|
12. Dezember 2002
Tausendfüßler speichert Daten
(he) Die Nanomechanik könnte schon in ein paar Jahren die heutige Magnetspeichertechnik ablösen. In den IBM-Forschungslabors im schweizerischen Rüschlikon hat man bereits erste vielversprechende Fortschritte erzielt.
Der Dateninhalt von 25 DVD-Scheiben lässt sich in Form von Millionstel Millimeter kleinen Löchern in einer nur gut fingernagelgroßen Plastikschicht speichern. Das entspricht einer Datenmenge von rund 25 Millionen Textseiten. Und so funktioniert die neuartige Speichertechnik: Nanometer große Nadeln stanzen die Datenpunkte so dicht in den Kunststoff, dass eine beeindruckende Speicherdichte von einer Billion Bits (Terabit) pro Quadratzoll erreicht wird. Aktuelle Magnetplattenspeicher bringen es hingegen nur auf ein Zwanzigstel dieser Kapazität. "Während die heute eingesetzten Speichertechnologien allmählich an fundamentale Grenzen stoßen, steht unser nanomechanischer Ansatz erst am Anfang und hat ein Entwicklungspotenzial für tausendfach höhere Speicherdichte", prophezeit Nobelpreisträger Gerd Binnig, der an dem Forschungs-Projekt bei IBM führend mitgewirkt hat. Die Miniaturisierungen sind enorm. So drückt etwa die Siliziumnadel Vertiefungen mit einem Durchmesser von gerade mal zehn Nanometern in den Polymerfilm. Im Prototyp dieses "Tausendfüßler" (Millipede) genannten Speichers arbeiten mehr als 1000 Nadeln, die an V-förmige Federzungen befestigt sind. Elektromagnetisch gesteuert und effektiv gegen Erschütterungen gedämpft, schmelzen die auf 400 Grad Celsius aufgeheizten Nadeln kleine Löcher in die Polymerschicht. Ausgelesen werden die Informationen danach bei Normaltemperatur. Selbst eine Wiederbeschreibung des Datenträgers ist möglich. Die Technologie, die ein wenig an die Ursprünge des Computers mit Lochkarten als Speichermedium erinnert, hat auch dessen Nachteile übernommen. Das System arbeitet mit einer Schreib- und Lesegeschwindigkeit von derzeit erst einigen Kilobits pro Sekunde und Nadelspitze. Allerdings ist man in Rüschlikon optimistisch, dass der "Tausendfüßler" schon bald sehr viel schneller laufen wird. Anwendungsmöglichkeiten gibt es viele. Vor allem in kleinen mobilen Geräten wie Handys oder PDAs könnte mit der Stanztechnologie eine enorme Speicherkapazität erreicht werden.
Nächste Meldung: Spritzgießen mit Wasserinjektionen
Diesen
Artikel als E-Mail verschicken
|