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- Leseprobe -
Entwicklung und Einführung von e-viva, dem
e-Learning-System von Viterra Energy Services
von Ralf
China, Uwe Wilken
Das Dienstleistungsunternehmen Viterra Energy Services (VES) nutzt
die Möglichkeit des eLearning bei der Einarbeitung neuer sowie bei der
Weiterqualifizierung erfahrener Mitarbeiter. Zu diesem Zweck wurde dort
ein virtuelles Trainingscenter aufgebaut. Da es für VES zunächst kein
SAP-Referenzmodell gab, mussten die Dokumentationen und Trainingsinhalte
weitgehend neu entwickelt werden. Mittlerweile können Mitarbeiter und
Coaches bei allen Fragen rund um das VES-spezifische SAP-System auf eine
e-Learning-Bibliothek zurückgreifen. Die Autoren begleiteten den Prozess
von den ersten Schritten an.
Stichworte:
e-Learning bei VES: Ausgangssituation, Ziele, Erwartungen;
Projektorganisation; Pilotanwendung; Web Based Training (WBT): Aufgaben;
Herausforderungen, Lösungen; WBT als integrierte Säule im
Trainingssystem; Checkliste; Zusammenfassung.
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In diesem Beitrag
erfahren Sie:
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wie e-Learning die elektronischen
und herkömmlichen Wege der Wissensdistribution in ein neues
Konzept integriert,
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mit welcher Zielsetzung bei VES ein
virtuelles Trainingscenter entstand,
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auf welchem Wege hier vor dem
Projektstart ein breiter Konsens über Ziele und Methoden erreicht
werden konnte,
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wie es gelang, die zirka 650
VES-Mitarbeiter binnen sechs Wochen auf das neue elektronische
Werkzeug SAP R/3 vorzubereiten
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Das Unternehmen
Die Viterra Energy Services GmbH & Co KG (VES) ist eine Tochter der
Viterra AG innerhalb des Energiekonzerns E.ON. Ihr Hauptsitz ist Münster
in Westfalen. Das Unternehmen, das aus der Ista Haustechnik GmbH
hervorgegangen und Inhaberin der Marken Ista und Clorius ist, hat sich auf
Systemdienstleistungen rund um die Immobilie spezialisiert. Dazu gehören
die Lieferungen von Mess- und Erfassungssystemen, die Erstellung
individueller Verbrauchsabrechnungen von Wasser und Wärme sowie
Finanzdienstleistungen. Viterra Energy Services hat bundesweit
Niederlassungen in 19 Städten und verfügt über 1200 festangestellte
Mitarbeiter.
Neue Wege gehen ist bei Viterra Energy Services Programm - das gilt für
richtungsweisende Produkte und Dienstleistungen genauso wie für die Aus-
und Weiterbildung der Mitarbeiter. Im Juli 2000 fiel deshalb hier der
Startschuss zum Aufbau der virtuellen Lernakademie »e-viva«.
Was ist e-Learning?
E-Learning ist das Verwirklichen von Lernprozessen mit Hilfe des Intra-/Internets.
Führen wir uns kurz vor Augen, was alles zu einem Lernprozess gehört:
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Da gibt es Wissen und Informationen, die an bestimmte Personen
weitergegeben werden sollen, damit diese zum Beispiel ihre Arbeit
besser machen können.
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Da sind Trainer, die die Aufgabe haben, dieses Wissen aufzubereiten
und zu didaktisch sinnvollen Kursen zusammenzustellen.
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Da sind Mitarbeiter der Personalentwicklung, die die Teilnehmer
auswählen und einladen, die an dem Kurs teilnehmen sollen.
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Es gibt einen Seminarraum, in dem sich die Lernenden mit ihrem
Trainer treffen.
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Es gibt eine Kaffee-Ecke, in der in den Pausen geplaudert wird.
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Und es gibt die erfahrenen Kollegen, die vor und nach dem Training
Tipps geben, wie das Wissen in die Praxis umgesetzt werden kann.
Das hat mit dem herkömmlichen CD-ROM-Training nicht viel zu tun und
geht über eine bloße Distribution von Lerninhalten über das Intra-/Internet
weit hinaus. Und das muss auch so sein, wenn Lernen wirklich funktionieren
soll. Durch eine multimediale Aufbereitung der Inhalte können
insbesondere komplexe Themen besser und anschaulicher vermittelt werden
als auf herkömmlichen Wegen.
