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Innovationsfinanzierung in kleinen Unternehmen:
Erfahrungen aus den neuen Bundesländern

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- Leseprobe - 
  
Innovationsfinanzierung in kleinen Unternehmen:
Erfahrungen aus den neuen Bundesländern

von Franz Pleschak

Innovationsfinanzierung wirft bei kleinen und mittleren Unternehmen angesichts des hohen Kapitalbedarfs für Forschung und Entwicklung, Markteinführung und Fertigungsaufbau nicht selten Probleme auf. Dennoch können diese Unternehmen das damit oft verbundene Risiko nicht umgehen, da auch bei ihnen die Erhöhung der Wettbewerbs- und Leistungsfähigkeit von Innovationen abhängt. Der Autor zeigt am Beispiel kleiner Unternehmen der neuen Bundesländer, auf welchen Wegen Innovationen finanzierbar sind und welche Anforderungen an das Management sich daraus ergeben.
 

Stichworte: Finanzierungssituation; Eigen- und Fremdkapital; Bewertung von Finanzierungswegen: Bankdarlehen, Öffentlich geförderte Darlehen, Förderprogramme mit Zuschüssen, Beteiligungen, Förderung technologieorientierter Unternehmensgründungen; Zusammenfassung.

 

In diesem Beitrag erfahren Sie:

  • Wie sich das Verhältnis von Eigen- und Fremdkapital auf die Unternehmenspraxis auswirkt,

  • in welchen Fällen eine Finanzierung über Bankdarlehen ratsam ist,

  • nach welchen Kriterien öffentlich geförderte Darlehen vergeben werden,

  • welche Kriterien für öffentliche Förderprogramme und Zuschüsse erfüllt sein müssen,

  • welche Formen von Beteiligungsfinanzierung in welchen Fällen ratsam sind.

 

Finanzierungssituation

Die Finanzierung von Innovationen in kleinen Unternehmen ist durch folgende Merkmale geprägt:
Innovationen sind im Allgemeinen komplexer Natur. Die Innovationstätigkeit führt nicht nur zu neuen Produkten und neuen Prozessen, sondern erfordert auch die Erschließung neuer Märkte, den Aufbau neuer Vertriebslösungen, die Qualifizierung der Mitarbeiter, veränderte Organisationsformen und veränderte Zulieferbeziehungen. Je radikaler Innovationen sind, je mehr sie durch Merkmale der Neuheit und Komplexität gekennzeichnet sind, desto deutlicher treten die Veränderungen bei den Kunden und im eigenen Unternehmen hervor. Das ist einerseits die Quelle des Kundennutzens und des wirtschaftlichen Erfolgs, andererseits erfordern solche Innovationen viel Kapital, um sie realisieren zu können [9].
Innovationen erfordern Kapital für

  • Forschung und Entwicklung (Personal, Forschungs- und Labortechnik, Prototypenbau, Tests, Patentanmeldung, FuE-Kooperation),

  • Fertigungsinvestitionen (Fertigungstechnik, Fertigungsorganisation, Infrastruktur, Bestandsaufbau für Materialien und Rohstoffe, Vorfinanzierung von Zulieferungen),

  • Markteinführung (Kommunikationsmaßnahmen, Überwindung von Markteintrittsbarrieren, Vertriebsaufbau, Vertriebskooperation),

  • Know-how-Erweiterung (Beratungsleistungen, Mitarbeiterqualifikation, Lizenznahme).

So erfordert zum Beispiel der Aufbau eines neuen innovationsorientierten Unternehmens erfahrungsgemäß für die ersten vier Jahre Kapital in der Höhe von etwa 1,5 Mio. Euro, dabei 0,5 bis 0,75 Mio. Euro für FuE und 0,75 bis 1,0 Mio. Euro für Markteinführung und Fertigungsaufbau. Innovationsprojekte, die von der Kreditanstalt für Wiederaufbau unterstützt wurden, hatten durchschnittlich einen Kapitalbedarf von 1,1 Mio. Euro. Im Einzelfall ist der Kapitalbedarf von zahlreichen Faktoren abhängig (vgl. Tabelle 1).

