle konzentrieren sich auf die Begleitung von
Restrukturierungsprozessen in Spätphasen. Einzelne dieser Engagements
dienen zwar auch der Finanzierung von Innovationen; der überwiegende Teil
zielt jedoch eher auf die Begleitung von Umstrukturierungsprozessen ab,
von Veränderungen der Eigentümerstrukturen und auf die Unterstützung
bei unternehmerischen Nachfolgeregelungen.
Struktur und Entwicklung von Venture Capital in Europa
In Europa hat sich in den letzten 20 Jahren - nach einem anfänglichen
Rückstand gegenüber den USA - eine sehr erfolgreiche und wachstumsträchtige
Venture-Capital-Infrastruktur herausgebildet [3]. Venture-Capital-Firmen
und Beteiligungskapitalgesellschaften sind in der European Venture Capital
Association (EVCA) zusammengefasst, die jährlich die wichtigsten
Strukturdaten des Marktes und das Angebotsprofil ihrer Mitglieder in dem
EVCA Yearbook veröffentlicht [2].
Das jährliche Finanzierungsvolumen ist bis 1998 auf 20.3 Milliarden
Euro angewachsen, von denen 14.7 Milliarden Euro neu in Beteiligungen
angelegt wurden. Hiervon entfällt
-
mit 711 Millionen Euro ein vergleichsweise geringer Teil (7.4 Prozent)
auf die Frühphasen-Finanzierung;
-
für die Expansions-Finanzierung, das heißt für Venture-Capital im
engeren Sinne, wurden 3.4 Milliarden Euro (35 Prozent) eingesetzt;
-
der überwiegende Teil der Investitionen entfällt in Europa noch immer
auf Buy-outs (4.8 Milliarden Euro / 50 Prozent) sowie auf Replacement
Capital (733 Millionen Euro / 8 Prozent) [2].
Die Struktur des europäischen Marktes ist noch immer stark geprägt
durch britische Anbieter und deren Investitionsverhalten. In Großbritannien
wurde Venture-Capital als erstes Land in Europa stark ausgebaut, und
Investoren aus dem Vereinigten Königreich bestreiten heute mit rund 9
Milliarden Euro 44 Prozent des Kapitalaufkommens. Britische Anleger
investieren etwa drei Viertel des Kapitals für Spätphasen-Engagements (überwiegend
MBO), und dies ist noch immer der Hauptgrund für die vergleichsweise
geringe Innovationsorientierung des europäischen Venture-Capital-Markts.
In den letzten Jahren ist Venture-Capital in fast allen europäischen Ländern
immer stärker ausgebaut worden und hat sich sukzessive auch zu einem
wichtigen Instrument der Innovationsfinanzierung gewandelt (siehe Tabelle
1). Stark ausgeweitet wurde Venture-Capital insbesondere in Frankreich,
das mit einem Kapitalaufkommen von 3.8 Milliarden Euro an zweiter Stelle
in Europa liegt, sowie in Deutschland, den Niederlanden und in
Skandinavien. Deutschland liegt mit einem VC-Aufkommen von 1.8 Milliarden
Euro 1998 zwar an dritter Stelle, hat aber, gemessen an seiner
Wirtschaftskraft, noch immer Nachholbedarf auf diesem Feld.
Das Investitionsverhalten in Europa ist nach wie vor durch bestimmte
Anlegergruppen geprägt, die noch immer eine andere Struktur aufweisen als
im VC-Markt der USA. Von großer Dominanz sind in Europa die Banken (26
Prozent des VC-Aufkommens), gefolgt von Pensionsfonds (25 Prozent),
Versicherungen (16 Prozent) und großen Unternehmen (11 Prozent). In den
USA sind kapitalkräftige Venture-Capital-Gesellschaften mit ihren
reinvestierten Gewinnen, wohlhabende Individuen und Business Angels sowie
vermögende Stiftungen sehr viel stärker in der Innovationsfinanzierung
aktiv als in Europa.
Diese Konzentration auf institutionelle Anleger und auf Spätphasen-Investments
hat in Europa auch eher zur Betonung inkrementaler Innovationen im
Rahmen bestehender Strukturen geführt, während VC in den USA oft die
treibende Kraft für die Schaffung völlig neuer Strukturen war. Dies
zeigt sich an der Branchenverteilung der VC-Investments. Während in den
USA der weitaus überwiegende Teil der VC-Mittel in expansiven
High-Tech-Feldern (Elektronik, Biotechnologie, neuerdings E-Commerce)
angelegt wird, machen diese in Europa bislang nur 28 Prozent der
Investitionen aus. Mit 43 Prozent entfällt in Europa noch ein
vergleichsweise hoher Teil auf die traditionellen Bereiche des
verarbeitenden Gewerbes (Konsumgüter, Chemie, Fahrzeugbau,
Fertigungstechnik et cetera). Auch der Servicesektor spielt mit 15 Prozent
bei der Innovationsfinanzierung noch nicht die Rolle, die diesem
dynamischen Bereich eigentlich zukommen sollte [2]. (Gerade
wissensintensive Dienstleistungen spielen eine zentrale Rolle für den
Innovationsprozess. Dies schlägt sich allerdings bisher in der Verteilung
der VC-Investments in Europa noch nicht nieder.)