Die Kommunikations- und Steuerungsmöglichkeiten beim vernetzten Lernen
sorgen dafür, dass der Lernerfolg nicht mehr primär eine Frage der
Disziplin und Selbstlernfähigkeit einzelner Mitarbeiter ist. Durch ein
detailliertes Monitoring können Trainer genau beobachten, wie erfolgreich
die einzelnen Mitarbeiter sich im Lernprozess bewegen und wo eine
persönliche Unterstützung notwendig ist. Diese Steuerungsmöglichkeit
ist die Voraussetzung, mehr Lernende individueller zu betreuen.
Ein weiteres wichtiges Merkmal des vernetzten Lernens ist die
Kommunikation. Die Lernenden können sich mit ihrem Trainer, mit anderen
Lernenden und auch mit anderen Experten austauschen.
Diese Kombination von anschaulicher Vermittlung der Inhalte, der
Lernprozesssteuerung durch den Trainer und der gezielt genutzten
Kommunikationsmöglichkeiten ermöglicht, praktisch alle denkbaren
Trainingsinhalte durch e-Learning zu ersetzen oder mindestens deutlich zu
verbessern. Da ein Online-Kurs auch nach dem ersten Durcharbeiten immer
wieder als hochklassiges Nachschlagewerk genutzt werden kann, wird der
Lerntransfer besser unterstützt als bei klassischen Präsenztrainings.
Warum e-Learning bei VES?
Ausgangssituation
Durch Wachstum und Fluktuation besteht im Service Support
kontinuierlich die Notwendigkeit, neue Mitarbeiter für Ihre Aufgaben fit
zu machen. Dabei erhält jeder Mitarbeiter im ersten Jahr 25 Trainingstage
in der Viterra Academy in Mülheim an der Ruhr. Zirka ein Viertel dieser
Trainingszeit dreht sich direkt um SAP-Fragen. Zusätzlich müssen die
zirka 650 erfahrenen Mitarbeiter weiter auf dem Laufenden gehalten werden.
Insgesamt kümmern sich drei Trainer und sechs Coaches um die interne Aus-
und Weiterbildung im Service-Support. Die Coaches schulen primär die
erfahrenen Kollegen und die Trainer haben ihren Schwerpunkt bei den neuen
Mitarbeitern. Da für das gesamte Unternehmen nur ein DV-Trainingsraum mit
16 Plätzen zur Verfügung steht, sind Engpässe vorprogrammiert. Neue
Mitarbeiter konnten zum Teil nicht so schnell wie gewünscht eingearbeitet
werden und für Angebote an die erfahrenen Mitarbeiter fehlten manchmal
die Ressourcen. So entstand die Idee, ein virtuelles Trainingscenter zu
schaffen, um diese Engpässe zu beseitigen.
Ziele
Im Wesentlichen wurden mit dem Aufbau des virtuellen Trainingscenters
»e-viva« fünf Ziele verfolgt:
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Erweiterung der Trainingskapazitäten
-
Senkung der Abwesenheitszeiten
-
Senkung von Reise- und Tagungskosten
-
Bessere Unterstützung/besseres Coaching vor Ort
Kurz gesagt, die Qualität der Aus- und Weiterbildung sollte deutlich
verbessert und gleichzeitig sollten die Trainingskosten gesenkt werden.
Das fünfte Ziel bestand darin, den Erfahrungshorizont zu erweitern unter
der Fragestellung:
Erwartete Effekte
Durch den Aufbau von e-viva sollten drei Effekte erreicht werden:
-
Durch individuelle Lernzeiten und Lerngeschwindigkeiten Reduzierung
der effektiv benötigten Lernzeit der Mitarbeiter.
-
Vermittlung eines notwendigen Grundwissens je nach Thema. Bildung
homogener Lerngruppen für ein effektiveres, anschließendes
Präsenztraining.
-
Die durch e-viva aufgebaute zentrale Lernplattform wird Basis für
beliebige weitere Themen und Inhalte.
Projektorganisation
Ein Erfolgsschlüssel des Projektes war ein breites Commitment vor dem
eigentlichen Projektstart. Basis dafür war eine kurze Vorstudie, in der
die Einsatzfelder für das geplante virtuelle Trainingscenter genau
definiert wurden. Anschließend wurden die zu erwartenden Verbesserungen
ermittelt und auch quantifiziert. Auf dieser Basis wurde dann das
Grobkonzept für das virtuelle Trainingscenter erarbeitet.
In dem folgenden Entscheidungs-Workshop konnte damit ganz konkret über
Kosten/Nutzen des virtuellen Trainingscenters und die Schritte bei der
Einführung diskutiert und eine fundierte Entscheidung getroffen werden.