Tabelle 1: Einflussfaktoren auf die Höhe des Kapitalbedarfs

  • Kapitalintensität der Technologiegebiete

  • Komplexität, Neuheit, Risiko der FuE-Projekte

  • Forschungsintensität

  • Multivalente Nutzbarkeit der FuE-Ergebnisse

  • Synergien zwischen den Bestandteilen des Produkt- und Leistungsprogramms

  • Fertigungstiefe

  • Stückzahlen

  • Ausmaß der Vertriebskooperation

  • Zielmärkte

  • Wert der Zulieferungen und Durchlaufzeit der Aufträge

  • Art und Weise der Rechnungsstellung

Kleine Unternehmen sind angehalten, bei der Auswahl der Innovationsprojekte darauf zu achten, dass sie sich aus der Sicht des Kapitalbedarfs nicht überfordern. Große und kleine Unternehmen verfügen im Innovationsprozess über spezifische Stärken und Schwächen, zu denen auch die differenzierten Chancen bei der Finanzierbarkeit von Innovationen auf einzelnen Technologiegebieten gehören.
Weitere Merkmale, die neben dem Kapitalbedarf die Finanzierungssituation charakterisieren, sind

  • die Lebensphase, in der sich Unternehmen befinden,

  • die wirtschaftliche Lage, Erfolgsaussichten und Wachstumspotenziale,

  • bisher genutzte Finanzierungsquellen und daraus entstandene Kapitalkosten,

  • die Haltungen der Unternehmer zu den verschiedenen Alternativen, Kapitalbedarf zu decken.

Jedes Unternehmen ist durch eine spezifische Kombination dieser Faktoren gekennzeichnet, so dass verschiedenste Finanzierungskonzepte auftreten. In jedem Einzelfall einer Finanzierungsentscheidung besteht die Notwendigkeit, ausgehend vom Kapitalbedarf nach Jahren und Verwendungszwecken und unter Beachtung der erwarteten Umsatz-, Kosten- und Gewinnentwicklung verschiedene Finanzierungsvarianten zur Deckung des Kapitalbedarfs zu erarbeiten, diese zu bewerten, daraus Anforderungen an die wirtschaftliche Entwicklung der Unternehmen abzuleiten und schließlich die günstigsten Finanzierungswege in das Unternehmen aufzunehmen [1].
Innovierenden kleinen Unternehmen fällt die Lösung dieser Finanzierungsentscheidungen oft schwer. Das hat mehrere Gründe: Die wirtschaftlichen Erwartungen sind aufgrund der FuE- sowie der Marktrisiken unsicher, das Kapital ist relativ lange gebunden, die Ein- und Auszahlungen fallen zeitlich auseinander. Zwischen Unternehmen und Kapitalgebern treten Informationsdefizite auf, unter Umständen hat der Kapitalgeber nicht ausreichend Kompetenz für die Bewertung von Innovationen. Handelt es sich um junge Unternehmen, wirkt es erschwerend, dass diese ihre Finanzierungskonzepte oft nicht angemessen in die langfristigen Unternehmensstrategien einbinden und nicht überzeugend gegenüber Kapitalgebern präsentieren. Hinzu kommen fehlende dingliche Sicherheiten. Unter diesen Bedingungen ist es nachvollziehbar, dass ostdeutsche FuE-intensive Unternehmen ihre zu geringe Finanzierungskraft beziehungsweise Finanzierungsengpässe als intensivstes Wachstumshemmnis angeben. In Tabelle 2 ist auf der Grundlage einer im Jahre 2001 durchgeführten Befragung ostdeutscher FuE-intensiver Unternehmen die Intensität einzelner Wachstumshemmnisse angegeben [8].

