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- Leseprobe -
Eigenkapitalfinanzierung innovativer Unternehmungen
durch Business Angels
von Matija Mayer
Insbesondere bei kleinen und mittleren innovativen
Unternehmen besteht in der Frühphase häufig noch kein Zugang zum
Kapitalmarkt. Eigenmittelquellen sind bei kapitalintensiven Innovationen
oft schnell erschöpft. Der Gesetzgeber sieht ausdrücklich Möglichkeiten
vor, die Eigenkapitalbasis durch die Aufnahme neuer Teilhaber, sogenannter
Business Angels, zu erweitern. Die Autorin schlüsselt die Vor- und
Nachteile auf, die sich aus solchen Beteiligungen für das Unternehmen
ergeben.
Stichworte: Informelles
Eigenkapital, Aufnahme neuer Teilhaber,
Business Angels als Teilhaber:
Business-Angel-Finanzierung,
»Smart Money«, Typisierung von Business Angels,
Business-Angel-Netzwerke, Zusammenfassung.
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In diesem Beitrag
erfahren Sie:
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-
warum kleine und mittlere
Unternehmen insbesondere in der Frühphase oft auf informelle
Finanzierungsquellen zurückgreifen,
-
wie die Risiken des Managements, die
durch Aufnahme eines Business Angels entstehen, begrenzt werden
können,
-
welche Typen von Business Angels es
gibt, und welchen Einfluss sie jeweils auf das Management ausüben
können,
-
was Business-Angel-Netzwerke bei der
Zusammenführung von Investoren und innovativen Unternehmen
leisten können und wo ihre Grenzen liegen.
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Informelles Eigenkapital zur
Überbrückung von Finanzierungslücken
Zur Finanzierung von Innovationen wird häufig zu Beginn das Privatvermögen
des Innovators und teilweise auch das von Freunden, Bekannten oder
Familienmitgliedern in die Unternehmung eingestellt. Man spricht hierbei
auch von Love Money [2]. Der Innovator ist zwar zugleich Eigenkapitalgeber
und erwirbt entsprechende Rechte, doch sind damit die für ihn am
leichtesten zugänglichen Eigenmittelquellen erschöpft. Zur Deckung
seines wachsenden Kapitalbedarfs entfällt die Möglichkeit der eigenen
Einlagenerhöhung. Es müssen neue Finanzierungsquellen aufgetan werden.
Solange das Unternehmen keine Aktiengesellschaft ist, bleibt ihm die Möglichkeit
der Finanzierung über den Kapitalmarkt versperrt [8]. Ihm droht eine
Eigenfinanzierungslücke insbesondere in der Frühphase. Somit bleibt nur
die Möglichkeit, auf informelles Eigenkapital zurückzugreifen. Informell
bedeutet dabei, dass die potenziellen Kapitalgeber nicht an die Öffentlichkeit
treten, somit kein organisierter Markt vorliegt und Informationen nur
schlecht zugänglich sind. (Als Gesellschafter können auch Mitarbeiter in
Frage kommen. Vgl. [13; 20; 22]) Obschon dieser Bereich noch relativ
undurchsichtig erscheint, können die vom Gesetzgeber vorgesehenen Möglichkeiten
zur Erweiterung der Eigenkapitalbasis durch die Aufnahme neuer Teilhaber
in eine Gesellschaft betrachtet werden.
Aufnahme
neuer Teilhaber in eine Gesellschaft
Die Aufnahme neuer Teilhaber wird dann notwendig, wenn ein Unternehmen
nicht emissionsfähig ist, ihm also die Möglichkeit verwehrt bleibt,
Aktien bei einer Vielzahl potenzieller Kapitalgeber unterzubringen. Die
betrachteten Unternehmen sind meist zu klein, der Bekanntheitsgrad zu
gering und der künftige Markterfolg so sehr fraglich, dass eine Platzierung
ohnehin kaum möglich wäre. Dies betrifft insbesondere die Rechtsformen
der Personengesellschaft sowie der GmbH als eine Form der
Kapitalgesellschaft. (Schmalenbach spricht hierbei von beherrschender
Beteiligung [17]. Zur idealtypischen Form der Personen- und der
Kapitalgesellschaft aus neo-institutionalistischer Sicht vgl. [19].) Die
Rechtsform der OHG (Rechtliche Regelungen vgl. §§ 105-160, 283 ff.