Innovationsfinanzierung in
Deutschland: Die neuere Entwicklung von
Venture-Capital
In Deutschland hat man lange Zeit über Mängel der
Innovationsfinanzierung und ein unzureichendes Gründerklima geklagt. Dies
führte in der ersten Hälfte der achtziger Jahre zur Gründung mehrerer VC-Gesellschaften. Die
Mehrzahl der damals gegründeten Gesellschaften hatte jedoch einige
Startschwierigkeiten zu überstehen. Gegen Ende der achtziger Jahre musste
man dann sogar feststellen, dass immer mehr der Gesellschaften, die ursprünglich
zum Zweck der Innovationsfinanzierung angetreten waren, auf klassische Spätphasenfinanzierung
und Management-Buy-outs auswichen.
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Tabelle 1: Struktur der Innovationsfinanzierung in Europa
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VC-Aufkommen
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VC-Verwendung
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Kapitalbestand Ende '97:
83. Mrd. Euro
Zusätzliches Fondsaufkommen 1998:
20.3 Mrd. Euro |
Neu investierte Mittel 1998:
14.5 Mrd. Euro
Aufteilung nach Finanzierungsphasen
-
Seed 169 Mio. Euro 1.2%
-
Start-up 1.469 Mio. Euro 10.2%
-
Expansion 4.335 Mio. Euro 30.0%
-
Replacement Capital 1.079 Mio.
Euro 7.5%
-
Buyout 7.410 Mio. Euro 51.2%
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Wichtigste Investorengruppen
1)
Banken 5.656 Mio. Euro 27.8%
2) Pensions fonds 4.878 Mio. Euro 24.0%
3)
Corporate Investors 2.001 Mio. Euro 9.8%
4) Versicherungen 1.806 Mio.
Euro 8.9%
5) Reinvestierte Kapitalerträge 1.783 Mio. Euro 8.8%
6) Private Investoren 1.556 Mio. Euro 7.6%
7) Government Agencies 1.031
Mio. Euro 5.1% |
Sektorale Struktur der Investitionen
-
High-Tech 4.027 Mio. Euro 27.8%
-
Manufacturing (Non-High-Tech) 6.198 Mio.
Euro 43.0%
-
Services 2.144 Mio. Euro 15.0%
-
Other 2.091 Mio. Euro 14.5%
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Quelle: EVCA (1999) |
In der Zwischenzeit scheint man aus diesen anfänglichen Rückschlägen
gelernt zu haben, und in den neunziger Jahren ist eine neue Gründerzeitstimmung
aufgekommen. Folgende Gründe
können für diese Trendumkehr herangezogen werden:
-
der zunehmende Erfahrungsgewinn von Investorengruppen mit dem
Instrument der Innovationsfinanzierung,
-
hohe Investitionen in Forschung und Entwicklung in Deutschland und Stärken
auf bestimmten technologischen Gebieten,
-
die Überwindung der Teilung Deutschlands und der Ausbau von Gründungsaktivitäten
in den neuen Bundesländern,
-
eine erhöhte Aufmerksamkeit internationaler Investorengruppen für
Anlagen auf dem deutschen Kapitalmarkt,
-
der Ausbau gründerspezifischer Förderprogramme und neuer
Finanzierungsinstrumente durch den Bund und die Länder;
-
schließlich gingen auch von der Entwicklung des Neuen Markts wichtige
Impulse auf die Dynamisierung von Venture Capital in Deutschland aus.
Durch das Zusammenspiel dieser Faktoren hat sich die Höhe der
VC-Investitionen im Verlauf der neunziger Jahre kontinuierlich erhöht
(siehe Tabelle 2). Allein im Jahr 1998 wurden 3.8 Milliarden DM neu in
zirka 1200 Unternehmen investiert - mit weiterhin wachsender Tendenz. Im
Vergleich zum europäischen VC-Markt fällt hierzulande insbesondere die
immer stärkere Hinwendung zu »echten« Innovationen und Frühphasen-Engagements
auf.
-
1998 entfielen 24 Prozent der neu investierten Mittel auf die Seed- und
Start-up-Finanzierung (im Vergleich zu 11 Prozent in Europa).