Tabelle 2: Intensität von Wachstumshemmnissen in FuE-intensiven ostdeutschen Unternehmen (n=Anzahl der Unternehmen)

Wachstumshemmnisse 

Durchschnittliche
Intensität*

Zu geringe Finanzierungskraft/Finanzierungsengpässe (n=399) 

3,0

Erschwerter Marktzugang (n=399) 

2,5

Zu wenig FuE-Personal (n=393) 

2,2

Zu geringe Managementkapazitäten (n=395) 

2,1

Zu geringe FuE-Ausstattung (n=396) 

2,1

Zunehmende Überalterung des FuE-Personals/zu geringe Möglichkeiten zur Einstellung von jungem Fachpersonal (n=394) 

2,0

Zu geringe Vorlaufforschung bzw. zu geringe Verbindung zur Grundlagenforschung (n=395) 

1,8

Fehlende Kooperationsmöglichkeiten/fehlende Einbindung in Netzwerke (n=389) 

1,7

Fehlender konzeptioneller Vorlauf (n=393) 

1,7

* Ausprägungsmerkmale von 1: keine Intensität bis 4: sehr große Intensität.

Wenn einerseits der Kapitalbedarf für Innovationen und das mit dem Kapitaleinsatz verbundene Risiko auch hoch sind, so erschließen andererseits die Innovationen Quellen für Kostenersparnis, Gewinnzuwachs und Unternehmenswachstum. Die Finanzierung des Kapitalbedarfs fällt den Unternehmen um so leichter, je mehr sich die neuen Produkte von denen der Wettbewerber abheben und je besser es die Unternehmen verstehen, potenziellen Kapitalgebern auf der Grundlage von Wirtschaftlichkeitsrechnungen, Bewertungen und Kundennutzenanalysen die sich aus den Innovationen ergebenden Unternehmenschancen zu verdeutlichen [7].
Außerdem motivieren die Finanzierungsprobleme die Unternehmen, kapitalsparende Wege der Innovationstätigkeit zu erwägen. Dazu gehören:

  • die Verminderung des FuE-Aufwandes durch Ausnutzung der FuE-Kooperation, Lizenznahme, Vermeidung überspitzter technischer Lösungen, rationelle FuE-Organisation, Schnittstellenmanagement, Technologietransfer, Mitnutzung von Forschungs- und Labortechnik, Einbindung von FuE-Erfahrungsträgern in den Gesellschafterkreis,

  • die Einsparung von Fertigungsinvestitionen durch Nutzung flexibler Fertigungstechniken, Anmietung statt Kauf, Leasing, Funktionsintegration beim Fertigungspersonal, Ausnutzung der Fertigungskooperation, Konzentration auf die entscheidenden Wertschöpfungsstufen,

  • die Verringerung des Marketingaufwandes durch Nutzung von Vertriebspartnern, Einbindung in Netzwerke, Nutzung von Informationsdienstleistungen und Mitnutzung von Vertriebskanälen.

Aus Finanzierungserfahrungen ergeben sich folgende Handlungsempfehlungen 

Bestimmen Sie den Kapitalbedarf differenziert nach den einzelnen Jahren des Innovationsprozesses, um zeitbezogen die Deckung des Kapitalbedarfs vereinbaren zu können;

  • Berücksichtigen Sie alle Bestandteile des Kapitalbedarfs. Oft wird der Kapitalbedarf für die Finanzierung des Umlaufvermögens, insbesondere für die Vorfinanzierung größerer Aufträge, vernachlässigt;

  • Bestimmen Sie die verschiedenen Ausgabenbereiche des Kapitals, weil einzelne Finanzierungsquellen nur ausgewählte Kapitalausgaben zulassen;

  • Ordnen Sie die Innovationsprojekte in die wirtschaftliche Entwicklung des Unternehmens ein, damit nicht illusionäre Projektvorstellungen entstehen, deren Kapitalkosten das Unternehmen gar nicht tragen kann;

  • Analysieren Sie die Wirkungen von Veränderungen im FuE-, Fertigungs-, Marketing- und Vertriebskonzept, also in der Unternehmenskonzeption, auf den Kapitalbedarf, damit der Kapitalbedarfsplan realistisch bleibt;

  • Überprüfen Sie alle Möglichkeiten der Reduzierung des Kapitalbedarfs, zum Beispiel – sofern dies billiger ist – durch Fremdvergabe von Leistungen, durch Lizenznahme und Mehrfachnutzung von Ergebnissen;

  • Halten Sie die Umsatz- und Gewinnpläne des Unternehmens realitätsnah, damit das Vertrauen gegenüber den Kapitalgebern nicht gestört wird und die geplanten eigenen Mittel auch tatsächlich zur Finanzierung verfügbar sind.