HGB sowie §§ 705-740 BGB) sowie der BGB-Gesellschaft (Rechtliche
Regelungen vgl. §§ 705-740 BGB) bleiben von der folgenden
Betrachtung ausgeschlossen, zumal neu aufzunehmende Gesellschafter mit den
gleichen Rechten und Pflichten ausgestattet werden wie die bisherigen. Das
betrifft insbesondere die Mitwirkung in der Geschäftsführung, die in der
OHG mitunter jedem Gesellschafter alleine obliegen kann. Diese Rechte und
Pflichten tauchen in ihrer Grundform mit Gültigkeit für Inhaber bei der
Stillen Gesellschaft beziehungsweise für den Komplementär bei der KG
wieder auf. Bei der Aufnahme eines Stillen Gesellschafters handelt es sich
um eine reine kapitalmäßige Beteiligung (Rechtliche Regelungen vgl.
§§ 230-237 HGB). Das heißt, das Eigenkapital wird durch die Vermögenseinlage
seitens des Stillen Gesellschafters erhöht, dieser tritt nach außen
jedoch nicht in Erscheinung. (Da Stille Gesellschafter nicht an Firmenwert
und stillen Reserven beteiligt sind, entstehen bei einer Beendigung keine
Bewertungsprobleme.) Der stille Gesellschafter beteiligt sich nicht an der
Geschäftsführung, sondern überlässt unternehmerische Entscheidungen
den bisherigen Gesellschaftern beziehungsweise der bisherigen Geschäftsleitung
[16]. Dies hat zwar für einen Innovator den Vorteil, dass die befürchtete
Einflussnahme auf Entscheidungen in seiner Unternehmung rein rechtlich
nicht vorgesehen ist. De facto wird er aber mit einem Einmischen rechnen müssen,
da der Stille Gesellschafter durch die Kontrollfunktion und den damit
verbundenen Rechten der Einblick in sämtliche Geschäftsabläufe möglich
wird. Der Stille Gesellschafter hat Zugang zu einer Vielzahl an
Informationen und wird unter dem Vorwand der Kontrolle Einfluss auf
Entscheidungen nehmen. Hat der Stille Gesellschafter keine oder nur ungenügend
kaufmännische Kenntnisse, so vergrößert sich die Gefahr einer negativen
Einflussnahme auf den Markterfolg der Innovation. Während dem Stillen
Gesellschafter ein angemessener Anteil am wirtschaftlichen Erfolg eingeräumt
werden soll, haftet er jedoch nur mit der von ihm geleisteten Einlage.
Die Regelungen für einen Kommanditisten einer KG gestalten sich analog zu
denen des Stillen Gesellschafters (Rechtliche Regelungen vgl. §§ 105-160,
161-177, 238 ff. HGB und §§ 705-740 BGB). Sogenannte
Teilhafter sind jedoch nur dann zu gewinnen, wenn das Risiko der
Beteiligung nicht zu groß ist [15]. Bei der Beteiligung an einer
innovativen Unternehmung sind die Quellen der Unsicherheit jedoch kaum überschaubar.
Der Unterschied zur Stillen Gesellschaft besteht grundsätzlich in der
Erfolgsbeteiligung: Dem Kommanditisten stehen vier Prozent auf seine
Einlage zu, wobei eine angemessene Aufteilung des Restes erfolgen soll.
Mit der Kenntnis der hohen Risiken werden hohe Renditeforderungen zu
erwarten sein. Die Geschäftsführung kann von jedem Komplementär allein
ausgeführt werden. Dieser haftet gesamtschuldnerisch, unmittelbar,
solidarisch und unbeschränkt. Hier bleibt jedoch dieselbe Kritik
bestehen, wie bei der Stillen Gesellschaft: Durch die Einräumung von
Kontrollrechten ist es dem Kommanditisten möglich, Einfluss auf wichtige
Entscheidungen zu nehmen, insbesondere auf die Tätigung von
Investitionen, während der Teil, den er am unternehmerischen Risiko trägt,
auf seine Einlage beschränkt bleibt. Dies ist für ihn die einzige Möglichkeit,
die eingegangenen Risiken zu begrenzen, da er das Tagesgeschehen nicht überblickt
und auch nicht über die entsprechenden Kenntnisse verfügt, um das tatsächliche
Ausmaß der eingegangenen Risiken realistisch abschätzen zu können.