An diesem Entscheidungsworkshop haben Vertreter aller relevanten
Unternehmensbereiche teilgenommen: Geschäfts- und Bereichsleitung,
Betriebsrat, Führungskräfte, Trainer, Personalentwickler und der
IT-Leiter.
Anschließend wurden alle Führungskräfte aus dem Servicebereich
einschließlich des Betriebsrates detailliert über das geplante Projekt,
die Rahmenbedingungen und die erwarteten Verbesserungen informiert. Dabei
war die Frage der »Steuerungsmöglichkeiten« von zentraler Bedeutung. Da
es sich um für das Unternehmen »lebensnotwendige« Themen handelte,
waren aussagekräftige Steuerungsinstrumente in den Selbstlernphasen für
die Trainer unabdingbar. Auf der anderen Seite bestand die Befürchtung,
dass durch solch ein Monitoring - quasi durch die Hintertür - eine neue
Art der Leistungsbewertung eingeführt wird. Sehr schnell wurde allen
Beteiligten klar, dass die Lösung dieses potenziellen Konfliktes darin
bestand, die Steuerungsdaten nur den Trainern zugänglich zu machen und
alle Daten nach Ende eines e-Learning-Kurses zu löschen. Auf dieser Basis
gaben alle Beteiligten grünes Licht für die Umsetzung.
Pilotanwendung
Um bereits mit dem Pilotprojekt einen rechenbaren Nutzen zu erreichen,
wurde entschieden, ein bisher viertägiges Präsenztraining für neue
Mitarbeiter durch ein begleitetes Web Based Training (WBT) zu ersetzen.
Die Grundlage für das WBT bildeten die vorhandenen Schulungsunterlagen.
Da in einem virtuellen Trainingscenter aber anders - nämlich in kürzeren
Abschnitten - gelernt wird, als im Präsenztraining, wurden die
Trainingsinhalte gründlich überarbeitet. Als Trägeridee für das WBT
orientierte man sich an ganz konkreten Aufgabenstellungen aus dem
Tagesgeschäft, anhand derer die trainingsrelevanten Inhalte zu
Prozessabläufen und deren Abbildung im SAP-System verpackt wurden. So
entstanden sieben Lernmodule, die immer ganz konkret mit den (eingescannten)
Aufträgen beginnen, die die Mitarbeiter täglich in Ihrem Eingangskorb
finden. Dann erfolgt ein kurzer Überblick, was bei dieser Auftragsart zu
tun ist und wie andere Bereiche des Unternehmens daran beteiligt sind.
Anschließend wird Schritt für Schritt gezeigt, wie dieser Auftrag im
SAP-System abzuwickeln ist und wo-rauf es bei den einzelnen Schritten
ankommt. Testfragen und Übungen runden den Kurs ab. Einen Überblick
über den Aufbau dieses ersten e-Learning-Kurses sehen Sie in Abbildung 1.
Abb. 1: WBT für die Einarbeitung neuer Mitarbeiter bei VES
Parallel dazu wurde der Lernserver in das firmeneigene Intranet
eingebunden. Als Lernplattform wurde »e-Learn« ausgewählt. Da alle
Trainer sehr stark ins Tagesgeschäft eingebunden waren, wurde der Kurs
komplett von der DLC und den Projektpartnern der e-Learn AG umgesetzt.
Nach nur 8 Wochen, in denen das WBT konzipiert, produziert und die
Lernplattform installiert wurde, startete am 3. Oktober 2000 die erste
virtuelle Lerngruppe. Die Lösung von anfänglichen, und sicherlich
unumgänglichen Problemen gehörte zum persönlichen Lernerfolg der
IT-Ausrüster und Trainer:
-
Die Benutzung von Plugins und das Verändern von Browser-Settings
ist auf einem einzelnen PC kein Problem, dagegen aber schon bei
mehreren hundert PCs in einem Firmennetzwerk. Die Abstimmung über den
Einsatz und die Installation der Plugins hat daher gut sechs Wochen
gedauert. Dabei ging es vor allem um Tests, das Risiko von
Software-Konflikten zu vermeiden und um die Frage, wie denn diese
Erweiterungen auf den PC vorgenommen werden sollen.
-
Der Umgang mit dem Browser - obwohl Intranet vorhanden - war nicht
allen Mitarbeitern bekannt, weswegen einigen Teilnehmern die Bedienung
des Browser et cetera erklärt werden musste.
