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27. Juni 2002
Durch Effizienz zum Gewinn
(he) Studien zeigen seit Jahren in der Industrieproduktion ein unerschlossenes Potenzial zu einer vernünftigen Senkung des Energie- und Materialverbrauchs. In allen wichtigen Industrie-, Bau- und Dienstleistungsbranchen ließe sich bereits bei der Herstellung der bestehenden Produktpalette die Materialausbeute weiter steigern und der Materialverlust senken.
Noch mehr Potenzial liegt in der Optimierung von Produktkonzept und Produktdesign, sodass gleiche Funktionen mit weniger Materialeinsatz erfüllt werden. Das fordert Hartmut Fischer, Senior Manager der Unternehmensberatung Arthur D. Little in einem Beitrag für die Wirtschaftseiten der "Zeit". Für materialeinsatzoptimierte Produkte und Produktion prophezeit Fischer gute Zukunftsaussichten. Würden deutsche Manager konsequent anfangen mit Material und Energie zu haushalten, könnten bis zu 180 Milliarden Euro pro Jahr gespart werden, und das ohne die Qualität der Produkte oder den Lebensstandard zu beeinträchtigen. Einsparungen werden vor allem dann erzielt, wenn die Kosten des Produktes über seinen gesamten Lebenszyklus, von der Fertigung beim Zulieferer und Hersteller über den Vertrieb bis zur Produktnutzung beim Endkunden gesenkt werden. Diese Optimierung nach "Lebenszykluskosten" ist in den fünfziger Jahren in breitem Umfang für die Steuerung von Luft- und Raumfahrtprogrammen verwendet worden und setzt sich seitdem schrittweise auch anderenorts durch. DuPont etwa hat ein breit angelegtes Zero-Emissions-Programm entwickelt, um Materialverluste in der gesamten Wertschöpfungskette zu reduzieren. In der eigenen Fertigung werden dazu Syntheseprozesse verbessert, und der Materialverbrauch des Kunden wird durch neues Produktdesign oder produktbegleitende Dienstleistungen gesenkt, mit dem Effekt besserer Margen und Marktanteile. Auch Henkel, Sony und General Motors fördern ähnliche Entwicklungen. Nicht nur Unternehmen könnten sich so besser im Markt positionieren und gleichzeitig ihre Gewinnmargen steigern. Auch volkswirtschaftlich wären positive Auswirkungen zu vermelden. Das verfügbare Einkommen der privaten Haushalte bliebe konstant. Da die Güter dank verbesserter Materialausbeute bis 25 Prozent weniger kosten, stiege bei gleichem Lebensstandard das Nettoeinkommen. Fischer beziffert die Erhöhung des Jahresumsatzes der Wirtschaft auf 190 Milliarden Euro, was zur Schaffung von 700.000 neuen Arbeitsplätzen führen würde. An die Politik geht daher Fischers Forderung nach regulierender Gesetzgebung und aktiver Förderung. Vorbild ist Japan. Dort hat man unter Federführung des einflussreichen Wirtschaftsministeriums (ehemals Miti) ein hochkarätig besetztes, ressortübergreifendes Gremium geschaffen, um die Dematerialisierung der japanischen Wirtschaft voranzutreiben.
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