Möchten die bisherigen Eigentümer auch nur in der Höhe ihrer Einlagen
haften, so bietet sich die Wahl der Rechtsform einer GmbH an (Rechtliche
Regelungen vgl. GmbHG sowie §§ 238-336 HGB). Die Haftungsbeschränkung
auf das Gesellschaftsvermögen - mit der Pflicht zur Nachleistung der rückständigen
Einlagen - erleichtert zwar die Aufnahme von weiterem Eigenkapital, doch
die Übergabe von GmbH-Anteilen bedarf der Zustimmung der
Gesellschafterversammlung sowie der notariellen Form. Zu beachten gilt,
dass die Geschäftsführung den Gesellschaftern gemeinsam obliegt, sofern
im Gesellschaftsvertrag nichts anderes bestimmt ist. Die Kontrolle erfolgt
durch die Gesellschafterversammlung, das heißt gemeinsam und gegenseitig
in regelmäßigen Abständen. Jeder Gesellschafter wird entsprechend der Höhe
der jeweiligen Geschäftsanteile am Erfolg beteiligt. Die mit der
Eigenkapitalerhöhung verbundene Aufnahme eines neuen Gesellschafters hat
somit die Abgabe eines bestimmten Anteils sowohl an der Geschäftsführung
als auch an der Erfolgsbeteiligung zur Folge. Der neue Gesellschafter
trifft Entscheidungen mit, er übt maßgeblichen Einfluss auf den Fortgang
der Unternehmung und letztlich auf den Erfolg der Innovation aus. Mit der
erweiterten Eigenkapitalbasis ist somit eine Einschränkung des
Entscheidungsfreiraums verbunden, doch das unternehmerische Risiko wird
auf mehrere Schultern verteilt.
Business
Angels als beratende und unterstützende Teilhaber
Die Aufnahme neuer Gesellschafter ist durch drei wesentliche
Eigenschaften gekennzeichnet: Erstens bleibt die Vermögenshöhe durch die
Zahl der potenziellen Gesellschafter einerseits sowie deren Vermögen
andererseits begrenzt. Zweitens steigen mit der Zahl der Gesellschafter in
einem Unternehmen die Koordinationskosten. Und drittens kontrollieren sich
die Gesellschafter gegenseitig und nehmen auch Einfluss auf die
Entscheidungsfindung [18]. Bringt ein neuer Teilhaber neben seinem Kapital
seine Erfahrungen und Kontakte in ein innovatives Unternehmen ein, von dem
er sich ein hohes Wachstumspotenzial verspricht, so bezeichnet man diesen
als aktiven Business Angel.
Entwicklung
der Business Angel Finanzierung
Auch wenn der Begriff erst jüngst aus dem anglo-amerikanischen Raum in
die deutsche Finanzwelt Einzug genommen hat, so kann die Finanzierung
wachstumsstarker Unternehmen in der Frühphase durch Business Angels kaum
als innovativ bezeichnet werden. Denn im Grunde genommen ist die Aufnahme
eines Gesellschafters mit Kapital und Managementerfahrung eine von den
rechtlichen Regelungen vorgesehene Möglichkeit. Allerdings weist eine
Finanzierung durch die Aufnahme eines Business Angels zwei Besonderheiten
auf: Einerseits beschränkt sich das Engagement eines Business Angels auf
risikoreiche Unternehmungen, die ein besonderes Wachstumspotenzial
versprechen. Andererseits kommt der Managementunterstützung eine
besondere Bedeutung zu, die vom Gesetzgeber zwar als Recht vorgesehen,
nicht aber unbedingt als eine mit der Kapitalüberlassung verbundene
Leistung gedacht ist.