-
Selbst lernen heißt nicht, dass von selbst gelernt wird. Obwohl der
Lernprozess für das erste WBT schon recht straff organisiert war
(Laufzeit des Kurses, Sollzeiten etc.), mussten die Teilnehmer
überraschend intensiv angeleitet werden. Ein kontinuierliches
Monitoring der Lernfortschritte und ein stetiger Dialog über Mail,
Newsgroup und das gute alte Telefon waren unerlässlich.
Erkenntnisse aus dem Pilotkurs:
Mit diesen Erfahrungen und den Erfolgen aus dem Pilotprojekt erfolgte
der zweite Schritt: Ausbau des virtuellen Trainingscenters zur
Haupt-Trainingsplattform für die anstehende SAP-Migration.
Web Based Training (WBT) im Einsatz zur Migration SAP R/3 SD/MM
(Die beiden SAP-Module SD - Sales Distribution/Vertrieb - und MM -
Material Management/Logistik - wurden von der SAP-Version R/2 auf R/3
umgestellt. So eine Umstellung bezeichnet man als Migration.)
Aufgabe
Ging es in dem Pilotprojekt noch um überschaubare Kursgrößen von
zirka 15 Teilnehmern, stellte sich hier eine ganz andere Herausforderung:
650 Mitarbeiter sollten in nur sechs Wochen auf das neue Werkzeug SAP R/3
vorbereitet werden.
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Optimieren der Lernzeiten. Die Erfahrung der Pilotanwendung
zeigte, dass e-Learning im Vergleich zum klassischen Seminar 30 bis 50
Prozent weniger Lernzeit benötigt - bei 650 Mitarbeitern natürlich
ein, auch unter Kostenaspekten, wichtiger Faktor.
-
Individuelle Lernangebote. Wegen des stark unterschiedlichen
Vorwissens sollte den Teilnehmern ermöglicht werden, selbst aus den
Lernangeboten die Inhalte auszusuchen, die für sie tatsächlich relevant
sind. Natürlich gab es Module, die »Pflicht« waren, bei anderen bestand
dagegen ein weitgehender Entscheidungsspielraum.
-
Hoher Umsetzungsbezug/direkter Lerntransfer. Während bei den
Präsenztrainings die klassischen Frontalveranstaltungen im Vordergrund
standen, ergab sich im e-Learning die Möglichkeit, nach dem Motto
»echtes Training statt Vortrag« die Mitarbeiter viel stärker zu
aktivieren und einzubinden.
-
Lernerfolgskontrolle. Die Tatsache, wie viele Mitarbeiter bereits
an einem Training teilgenommen haben, sagt noch nichts über deren
praktische Kompetenz zu dem geschulten Thema aus. Deshalb ist es nötig,
entsprechende praxisnahe Übungen und Tests zu entwickeln, damit a) die
Teilnehmer immer wissen, wie ihr Stand ist und b) die Trainer anhand der
Ergebnisse auch entsprechende Unterstützungsangebote machen können.
-
Weiterverwendbarkeit der Inhalte. Die entsprechenden Inhalte
müssen zum Teil immer wieder im Unternehmen vermittelt werden, zum
Beispiel an neue Mitarbeiter oder Kollegen, die den Arbeitsplatz
gewechselt haben.
Herausforderungen
Da es für VES kein SAP-Referenzmodell gab, mussten die Dokumentationen
und Trainingsinhalte weitgehend selbst entwickelt werden. Dabei ergaben
sich zwei Problemstellungen:
Mit der herkömmlichen Vorgehensweise wäre eine e-Learning-Lösung
nicht realisierbar gewesen. Deshalb wurde sehr früh eine enge Vernetzung
von SAP- und e-Learning-Projekt geschaffen >vgl. Abbildung 2<.
Abb. 2: Parallelität der Entwicklungsprozesse
Grundidee dabei war, dass die Drehbücher zu den e-Learning-Kursen
parallel zu der Anwenderdokumentation erstellt werden. Dazu wurde von der
Distance Learning Consulting (DLC) ein Raster entwickelt, wie die
Dokumentationen aufzubauen sind, und anhand eines konkreten Prozesses ein
Musterdrehbuch erstellt. Die grobe Gliederung dieses Muster-Drehbuchs
sehen Sie im >Inset auf S. 9<.
Die nach einem so aufgebauten Musterdrehbuch vom Service-Support
erstellten Dokumentationen gingen zur Nachbearbeitung an die DLC, die dann
den didaktischen Feinschliff vornahm. Die besondere Herausforderung bei
dieser Lösung lag in den bei SAP-Projekten zwangsläufigen Änderungen.