Deckung des Kapitalbedarfs durch Eigen- oder Fremdkapital

Der Kapitalbedarf kann auf dem Wege der Einbringung von Eigenkapital oder durch Fremdkapital gedeckt werden. Tabelle 3 gibt die Unterschiede an.

Tabelle 3: Unterscheidungsmerkmale zwischen Eigen- und Fremdkapitalgeber

Aspekt

Eigenkapitalgeber

Fremdkapitalgeber

Haftung 

Haftung mindestens mit seiner Einlage

Haftet nicht

Erfolg 

Anteil an Gewinn und Verlust 

Erfolgsunabhängiger Zinsanspruch

Vermögens-
anspruch 

Anteil am Liquidationserlös 

Nomineller
Rückzahlungsanspruch

Besicherung 

Keine Besicherung 

Persönliche bzw. dingliche Sicherheiten für Zins- und Rückzahlungsanspruch

Informations- und 
Kontrollrechte

Umfassende Informations- und Kontrollrechte

Informationsrechte

Leitungs-
befugnis 

Berechtigung 

Keine Berechtigung

Fristigkeit 

Unbefristet 

Befristet

Steuerliche 
Belastung 

Keine Abzugsfähigkeit bei Ertrags- und Substanzsteuern 

Zinsen bei Ertrags- und Substanzsteuern abzugsfähig

Für die Innovationsfinanzierung ist aufgrund des Risikos und des längeren Zeithorizonts vor allem die Finanzierung auf dem Wege der Erhöhung des Eigenkapitals vorteilhaft. Leider ist die Eigenkapitalausstattung vieler ost-, aber auch westdeutscher kleiner Unternehmen nicht ausreichend. Eigenkapital hat für ein Unternehmen aber wichtige Funktionen:

  • Eigenkapital haftet für die Erfüllung aller Verbindlichkeiten. Diese Garantie macht es erst möglich, dass Fremdkapitalgeber bereit sind, ihr Kapital einem Unternehmen zu überlassen. Die Haftungsfunktion des Eigenkapitals stellt eine Risikosicherung für die Gläubiger eines Unternehmens dar.

  • Eigenkapital dient der Sicherung eines Unternehmens, indem es auftretende Verluste und die damit verbundene Gefahr des Konkurses bis zu einem gewissen Grad absorbiert. Es verringert das Risiko der Überschuldung.

  • Gegebenes Eigenkapital erleichtert den Zugang zu weiteren Finanzierungsquellen. Dies ist eng mit der Haftungs- und Garantiefunktion des Eigenkapitals verbunden. Im (rechtlich gesicherten) Vertrauen auf die Haftung erhöht sich das Vertrauenspotenzial, einem Unternehmen Fremdkapital zu überlassen. Ein genügend hohes Eigenkapital wirkt auch positiv auf weitere potenzielle Eigenkapitalgeber und kann deshalb neben zusätzlichem Fremdkapital auch Eigenkapital erschließen.

  • Die Höhe des Eigenkapitalanteiles ist maßgebliches Kriterium für die Zuteilung von Gewinn oder Verlust.

  • Eine ausreichende Eigenkapitalausstattung hat positive Auswirkungen auf die Darstellung des Unternehmens. Sie führt zu vertrauensvollen Geschäftsbeziehungen und zu einem positiven Image in der Öffentlichkeit. Das Unternehmen erscheint in den Augen der Mitarbeiter als zukunftssicher, was ein nicht unwesentlicher Anreiz zur effizienten Arbeit ist.