-
Auf die Expansionsphase entfielen 43 Prozent der Mittel (gegenüber 30
Prozent in Europa).
-
Spätphasen-Finanzierungen zogen 32 Prozent des Investitionsaufkommens
in Deutschland auf sich (verglichen mit 59 Prozent in Europa).
Auch die Branchenverteilung der VC-Investments ist stärker
innovationsorientiert als im Durchschnitt Europas. Die expansiven High-Tech-Felder
(Telekommunikation, Computer, Elektronik, Biotechnologie und
Medizin/Gesundheit) ziehen gegen Ende der neunziger Jahre mit 35 Prozent
etwa genauso hohe VC-Investments auf sich wie die traditionell starken
Sektoren des verarbeitenden Gewerbes (Maschinen- und Fahrzeugbau, Chemie,
Konsumgüter et cetera). Der Servicebereich ist dagegen mit 16 Prozent der
Investments auch in Deutschland noch nicht genügend entwickelt.
Besonders auffällig ist die Struktur der Investorengruppen im
deutschen VC-Markt. Die Banken und Kreditinstitute spielen eine sehr
wichtige Rolle. Sie stellen 58 Prozent der gesamten Finanzierungsmittel
(im Vergleich zu 26 Prozent im europäischen Durchschnitt). Demgegenüber
spielen - bedingt durch die nationale Regulierung - Pensionsfonds und
Versicherungen eine immer noch untergeordnete Bedeutung (jeweils etwa 11
Prozent; im Vergleich dazu entfallen in Großbritannien 40 Prozent des
VC-Aufkommens auf Pensionsfonds. Entsprechendes gilt für die USA).
Spezialisierte VC-Gesellschaften sind bislang noch nicht mit nennenswerten
eigenen Kapitalerträgen in Erscheinung getreten und sind weiterhin überwiegend
als Kapitalmittler tätig.
Nach verzögertem Start wurde Venture-Capital und Beteiligungskapital
im Verlauf der letzten 20 Jahre sukzessive
ausgebaut. In den neunziger Jahren ist es zu einer Welle von Neugründungen
bei VC-Gesellschaften und zu einer weiteren Spezialisierung und
Professionalisierung gekommen. Dadurch ist in Deutschland eine
ausgesprochen tragfähige Finanzierungs- und Serviceinfrastruktur
entstanden. Die Beiträge in der vorliegenden Sektion 14 vermitteln eine
Übersicht über das Angebot der wichtigsten Gruppen auf dem deutschen
VC-Markt.
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Tabelle 2: Struktur der Innovationsfinanzierung in Deutschland
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VC-Aufkommen
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VC-Verwendung
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Kapitalbestand Ende
1997:
15 Mrd. Euro
Zusätzliches Fondsaufkommen
1998: 3.7 Mrd. Euro |
Neu investierte Mittel 1998:
3.8 Mrd. Euro
Aufteilung nach Finanzierungsphasen
-
Seed 239 Mio. DM 6.2%
-
Start-up 667 Mio. DM 17.7%
-
Expansion 1.655 Mio. DM 43.4%
-
Replacement Capital 1.665 Mio. DM 43.4%
-
Buyout 1.109 Mio. DM 28.9%
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Wichtigste
Investorengruppen
1) Banken 1.887 Mio. DM 51.1%
2) Pensionsfonds 524 Mio. DM 14.2%
3) Versiche rungen 510 Mio. DM 13.8%
4)
Corporate Investors 307 Mio. DM 8.3%
5) Private Investoren 278 Mio. DM 7.5%
6)
Government Agencies 133 Mio. DM 3.6%
7) Reinvestierte Kapitalerträge 4 Mio. DM 0.1% |
Sektorale Struktur der
Investitionen
-
High-Tech 1.329 Mio. DM 35.0%
-
Manufacturing (Non-High-Tech) 1.313
Mio. DM 34.0%
-
Services 609 Mio. DM 16.0%
-
Other
587 Mio. DM 15.0%
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Quelle: EVCA (1999) |
Dynamische Rekonfigurierung in der Venture-Capital-Landschaft
In den bisherigen Ausführungen wurde die Struktur des VC-Marktes in
Europa beleuchtet und eine Positionsbestimmung für den deutschen Markt
der Innovationsfinanzierung vorgenommen. Spricht man neuerdings mit
Kennern der Branche, so wird man immer wieder darauf hingewiesen, dass ein
derartiger Schub von Veränderungen eingesetzt hat, dass die traditionell
gewachsenen Strukturen mittlerweile weitgehend überholt sind.