In einem Fall musste ein eigentlich bereits freigegebenes Drehbuch noch
dreimal komplett überarbeitet werden, weil sich entsprechende Änderungen
im SAP-System ergeben hatten. Dieser extreme Änderungs- und
Anpassungsaufwand durch ungeplante Verzögerungen bei der
Prozessentwicklung schlug sich natürlich auf die gesamte Prozesskette der
Lerninhalt-Produktion nieder. Nur durch das extrem einfache und
änderungsfreundliche Autorensystem der gewählten Lernplattform e-Learn
konnte diese Anforderung gemeistert werden. Konnte einerseits durch das
e-Learning-System darauf reagiert werden, indem Kollegen via Mail und
Newsgroup auf diese Änderungen aufmerksam gemacht wurden, fehlten
andererseits die Ressourcen, während der laufenden Trainings die
betreffenden Inhalte in den Kursen zu ändern.
Lösung
Im November 2000 wurde parallel zu der Dokumentation begonnen, die
Lerninhalte umzusetzen. Erster inhaltlicher Test waren die
Key-User-Schulungen, die im Januar/Februar 2001 durchgeführt wurden. Ende
Februar startete der erste »Massentest« für das neue Lernsystem mit
drei Pilotniederlassungen.
Sein Ziel war es, unter Echtbedingungen die Lernplattform sowie die Kurse
im Netzwerk mit den Mitarbeitern an den verschiedenen Standorten zu
testen, was sich auch als extrem notwendig erwies. Obwohl vorher alle
Einzelkomponenten geprüft und freigegeben waren, hakte es in der
Echtanwendung an der einen oder anderen Stelle deutlich. Neben
Optimierungen an der Lernplattform, die dann sehr schnell umgesetzt
wurden, waren es vor allem organisatorische Probleme, die zu lösen waren.
So war die Frage der Vorbereitung der Lern-PCs noch nicht hundertprozentig
gelöst. Ein Erfahrungswert vorab: Gerade dieser Punkt ist sehr wichtig,
wenn man mit e-Learning startet. Wenn die Lernenden sich erst mit der
Technik oder den Software-Einstellungen beschäftigen müssen, kann das
sehr schnell zu erheblichen Akzeptanzproblemen führen.
Anfang März 2001 erfolgte das »Go Live«. Es war noch knapp sechs Wochen
Zeit, um die 650 Mitarbeiter der VES für das neue System fit zu machen.
Denn obschon noch einiges im Fluss war - der Endtermin für die
Systemumstellung stand fest.
Die zu schulenden Mitarbeiter ließen sich grob in zwei Gruppen teilen:
450 »produktive« und 200 gelegentliche Nutzer. Die 450 Nutzer wurden auf
zwölf »Klassen« verteilt, die insgesamt von neun Trainern/Tutoren
begleitet wurden. Die 200 gelegentlichen Nutzer waren auf drei Klassen
verteilt, die nur eine geringe Betreuung erforderten. Da ein direktes
Lernen am Arbeitsplatz nicht in Frage kam (Teambüros, Telefon,
Kundenkontakte), lernten die Mitarbeiter in den Schulungsräumen ihrer
Niederlassung. Zu diesem Zweck wurden die ohnehin vorhandenen
Besprechungsräume an den Standorten »umgewidmet«. Pro Schulungsraum
standen zwei bis acht Lernplätze zur Verfügung, an denen die Mitarbeiter
nach einem abgestimmten Stundenplan in Zwei-Stunden-Einheiten lernten.
Wirklich überraschend war die starke informelle Kommunikation in den so
entstandenen Lerngruppen - während zum Beispiel ein Mitarbeiter über
einen umständlichen und formalistischen neuen Prozess schimpfte,
erklärte ihm sein Kollege aus dem anderen Arbeitsbereich, dass das gerade
gut sei, weil hier bisher viele Fehler auftauchten, die dessen Abteilung
wieder ausbügeln musste.
Insgesamt umfasste das Training 25 Lernstunden. Dazu kam die Übungszeit
im Testsystem. In jedem Abschnitt wurden nämlich neben allgemeinen
Verständnisfragen auch Übungsaufgaben gestellt, die die Mitarbeiter im
SAP-Testsystem lösen mussten. So erreichte man, dass die Mitarbeiter am
Ende des Trainings nicht nur das neue System »gelesen« sondern
nachweisbar auch verstanden hatten und bedienen konnten.
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