  • Die Überlassung von Kapital begründet für Eigenkapitalgeber als Eigentümer den Anspruch auf Mitwirkung an der Geschäftsführung. Auch wenn das Management oftmals Nichteigentümer wahrnehmen, haben die Eigentümer zumindest die Gewalt über Grundsatzentscheidungen und führen Überwachungs- und Kontrollaufgaben durch, zum Beispiel über den Aufsichtsrat oder die Haupt- beziehungsweise Gesellschafterversammlung.

Die unkomplizierteste Art, Eigenkapital zu erhöhen, ist die Einbehaltung von Gewinnen. Leider steht aber nicht immer Gewinn in der erforderlichen Höhe zur Verfügung. Gerade junge Unternehmen benötigen eine gewisse Zeit, bis sie auf dem Markt erfolgreich sind. Auch etablierte Unternehmen kommen in Finanzierungssituationen, die Eigenkapital erfordern - zum Beispiel für das Wachstum, für den Aufbau neuer Märkte, für Innovationsprojekte –, ohne dass Gewinneinbehalt möglich ist.
Eigenkapital kann auch über Beteiligungsfinanzierung von außen in Unternehmen eingebracht werden. Der Geber von Beteiligungskapital erlangt mit der (direkten) Beteiligung die Rechtsstellung eines Eigentümers, trägt das Risiko und den Erfolg mit, partizipiert am Wachsen des Unternehmenswertes, erlangt Kontrollrechte und kann an der Unternehmensführung teilnehmen. Unternehmen, die Beteiligungskapital nachfragen, haben zunächst das finanzielle Motiv der Erhöhung des Eigenkapitals. Oft kommen auch nicht-finanzielle Motive hinzu. Unternehmen erwarten von Beteiligungsgebern Managementberatung, Netzwerkkontakte, Synergiewirkungen und vor allem strategische Unterstützung. Beteiligungskapital hat einen erheblichen Hebeleffekt, weil es den Spielraum paralleler und nachfolgender Finanzierungsentscheidungen erweitert.
Die Möglichkeiten der Eigenkapitalbeschaffung durch Beteiligungsfinanzierung werden von den Beteiligungsgebern und von den Unternehmen derzeit noch unzureichend genutzt. Deshalb bietet der Staat den Unternehmen Fördermaßnahmen mit Zuschüssen und eigenkapitalähnliche Darlehen, um Eigenkapital bilden zu können.
Fremdkapital kommt vor allem aus Darlehen, die unternehmensexterne, zeitlich befristete Kapitalgeber gewähren. Dafür verlangen sie als Entgelt einen laufenden Zins und eventuell weitere einmalige Gebühren für die Kreditbearbeitung. Weiterhin fordern sie persönliche oder unternehmenseigene Sicherheiten und Bürgschaften, im Konkursfall haben sie Anspruch auf Konkursmasse. Fremdkapital kommt als Finanzierungsquelle nur in Frage, wenn in den Folgejahren sowohl die Zahlung der Kreditkosten als auch der Tilgungsraten des Kreditbetrages gesichert sind. Überschuldungen dürfen nicht auftreten. Kreditgeber beziehen in ihre Entscheidungen über eine Kreditgewährung stets das Risiko der zukünftigen Entwicklung des Unternehmens ein. Da ihre erzielbaren Gewinne ertragsunabhängig und damit begrenzt sind, scheuen sie hohe Risiken beziehungsweise verlangen sie entsprechend hohe Sicherheiten. Beides können kleine und junge ostdeutsche Unternehmen oft nicht ausreichend bieten. Erst mit zunehmender Marktreife der Produkte und breiterer Durchsetzung am Markt nimmt das Risiko ab. Auch in Krisensituationen halten sich Kreditgeber aufgrund des hohen Risikos eher zurück.
Fremdkapital bietet flexible Finanzierungskonzepte durch Anpassung an einen schwankenden Kapitalbedarf, ist mit einer geringeren Steuerlast verbunden (die zu zahlenden Zinsen mindern den Ertrag) und kann bei Gewinnerwirtschaftung kostengünstiger sein. Die Zins- und Tilgungszahlungen sind jedoch unabhängig von der Geschäftslage in der vereinbarten Höhe zu zahlen.
Finanzierungsentscheidungen über Innovationsprojekte verlangen meist einen Mix der verschiedenen Finanzierungsquellen. Sucht man nach der günstigsten Finanzierungsstruktur, dann sind folgende Kriterien von Bedeutung:

  • Finanzierungskriterien
    In welcher Weise hilft das eingebrachte Kapital die Wachstumspotenziale des Unternehmens zu erschließen? Welche Hebelwirkungen auf weitere Finanzierungsquellen ergeben sich? Welche Signalwirkungen zur Erhöhung der Investitionsbereitschaft von Investoren gehen von der Finanzierungslösung aus? Erhöht sich der Unternehmenswert und verringert sich das Risiko? Wie verbessern sich Liquidität und Haftungsqualität?

  • Kriterien der Unternehmensfinanzierung
    Welche Anreize ergeben sich für den Unternehmer zur Erhöhung des Unternehmenswertes? Welche Einflussmöglichkeiten haben Investoren auf das Unternehmen? Wird mögliches opportunistisches Verhalten gemildert?

Bewertung von Finanzierungswegen

Bankdarlehen

Langfristige Bankdarlehen werden zur Deckung eines langfristigen Kapitalbedarfs aufgenommen. Die Überprüfung der Kreditwürdigkeit beziehungsweise Kreditfähigkeit des Unternehmens setzt an den rechtlichen Verhandlungsgrundlagen sowie an den Persönlichkeitsmerkmalen des Unternehmers an. Kreditfähigkeit ist dann gegeben, wenn die Unternehmenskonzeption, die Wettbewerbs- und Marktsituation, der Investitionsplan, die Innovationskraft und die wirtschaftliche Entwicklung der Unternehmen (Umsatz, Gewinn) erwarten lassen, dass der Kreditnehmer die Kreditverpflichtungen vertragsgemäß erfüllen kann. Dazu werden Gesellschaftsverträge, Jahresabschlüsse, Bilanzen, Vermögensverzeichnisse, Organisationsstrukturen, Auftragsbestandslisten, Gewinnpotenzialrechnungen und das Verzeichnis der Sicherheiten analysiert. Maßgebend für die Entscheidung eines Kreditinstituts ist letztlich - wie viele Kreditbearbeiter betonen - die Vertrauenswürdigkeit des potenziellen Kreditnehmers.
Innovative ostdeutsche Unternehmen haben erhebliche Probleme, kreditgebende Banken zu finden. Zur Einschränkung des Bankrisikos wird erwartet, dass die Kreditnehmer Sicherheiten bieten, auf die im Falle einer Zahlungsunfähigkeit der Kapitalgeber zur Durchsetzung der vertraglich festgelegten Ansprüche auf Zins- und Rückzahlung zurückgreifen kann. Kleine ostdeutsche Unternehmen besitzen kaum derartige Sicherheiten, da eine Ansammlung von Vermögenswerten bisher nur schwer möglich war. Bürgschaftsprogramme bieten zwar Kreditbürgschaften an, die einen hohen Teil der Kreditsummen decken, Banken scheuen aber zum Teil den Aufwand für die Antragstellung.
Das unzureichende Engagement von Fremdkapitalgebern ist hauptsächlich auf folgende Faktoren zurückzuführen:

  • Das Risiko innovativer Vorhaben ist hoch,

  • die Eigenkapitaldecke der Gründer ist zu dünn,

  • den Unternehmern fehlt Management-Know-how,

  • die innovativen Projekte sind durch die Banken nicht bewertbar,

  • die Projekte passen nicht ins Bankprofil,

  • die Unternehmen sind noch nicht gefestigt.

Oft wird erst durch Erhöhung des Eigenkapitals eine weitere Kapitalzuführung durch Fremdkapitalgeber möglich.