Es ist anzunehmen, dass es die Alternative der informellen
Beteiligungsfinanzierung schon länger gibt, dass sie jedoch aufgrund der
Nichtöffentlichkeit bislang nicht im Forschungsinteresse lag. Harrison
und Mason suchen in den Problemen, die kleine und mittelgroße Unternehmen
bei der Finanzierung über Kreditinstitute haben, nach einer Begründung für
die Entwicklung der Finanzierung durch Business Angels [11]. Sie führen
vier Argumente an:
-
Kreditinstitute sind bei der Kreditvergabe umsichtiger geworden. Sie
erwarten höhere Sicherheiten für Darlehen und legen größeren Wert
auf den Verschuldungsgrad.
-
Sie schenken den Risiken, die sie bei der Kreditfinanzierung
eingehen, größere Beachtung.
-
Die Bankgebühren sind gestiegen, was sich in einer Erhöhung der
Kreditmargen ausdrückt.
-
Die Banken haben die Notwendigkeit der Kenntnis sämtlicher
unternehmensrelevanter Informationen erkannt. Sie holen mehr
Informationen ein und prüfen die Kreditwürdigkeit ihre Kunden
fundierter.
Diesen Entwicklungen zufolge müssen kleine und mittlere Unternehmen
verstärkt nach neuen, alternativen Finanzierungsquellen Ausschau halten
[11], wobei das Hauptaugenmerk gezwungenermaßen auf der Akquisition von
Eigenkapital liegt.
Die vorliegenden Betrachtungen gehen hingegen zum einen davon aus, dass
die Aufnahme von Business Angels in ein innovatives Unternehmen bereits
vorher möglich war. Zum anderen müsste sich vermehrtes Streben nach
Eigenkapital in einer Steigerung der Eigenkapitalquote ausdrücken. In
Deutschland ist diese jedoch rückläufig. (Der Verschuldungsgrad stieg
von ca. 2,9 im Jahr 1971 auf ca. 4,5 im Jahr 1996 an. Vgl. [5]) Vielmehr
überzeugt die Erklärung von Coveney und Moore, die Business Angels als
notwendige informelle Quelle für überbrückendes Risikokapital in der Frühphase
sehen. Denn in dieser Entwicklungsphase reichen das eigene Kapital und das
»Love Money« nicht mehr aus, Kredite sind aufgrund der fehlenden
Sicherheiten undenkbar, und für Venture-Capital-Geber ist das gewünschte
Finanzierungsvolumen in Relation zu den Transaktionskosten noch zu gering
und die Gefahr des Scheiterns noch zu groß [4].
Informelles
Risikokapital als »Smart Money«
Mit der Aufnahme eines Business Angels als neuen Teilhaber tritt neben
Eigenkapital ein kritischer und qualifizierter Manager in die innovative
Unternehmung ein. Dieses informelle Risikokapital wird daher auch als »Smart
Money«, der Business Angel als »Value-Added Investor« bezeichnet [14].
Der Business Angel kann auf die Geschäftsführung einwirken und den
Unternehmenswert steigern, zumal er sowohl über spezielle, die Innovation
betreffende, als auch über betriebswirtschaftliche Kenntnisse verfügt,
die er samt den von ihm gesammelten unternehmerischen Erfahrungen zur
Unterstützung des Innovators einsetzt. Daneben stellt er in der Regel das
von ihm aufgebaute und während seiner eigenen Geschäftstätigkeit
genutzte professionelle Kontaktnetz zur Verfügung [19]. Für den
Innovator hat die Involvierung eines privaten Teilhabers noch zwei weitere
Vorteile. Erstens ist der Business Angel selbst an einer Steigerung des
Unternehmungswertes interessiert. Die sensiblen betrieblichen
Informationen behandelt er überwiegend vertraulich. Stammt der Investor
aus derselben Branche, ist die Ungleichverteilung der Informationen
weniger ausgeprägt, der Anreiz zu opportunistischem Verhalten seitens des
Innovators reduziert [1]. (Auf die Möglichkeit des Ausspionierens
zugunsten eines anderen Investments soll nicht eingegangen werden, da es
sich hierbei um Vertragsbruch und Spekulation handelt.) Zweitens wird nun
die Haftung für die Risiken auf mehr Schultern verteilt, wobei der
Innovator auf die Unterstützung durch das Know-how des neuen Teilhabers
hoffen kann. Dadurch werden einige managementbedingte Risiken begrenzt.
