|
20. Februar 2003
Neue Energie aus alten Knochen
(he) Steigende Sprit- und Ölpreise machen vielen Bürgern in diesen Tagen zu schaffen. Nun haben Forscher eine neue Energiequelle entdeckt: Diesel vom Abdecker. Forscher der Fachhochschule Gießen-Friedberg ist es nun gelungen, aus Tiermehl und Klärschlamm Rohöl und Aktivkohle herzustellen.
Als Verfahren wendet sie dabei Erhitzen unter Ausschluss von Sauerstoff an. Aus einer Tonne Tiermehl oder einer Tonne Klärschlamm werden auf diesem Weg ca. 250 Liter Rohöl. Die Entwicklung kommt zur richtigen Zeit. Tiermehl darf wegen BSE nicht mehr verfüttert werden. Für Klärschlamm gilt ab 2005 ein Verbot der Ablagerung auf Deponien. Dipl.-Ing. Sebastian Bojanowski vom Gießener FH-Labor für Entsorgungstechnik kennt die Zahlen: "In Deutschland fallen pro Jahr eine Million Tonnen Tiermehl und ca. drei Millionen Tonnen kommunaler Klärschlamm als Feststoffe an. In der EU sind es drei Millionen Tonnen Tiermehl und sieben Millionen Tonnen Klärschlamm." "Mit diesen kostenpflichtigen Abfallstoffen lässt sich ein neuer Energiemarkt entwickeln," meint Walter Grimmel, Chef der Firma "Werkstoff und Funktion" in Ober-Mörlen. Zusammen mit der Fachhochschule will der Fachbetrieb für Wasser- und Abwassertechnik in einem Forschungs- und Entwicklungsprojekt den Bau einer Pilotanlage vorantreiben. Damit soll die Praxistauglichkeit der Umwandlung von Tiermehl und Klärschlamm in Rohöl demonstriert werden. Bereits im März 2003 wird der Versuchsreaktor an der Kläranlage im bayerischen Füssen errichtet. Dort soll solargetrockneter Klärschlamm in Rohöl umgewandelt werden. Klärschlamm besteht überwiegend aus Bakterien, welche die Schmutzstoffe des Abwassers in Biomasse umwandeln. So wird letztlich aus den Schmutzstoffen des Abwassers neue Energie in Form von Rohöl und Kohle gewonnen. Die Versuche mit Tiermehl werden bei einer hessischen Tierkörperverwertungsanlage durchgeführt. Das Projekt hat auch eine internationale Dimension. Das FH-Team kooperiert mit zwei Universitäten in Brasilien. Dort werden organische Rückstände aus der Reisernte mit dem Gießener Verfahren in Rohöl und hochreine medizinische Aktivkohle umgesetzt.
Nächste Meldung: Kunststoffe mit Ordnungssinn
Diesen
Artikel als E-Mail verschicken
|