Tabelle 4: Häufigkeit von Gründen, die die Zusammenarbeit mit der Hausbank belasten (n=33 Unternehmen, Mehrfachnennungen)

Gründe 

Häufigkeit in %

Unverständnis für Belange junger Technologieunternehmen 

45

Zu hohe bzw. nicht erreichbare Sicherheiten gefordert 

33

Fehlende Bürgschaften 

24

Wirtschaftliche Situation des Unternehmens wenig gefestigt 

21

Zu lange Entscheidungsprozesse bei der Hausbank 

21

Unzureichende Beratung 

15

Gründer von ostdeutschen innovativen Unternehmen sehen die in Tabelle 4 angeführten Gründe für Schwierigkeiten in der Zusammenarbeit mit der Hausbank.
Dennoch ist es unabdingbar, mit den Hausbanken eine gute Zusammenarbeit zu pflegen. Sie gewähren nicht nur die für Unternehmen notwendigen Kontokorrentkredite, sondern leiten auch die Anträge auf die Gewährung öffentlich geförderter Darlehen durch. Dieses Hausbankenverfahren ist nicht unstrittig, denn auch hierbei bemängeln die Unternehmen die geringe Risikobereitschaft der Banken sowie ihr fehlendes Know-how bei der Bewertung. Manchmal sehen die Hausbanken öffentlich geförderte Darlehen auch als Konkurrenz gegenüber den eigenen Darlehen. Sie sind aufgrund des eigenen hohen Bearbeitungsaufwandes und geringer Margen wirtschaftlich wenig daran interessiert, den Unternehmen diese Darlehen zugänglich zu machen. Aus der Sicht der Gesamtfinanzierung der Unternehmen und der Bewertung ihrer wirtschaftlichen Entwicklung kann aber auf dieses Hausbankenverfahren nicht verzichtet werden. Die Unternehmen sind deshalb angehalten, sich bei der Wahl ihrer Hausbank auch davon leiten zu lassen, über welche Erfahrungen diese bei der Beratung und Betreuung innovativer Unternehmen verfügt.
Aus der Sicht der Banken ist es erforderlich, dass das Management der Unternehmen fundierte Finanzierungskenntnisse hat, die Unternehmensfinanzierung nicht auf Berater delegiert (wenn auch die Einbindung von Beratern hilfreich sein kann), die Erwartungshaltung an die Banken nicht zu sehr hochschraubt, realistische Unternehmenskonzeptionen zur Verhandlungsgrundlage nimmt und Verständnis für das Verhalten von Kapitalgebern im Hinblick auf gründliches Nachfragen zu den Chancen der Innovationsprojekte aufbringt.

Für eine erfolgreiche Zusammenarbeit mit den Hausbanken ist es wichtig, dass die Unternehmen 

  • ein Vertrauensverhältnis zur Bank schaffen und aktiv auf die Bank zugehen, wenn sich Liquiditäts- beziehungsweise Finanzierungsprobleme anbahnen,

  • ihre wirtschaftliche Entwicklung realistisch einschätzen und ihre wirtschaftliche Situation auch ehrlich darstellen,

  • Unternehmensinformationen anschaulich für den Bankpartner aufbereiten und das Problemverständnis für die innovativen Projekte fördern,

  • die Hausbanken nicht überfordern, da auch diese ihren wirtschaftlichen Zwängen folgen müssen,

  • den Entscheidungsspielraum der Bankmitarbeiter beachten und den Zeitbedarf für Entscheidungsprozesse der Banken von vornherein einkalkulieren.

Öffentlich geförderte Darlehen

Da Bankkredite relativ wenig geeignet sind, die Innovationsfinanzierung kleiner Unternehmen zu sichern, unterstützt der Staat die Unternehmen durch öffentlich geförderte Darlehen. Ihre Vorteile sind:

  • lange Laufzeit,

  • anfänglich tilgungs- und zinsfreie Jahre,

  • Zinsen unter dem Marktzinsniveau,

  • eingeschränkte Anforderungen an Sicherheiten,

  • Haftungsfreistellungen.