Typisierung
von Business Angels
Innovatoren können sich von der Aufnahme eines Value Added Business
Angels einen großen Beitrag zur Erfolgssteigerung und Risikoreduktion
versprechen. Allerdings sind nicht alle informellen Kapitalgeber gleich
aktiv, die Höhe der Kapitalbeteiligung kann erheblich differieren, und
ein informeller Investor geht mitunter nicht nur eine Beteiligung ein.
Abbildung 1 verdeutlicht eine Typisierung der Business Angels analog zu
den Ergebnissen einer empirischen Untersuchung von Coveney und Moore [4;
12].
-
Der Entrepreneur Angel engagiert sich am meisten, verfügt über
umfangreiche Führungserfahrung und verhält sich teilweise
unternehmerischer als in seiner eigenen beruflichen Karriere.
-
Er konzentriert sich auf ein einzelnes Engagement, dem er seine
volle Aufmerksamkeit und einen hohen Kapitalbetrag widmet. Ist ein
Investitionsprojekt erfolgreich abgeschlossen, lenkt er seinen Einsatz
in eine andere innovative Unternehmung um.
-
Kapital in ebenfalls hohem Volumen vergibt der Corporate Angel.
Dahinter verbirgt sich meist ein Unternehmen, das aus der Motivation
heraus, finanziellen Profit zu generieren, in mehrere innovative
Unternehmen investiert. Allerdings hält sich der Corporate Angel aus
der Unternehmensführung heraus.
-
Auch der Income Seeking Angel beteiligt sich nicht am
Management. Er investiert nur wenig Kapital in nur ein
Engagement, und das mit dem Ziel, finanzielle Gewinne beziehungsweise
ein regelmäßiges Einkommen zu erzielen.
-
Ein Wealth Maximising Angel wirkt, wie der Entrepreneur
Angel, aktiv in der Unternehmungsführung mit. Allerdings ist die Höhe
der Beteiligung geringer, dafür aber auf mehrere wachstumsstarke
Unternehmen verteilt. Der Schwerpunkt seiner Motivation liegt
ebenfalls in der Erzielung von Profit.
-
Dem Latent Angel geht es bei seinem finanziellen Engagement
in mittlerem Umfang in mehrere riskante, aber erfolgversprechende
Beteiligungen ebenfalls um die Erzielung von Gewinnen. Allerdings
bleibt er passiv und beteiligt sich nicht an der Geschäftsführung.
Abb. 1: Typisierung von Business Angels [4]
Zu den Virgin Angels sind schließlich die meisten Business
Angels zu zählen [4]. Sie engagieren sich in geringer finanzieller Höhe
an mehreren Wachstum versprechenden Unternehmen. Sie erhoffen sich neben
einer rentableren Investitionsmöglichkeit mitunter die Chance, sich eine
neue Beschäftigung zu erschließen.