Was zur Zeit auf Kapitalmärkten und unter Fachexperten unter dem Thema »Alte
Ökonomie versus neue Ökonomie« diskutiert wird, lässt sich in ganz ähnlicher
Weise auf dem VC-Markt beobachten.
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Auf der einen Seite haben wir die traditionell gewachsenen Strukturen
mit den etablierten Anbietergruppen (dargestellt durch den inneren Kreis
in Abbildung 2).
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Hinzu kommen »neue Spieler« auf diesem Markt, die ein völlig verändertes
Investorenverhalten an den Tag legen.
Die - salopp gesprochen - »alte VC-Welt« war noch entsprechend stark
durch spezialisierte VC-Gesellschaften (»Fondsmanager«),
Beteiligungskapitalgesellschaften sowie in Deutschland durch die besondere
Stellung der Banken und Sparkassen geprägt. Hinzu kamen große
Industriefirmen, die einen gewissen Prozentsatz im Sinne von Corporate
Venturing der ersten Generation als »Spielgeld« abzweigten.
Neuerdings drängen neue Anbieter in den VC-Markt, Spielregeln werden
verändert, traditionelle Gebietsabgrenzungen verwischen.
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Trend 1: Das klassische Feld der Seed- und Start-up-Finanzierung
wird immer stärker von Business Angels, vermögenden Privatanlegern und
Investorenclubs übernommen. Diese organisieren neuartige Foren und virtuelle Investorengemeinschaften und können dadurch viel flexibler auf neue
Veränderungen reagieren. Dadurch wird Kompetenz gebündelt, und es können
sehr rasch tragfähige Geschäftskonzepte auf vielversprechenden Gebieten
entwickelt werden.
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Trend 2: Die sogenannte »Neue Ökonomie« spült unverhofft
Investorengruppen nach oben, deren Firmen eine außerordentliche Börsenkapitalisierung
haben und diese für weitere Beteiligungen im VC-Markt einsetzen. Gründer
von Firmen wie Cisco, Yahoo oder Mobilcom setzen schnell erworbenes »Spielgeld«
in bisher ungekannten Größenordnungen ein. Diese Gruppen von
Pionierunternehmen treiben ihrerseits die Innovationsfinanzierung für
weitere Wellen von Gründungsunternehmen voran.
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Trend 3: Große Firmen der »alten Ökonomie« wie GE, ABB,
Siemens und andere versuchen, mit diesen Investorengruppen mitzuhalten und
treten als maßgebliche Finanziers direkt oder indirekt in Erscheinung.
Corporate Venturing der zweiten Generation wird nunmehr strategisch und
nicht selten mit Beträgen von 500 Millionen bis 1 Milliarde DM pro
Unternehmen angegangen. Auch durch dieses neu ausgerichtete
Investitionsverhalten der grossen Unternehmen verändert sich die
Innovationsfinanzierung nachhaltig.
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Trend 4: Hinzu kommen neuartige Finanzierungsgesellschaften, die
selbst an der Börse quotiert sind und ein Portfolio von
Beteiligungsunternehmen abdecken, die ihrerseits schnell an aufnahmefähige
Börsensegmente gebracht werden. Neuartige Kombinationen von Beratung,
Seed-Finanzierung und Initial Public Offering
ermöglichen eine besondere Unternehmenswertsteigerung.
Abb. 2: Dynamische Rekonfigurierung und neue Anbietergruppen im VC Markt
Durch die beschriebenen Prozesse der dynamischen Rekonfigurierung wird
der klassische VC-Markt »durcheinandergerüttelt« und entfaltet eine
bisher unbekannte Geschäftsdynamik. Entsprechende Entwicklungen sind in
den USA, in mehreren europäischen Ländern, vor allem aber auch in
Deutschland zu beobachten. Möglicherweise wird dadurch eine höhere Spiralbewegung im Markt
für Innovationsfinanzierung im nächsten Jahrzehnt ausgelöst. Die
Beobachtung der weitergehenden Entwicklung verspricht zumindest Spannung!
Literatur
[1] Venture Economics (1998), Pratt's Guide to Venture Capital
Sources, Needham, M.A. 1998.
[2] EVCA (1999), Yearbook 1999. A Survey of Private Equity of
Venture Capital in Europe, EVCA and KPMG, London and Zaventem 1999.
[3] Gerybadze, A. (1999), Internationale
Venture-Capital-Märkte:
Evolutorische Dynamik und Bedingungen nachhaltigen Wachstums, in: Berrios,
Lohmann, Pleschak (Hrsg 1999), pp. 29-49.
[4] Berrios, M., Lohmann, K., Pleschak, F. (Hrsg. 1999),
Beteiligungskapital in der Unternehmensfinanzierung, Grundfragen -
Konzepte - Erfahrungen, Wiesbaden 1999
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