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Das innovative Unternehmen

  
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Hrsg.: Barske, Gerybadze, 
Hünninghausen, Sommerlatte
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26. Juni 2003

Fest oder flüssig auf Befehl

(he) Smarte Flüssigkeiten haben eine besondere Eigenschaft: Sie werden beim Anlegen von elektrischer Spannung oder Magnetfeldern innerhalb von Sekundenbruchteilen fest. Das macht sie für zahlreiche Anwendungen interessant, wie etwa verschleißarme Bremsen, leistungsfähige hydraulische Anlagen oder haptische Displays.

Ein Knopfdruck genügt - und die gerade noch flüssige, milchig weiße Suspension ist fest und zäh wie Gelee. Möglich machen das elektrorheologische Flüssigkeiten (ERF). "Die Elektrofluide verändern ihr Fließverhalten, wenn Spannung angelegt wird", erklärt Dr. Holger Böse vom Fraunhofer-Institut für Silicatforschung ISC in Würzburg. Bekannt ist der Effekt bereits seit mehr als 50 Jahren. Doch erst jetzt steht die Technologie an der Schwelle zur Anwendung.

Der verblüffende Effekt ist leicht zu erklären: In einer hochisolierenden Flüssigkeit - wie etwa Silicon- oder Mineralöl - sind Milliarden von elektrisch polarisierbaren Teilchen gleichmäßig verteilt. Das ändert sich, sobald Spannung anliegt. In einem elektrischen Feld bilden die Partikel Dipole mit Plus- und Minus-Ladungen und verbinden sich zu langen Ketten. Die Flüssigkeit zwischen den Elektroden wird innerhalb von Millisekunden fest. Ähnlich funktionieren auch die magnetorheologischen Flüssigkeiten (MRF).

"Zur Zeit sind die MRF in der Anwendung weiter als ihre elektrorheologischen Schwestern", beschreibt Böse den Stand der Entwicklung. Die amerikanische Firma Lord bietet bereits erste Produkte an, die mit MRF arbeiten. Die smarten Flüssigkeiten dämpfen Fahrersitze in LKW oder dienen als Bremsen in Fitnessgeräten. Seit vorigem Jahr setzt General Motors sie sogar in Stoßdämpfern von Autos ein. In Deutschland arbeitet das ISC mit Partnern an einem adaptiven Motorlager, das den Fahrkomfort mithilfe von MRF erhöht.

Damit sind die Einsatzmöglichkeiten der magneto- und elektrorheologischen Flüssigkeiten bei weitem noch nicht erschöpft. Die smarten Flüssigkeiten lassen sich für zahlreiche neue Aktoren nutzen - etwa für adaptive Dämpfungssysteme in der Verkehrstechnik, im Maschinenbau oder für haptische Aktoren. Sie sind elektrisch steuerbar und stufenlos zu verstellen. Interessant sind die smarten Flüssigkeiten auch für hydraulische Anlagen. Sie können die verschleißanfälligen, mechanischen Ventile ersetzen. Bei elektrorheologischen Verfahren ist die Flüssigkeit selbst das Ventil. Wird Spannung angelegt, verstopft sie wie ein Pfropf - und das bis zu 500 Mal pro Sekunde.

Wie die smarten Flüssigkeiten funktionieren, zeigen die ISC-Forscher auf dem Ausstellungsschiff MS Chemie, das ab dem 9. Juli an aus Anlass des Jahres der Chemie auf dem Rhein unterwegs ist.

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