Zur Finanzierung eines innovativen Unternehmens mittels Eigenkapital und
dem damit verbundenen Risikomanagement liefert die Aufnahme eines
Entrepreneur Angels den besten Beitrag. (Dass Entrepreneur Angels einen
wesentlichen Beitrag zur Risikoreduktion leisten, ist bereits Ergebnis
einer empirischen Untersuchung von M. K. Sullivan [21], auch wenn zum
damaligen Zeitpunkt die Einteilung von Business Angels nur anhand der
Frage erfolgte, ob sie sich in dem Unternehmen engagieren oder nicht.) Bis
die Frühfinanzierungsphase durchgestanden ist, engagiert sich der
Entrepreneur Angel mit vollem Einsatz in der Unternehmensführung,
motiviert Mitarbeiter und verfolgt die Entwicklung tatsächlicher Produkte
[10]. Eine Vielzahl managementbedingter Fehler wird so vermieden. Durch
den Eintritt in ein funktionierendes professionelles Kontaktnetz lassen
sich Reibungsverluste reduzieren und marktseitige Probleme frühzeitig
erkennen. Eine flexible Antizipation beziehungsweise Reaktion auf frühzeitig
erkannte Probleme verringert weitere Risiken. Lukrativ für den Innovator
ist neben der Value-Added-Leistung auch die Möglichkeit, mit der Aufnahme
nur eines neuen Teilhabers ausreichend finanziellen Spielraum geschaffen
zu haben. Daneben bleibt dem Unternehmen ein Entrepreneur Angel lange
erhalten. Teilweise engagiert er sich noch nach seinem Rückzug aus dem
finanziellen Engagement, indem er positive Signale für die Innovation
sendet, das heißt sich am Monitoring zur Akquisition nachfolgender
Kapitalgeber beteiligt [4]. Problematisch bleibt jedoch die Suche nach
einem passenden Investor. (Für die Veräußerung der Beteiligung stehen
dem Business Angel grundsätzlich ähnliche Möglichkeiten offen wie
Venture Capital Gesellschaften. Allerdings ist es möglich, dass sie ihre
Beteiligung vor der Veräußerung ruhen lassen und das Tagesgeschäft den
Alteigentümern sowie weiteren das Management unterstützenden
Kapitalgebern überlassen.)
Das
Business Angel Netzwerk (BAN) als Informationsforum
Auf effizienten Märkten sind Informationen über Anbieter von und
Nachfrager nach Kapital bekannt beziehungsweise kostenfrei zugänglich. Da
Business Angels informelle Investoren sind, besteht jedoch kein
organisierter Markt. Die Suche nach einem aktiven potenziellen Teilhaber,
dessen Handlungsmotive kongruent zu den Interessen des Investors sind,
gestaltet sich ebenso beschwerlich, wie die Identifikation
erfolgversprechender Innovationen. Die Informationsbeschaffung ist
aufwendig und kostenintensiv, bleibt im Resultat unvollständig und durch
persönliche Präferenzen subjektiv. Ein Ansatz, dem zu begegnen, liegt in
der Schaffung von Transparenz durch die Gründung von Business Angel
Netzwerken (In Europa existiert das European Business Angel Network (EBAN),
für Deutschland seit Sommer 1998 das Business Angel Netzwerk Deutschland
(BAND), seit Sommer 1999 das Business Angel Venture, weitere vgl. [2].)
Sie stellen Mittler dar, die Informationen sammeln und durch das
Abgleichen der jeweiligen Intentionen Kapitalgeber und -nehmer zusammenführen
wollen [23]. Business Angel Netzwerke bieten zudem Foren an, in denen
innovative Unternehmen, die einer Vorauswahl standhielten, ihre Geschäftsidee
potenziellen Investoren präsentieren dürfen [11]. Die Einrichtung eines
organisierten Marktes soll die Bewertung potenzieller innovativer
Unternehmen, deren Erwerb von Unternehmensanteilen und schließlich auch
den Exit aus einer Beteiligung vereinfachen [3]. Damit steigern sich
jedoch die Anforderungen an den Betrieb solcher
Netzwerke [14]: Sie müssen laufend und am besten antizipativ ihre
Kenntnisse über den Markt, potentielle Investoren und aussichtsreiche
Innovatoren aktualisieren. Zu den kritischen Erfolgsfaktoren von Business
Angel Netzwerken sind insbesondere das Marketing für das eigene Netzwerk
sowie die tatsächliche Qualität der in das Angebot aufgenommenen
Investments zu zählen [1]. Hierfür sind fundierte Nachforschungen
notwendig, die ein hohes Maß an spezifischen Kenntnissen erfordern. Der
Erwerb relevanter Informationen und der notwendigen Kenntnisse bedarf
umfangreicher finanzieller Mittel. Business Angel Netzwerke müssen eigene
Umsätze generieren, womit sie zwangsläufig einen Teil ihrer Neutralität
verlieren.
Business Angel Netzwerke sollen die Rolle unabhängiger, aber glaubwürdiger
Informationsstellen einnehmen. Dazu müssten sie aber die kostenintensive
Due Dilligence Prüfung (Unternehmungsbewertung zum Zweck des
Unternehmungserwerbs bzw. -verkaufs) mit jedem Projekt durchführen.
