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23. August 2001

Wenn Rudi Carrell bei mir Zuhause anruft

(he) Wenn Computer anfangen zu sprechen, kratzt es ganz schn im Gehrgang. Die Qualitt der blechern und monoton klingenden Stimmen aus dem Rechner hat sich in den letzten Jahren nicht entscheidend fortentwickelt. Und das, obwohl ein gutes Geschft zu machen wre mit Automaten-Stimmen, die sich gut anhren. Der US-Telefonkonzern AT&T hat einen neuen Anlauf gemacht und eine Technik entwickelt, die die menschliche Stimme nahezu perfekt "klont".

Die bisher blichen Methoden waren zu grob. Meist behalfen sich die Programmierer mit einem begrenzten Vorrat ganzer Wrter, der mglichst monoton aufgenommen wurde. Navigationssysteme in Autos oder einfache Telefondienste nutzen diese Technik.

Mit der neuen Technik aus dem Hause AT&T, genannt "Natural Voices", hrt die Maschine sich tuschend echt an. Der Aufwand ist allerdings sehr gro. Der Mensch, der seine Stimme hergibt, muss bis zu 40 Stunden im firmeneigenen Sprechlabor verbringen und Texte epischen Ausmaes einlesen. Erst dann liegt genug Material vor, aus dem die Kunststimme generiert werden kann.

Danach werden die Aufnahmen per Computer in die kleinsten unterscheidbaren Laute zerschnipselt. Von jedem "e" oder "gr" (wie in "gro") verstaut er tausenderlei Varianten in seiner Datenbank. Alle Lauteinheiten, Phoneme genannt, werden dann noch einmal in der Mitte zerteilt. Am Ende hat der Rechner ein Sortiment von Atomen der Rede, mit denen er alles sagen kann.

Das Englische kommt mit rund hundert solcher Halbphoneme aus. Aber nur wenn jedes Redekltzchen in vielen tausend Exemplaren vorliegt, findet der Computer zu jeder Satzmelodie die passende Lautfolge. Dazu kalkuliert er von jedem Halbphonem aus ein paar Millionen mglicher Verkettungen. Das menschliche Ohr hrt fast jeden Sprachfehler und kein Laut klingt zweimal gleich. Es kommt darauf an, welcher Laut ihm vorausgeht, welcher folgt und wo im Satz das ganze Wort steht.

Der Aufwand ist gro. Jede Klonstimme kostet viele Tausend Dollar und es braucht gewaltiger Rechenleistung, um sie dann zu betreiben. Aber der Tag ist sicher nicht fern, an dem die computergenerierte Stimme des Papstes oder von Rudi Carrell anruft und die neuesten Sonderangebote der Firma XY feilbietet.

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