Damit schonen sie die Liquidität kleiner Unternehmen in Zeitperioden, in denen noch verhältnismäßig geringe Umsätze erwirtschaftet werden. Sie verlagern die Kapitalkosten auf Zeitperioden, für die Wachstumserwartungen bestehen. Diese Darlehen decken aber oft nur zu einem gewissen Anteil den Kapitalbedarf. Sie beziehen sich meist auf jeweils bestimmte Bemessungsgrundlagen (z. B. Investitionen oder Betriebsmittel usw.) und sind nur eingeschränkt kumulierfähig. Die Hausbanken beantragen und befürworten die Darlehen bei den Darlehensgebern. Das soll dazu beitragen, die Gesamtfinanzierung und den Kapitaldienst zu sichern.
Die wirtschaftliche Bewertung der Darlehen setzt an ihren Kosten (Zinsen, Bearbeitungsgebühren, Garantieentgelte, Damnum), der zeitlichen Verteilung der Tilgung und den für die Gewährung notwendigen Sicherheiten an.
Für die Entwicklung und Verbesserung von Produkten, Verfahren und Dienstleistungen sowie deren Markteinführung bietet das ERP-Innovationsprogramm (European Recovery Program) der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) langfristige Darlehen. Voraussetzung ist, dass es sich für das geförderte Unternehmen um Neuheiten handelt. Der Anteil der Förderung richtet sich nach der Innovationsphase. In der FuE-Phase können maximal 100 Prozent der förderfähigen Kosten abgedeckt werden, der Kredithöchstbetrag liegt bei maximal 5 Mio. Euro. In der Markteinführungsphase kann der Finanzierungsanteil über das Darlehen in den neuen Ländern maximal 80 Prozent der förderfähigen Kosten, höchstens aber 2,5 Mio. Euro, ausmachen. Die Kreditinstitute werden von der Haftung teilweise freigestellt. Der Anteil der Haftungsfreistellung ist um so höher, je kleiner das Unternehmen ist. Die Anträge müssen bei der Hausbank gestellt werden, die die gesamte Finanzierung dann auch abwickelt. Im ERP-Innovationsprogramm gibt es auch eine Beteiligungsvariante.
Das ERP-Innovationsdarlehen ist vom Standpunkt des komplexen Innovationsprozesses eine attraktive Finanzierung [6]. Es erfasst nicht nur die FuE, sondern auch die Markteinführung und gestattet die Bearbeitung großvolumiger Innovationsprojekte. Für kleine Unternehmen verbessert sich zwar die Liquidität, gleichzeitig sinkt aber die Eigenkapitalquote, wodurch Überschuldungsgefahren entstehen. Das Darlehen ist unabhängig vom Innovationserfolg zurückzuzahlen.
Wie allen anderen Unternehmen auch, stehen innovativen Unternehmensgründern weitere öffentlich geförderte Darlehen zur Verfügung. Das sind:

  • ERP-Eigenkapitalhilfe-Programme (aus Mitteln des ERP-Sondervermögens); es verhilft Existenzgründern zu (zusätzlichen) eigenkapitalähnlichen Geldmitteln,

  • ERP-Existenzgründungsprogrmm; es bietet Existenzgründern Darlehen für Investitionen (aus Mitteln des ERP-Sondervermögens);

  • DtA-Existenzgründerprogramm; es bietet Existenzgründern Darlehen für den Fall an, dass die Mittel der Eigenkapitalhilfe (EHK) und des ERP ergänzt werden müssen;

  • DtA-Startgeld, es bietet Darlehen für Gründungsvorhaben an, deren Finanzierungsbedarf 50 000 Euro nicht übersteigen darf.

EKH- und ERP-Programme setzen vor allem an der Finanzierung von Investitionen an. Diese machen jedoch nur einen Teil der Innovationskosten aus. Für FuE müssen vornehmlich Personal beziehungsweise Betriebsmittel finanziert werden. Das EKH-Programm kann aber die Gesamtfinanzierung nützlich flankieren. Der Vorteil des Existenzgründerdarlehens besteht darin, Betriebsmittel zu finanzieren. Das gilt jedoch nur für Unternehmen im Aufbauprozess.

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