Werden die Kosten auf die Teilnehmer umgewälzt, die den
Vermittlungsservice in Anspruch nehmen, so ist die Absicht der Reduktion
von Suchkosten durch die Zwischenschaltung eines unparteiischen Dritten
hinfällig. (Die Idee der Einrichtung einer Business-Angel-Börse, wie von
H. Dorn [6] vorgeschlagen, muss aus denselben Gründen abgelehnt werden.)
Ein zweites Problem entsteht dadurch, dass die Erfassung der potenziellen
Marktseiten zugunsten der Vergleichbarkeit anhand eines vereinheitlichten
Schemas erfolgt. Doch die jeweiligen charakteristischen Eigenarten einer
innovativen Idee können kaum anhand standardisierter Kriterien erfasst
werden. Sie drohen, in einer Fülle verschiedenartiger Konzepte
unterzugehen. Die Informationsübermittlung bleibt unvollständig [7].
Harrison und Mason sprechen sich dagegen, basierend auf empirischen
Ergebnissen, für die Beibehaltung einer direkten Finanzierung innovativer
Unternehmen durch informelle Investoren aus [9]. Zur Begründung führen
sie die Vorteile an, dass
-
kleine Summen an Eigenkapital leichter verfügbar sind,
-
keine hohen Gebühren anfallen,
-
der Kapitalgeber zugleich seine betriebswirtschaftlichen Fähigkeiten
in die Unternehmung einbringt,
-
die Auswahl nicht anhand derselben Entscheidungskriterien erfolgt,
wie bei formellen Investoren üblich,
-
Kapital von privaten Investoren »geduldig« ist, das heißt es
steht der Unternehmung über einen längeren Zeitraum hinweg zur Verfügung,
und
-
Business Angels nicht nur in Finanz- oder Industriezentren zu finden
sind, sondern grundsätzlich an jedem Ort.
Dafür spricht auch die Motivation potenzieller Investoren für ein
Engagement in innovativen Unternehmen: Sie legen Wert darauf, das
Management des betreffenden Unternehmens persönlich zu kennen. Sie
investieren nur, wenn sie den zur Verfügung stehenden Informationen
vertrauen und von einem künftigen Erfolg subjektiv überzeugt sind.
Hierbei kommt auch der Umstand zum Tragen, dass sich informelle Investoren
überwiegend lokal engagieren, das heißt, dass sie sich mit den
jeweiligen regionalen Gegebenheiten gut auskennen, Kontakte vor Ort
besitzen und im Krisenfall schnell reagieren können [1]. Daneben bestehen
auch steuerliche Anreize sowie die Aussicht, eventuell mit anderen,
weitaus erfahreneren Investoren zusammenzuarbeiten [14]. Künftig werden
Business Angel Netzwerke nur eine Möglichkeit darstellen, um beide
Marktseiten zusammenzuführen. Die Verfügbarkeit von Beteiligungskapital
wird damit erleichtert. Da es informelle Risikokapitalgeber schon vor dem
Aufkommen der Diskussion über Business Angels gab, werden auch weiterhin
Beteiligungen zustande kommen, ohne dass die Öffentlichkeit davon
Kenntnis erlangt. Als positiv ist dennoch der durch die jüngere Publizitätswirkung
entstandene Eindruck zu werten, das finanzwirtschaftliche Verhalten habe
sich dahingehend geändert, dass potenzielle Investoren eher bereit sind,
innovativen Unternehmungen Kapital zur Verfügung zu stellen.
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Tabelle
1: Auswahl Adressen Business Angel Netzwerke
|
|
Business Angel
Venture GmbH
|
Martin Heinemann
|
Richmodstraße 31
50667 Köln
|
www.business-angel-venture.de
|
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Business Angels
Netzwerk Deutschland
(BAND) e.V.
|
Uwe Seifert
|
Bundesallee 210
10719 Berlin
|
www.business-angels.de
|
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European Business
Angels Network
(EURADA / EBAN)
|
Christian Saublens
/
Monica Reino
|
Avenue des Arts 12 Bte 7
B-1210 Brussels BELGIUM
|
www.eban.org
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