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- Leseprobe -
Innovationen im
Produktionsprozeß
von Christoph Maier-Rothe
Stichworte: Hauptmerkmale von Exzellenz in der Produktion:
Produktionsstrategie,
Kundenorientierung,
Kostenführerschaft, Kontinuierliche
Verbesserung und systematisches Lernen, Wege zu nachhaltiger
Exzellenz: Aktualisierung
der Produktionsstrategie, Sinnvolle Meßgrößen,
Reengineering der
Leistungsprozesse, Benchmarking, Systematisches Lernen,
Praktische Empfehlungen,
Zusammenfassung.
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In
diesem Beitrag erfahren Sie:
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welche Voraussetzungen geschaffen werden müssen, um
Exzellenz im Produktionsprozeß zu erreichen,
-
welche Vorteile lernende Organisationen dabei haben und wie
man Anreize für systematisches Lernen schafft,
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welche Bedingungen für eine Kostenführerschaft erfüllt
sein müssen,
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in welchen Zeitabständen Produktionsstrategien aktualisiert
werden sollten,
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welche Verhaltensregeln ein erfolgreiches Reengineering der
Leistungsprozesse begünstigen,
-
wie ein Vergleich mit den Besten zur Optimierung des
Produktionsprozesses führt.
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Um Exzellenz im Produktionsprozeß zu erreichen, müssen zunächst einmal
Entwicklung, Produktion und Marketing an einem Strang ziehen. Zudem ist es
unerläßlich,
daß jede operative Einheit über ein klares Verständnis ihrer Rolle und ihrer Ziele im
Netzwerk verfügt. Dies wiederum erreicht man nur über transparente
Kommunikationsstrukturen und durch eine klare Orientierung am Kunden. Christoph
Maier-Rothe benennt in seinem Beitrag anhand zahlreicher Beispiele die vielfältigen
Faktoren, die einen Produktionsprozeß bestimmen, und zeigt praktische Schritte zu einem
effektiven Reengineering der Leistungsprozesse auf.
Wie erreicht man Exzellenz in der
Produktion?
Eine innovative und erfolgreiche Produktentwicklung ist in vielen Branchen auf eine
simultane Entwicklung der dazugehörigen Fertigungsprozesse (Simultaneous Engineering)
angewiesen. Dies ist leichter zu bewerkstelligen, wenn die Produktion und das
entsprechende Prozeß-Know-how im eigenen Hause zur Verfügung stehen.
Es ist
offensichtlich, daß es hierbei um eine ganzheitlich ausgerichtete und längerfristig
orientierte Strategie geht und nicht um kurzfristige Maßnahmen. Der Planungshorizont
größerer Investitionen in Fertigungstechnologie liegt manchmal weiter in der Zukunft als
die zugrundeliegenden Marketingüberlegungen. Solche Investitionen amortisieren sich oft
erst nach mehr als fünf Jahren. Weiterhin brauchen der Aufbau und die Pflege von
speziellen, nicht so ohne weiteres nachahmbaren Fähigkeiten durchaus Zeit.
Was ist dabei der Schlüssel zum Erfolg, und was ist zu tun? Die Beantwortung der drei
folgenden Fragen sollte weiterhelfen:
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Welches sind die wesentlichen Merkmale von Exzellenz in der Produktion?
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Wie können wir Exzellenz in der Produktion erreichen und weiterentwickeln?
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Womit sollen wir beginnen?

Abb. 1: Die vier Hauptmerkmale von Exzellenz in der
Produktion
Die Hauptmerkmale
Woran kann man erkennen, ob eine Produktion die Unternehmensstrategie in jeder
Hinsicht optimal unterstützt und sogar verstärkt und somit die besten Voraussetzungen
für Innovation bietet? Abbildung 1 zeigt die vier Hauptmerkmale, die Exzellenz in der
Produktion ausmachen und die im folgenden näher erläutert sind.
Effektive
Produktionsstrategie
Eine effektive Produktionsstrategie bringt die Ambitionen und Handlungen des
Produktionsmanagements in Einklang mit den übergeordneten Geschäftsstrategien des
Unternehmens. Dazu müssen drei Voraussetzungen erfüllt sein, die im folgenden kurz
erläutert sind.
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Beispiel:
Applied Materials; Braun; Seagate Technology
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Abbildung 2 zeigt hierzu
zwei positive und ein eher negatives Beispiel. Applied Materials hat es verstanden,
sich weltweit einen Spitzenplatz in der Ausrüstung von Halbleiterherstellern zu erobern.
Das US-basierte Unternehmen hat vor einigen Jahren ein Ingenieurzentrum in Japan
errichtet, um sich an den Anforderungen des wohl anspruchsvollsten Marktes der Welt zu
messen. Die besondere Fähigkeit ist die extrem schnelle Entwicklung und Markteinführung
von innovativen, technologisch führenden Maschinen. Ein weiteres Beispiel ist das
Unternehmen Braun, der Marktführer für elektrische Rasierapparate.
Schlüsselkomponenten der Elektrorasierer werden mit eigenentwickelten Prozessen und
Produktionsanlagen hergestellt. Diese Fähigkeiten ermöglichen nicht nur
Kostenführerschaft, sondern auch schwer nachahmbare Produktinnovationen. Ein zumindest in der Vergangenheit eher negatives Beispiel ist das
Unternehmen Seagate Technology, das sich unter dem permanent zunehmenden
Kostendruck und in Ermangelung einer besseren Produktionsstrategie gezwungen sah, die
Produktion sukzessiv in Regionen mit immer weiter abnehmenden Arbeitskosten zu verlagern.
Kurzfristigen Erfolgen an der Kostenfront standen längerfristig wirkende Verluste bei
Innovation und Produktqualität gegenüber. |
Ausgeprägte
Kundenorientierung
Eine stark ausgeprägte Kundenorientierung in der gesamten Produktionsorganisation ist der
beste Leitfaden, um Prioritäten zu setzen.
An erster Stelle steht die Fähigkeit, Kundenbedürfnisse zu verstehen, zu schätzen
und sogar vorherzusehen und diese letztlich in Produkte und Dienstleistungen zu
übersetzen. Dies ist in erster Linie die Aufgabe von Marketing und Produktentwicklung.
Doch die Produktion muß daran teilhaben und zumindest im Rahmen von Simultaneous
Engineering an dem Prozeß der Ideenfindung und Produktentwicklung mitwirken.
Dem Kunden sollen Produkte und Dienstleistungen angeboten werden, die ihm helfen, sein
eigenes Geschäft in der bestmöglichen Art und Weise zu betreiben. Dies beinhaltet:
-
Die richtigen Spezifikationen, eine gleichbleibend hohe Qualität (möglichst 0 ppm
Fehler) zu einem fairen Preis
-
Den besten Kundenservice in bezug auf Lieferzeit, Zuverlässigkeit und Qualität des
gesamten Liefer- und Leistungspakets
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Beispiel:
SEW Eurodrive; Dell Computer Corporation
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Die SEW Eurodrive
liefert eine breite Palette von Antrieben für die verschiedenartig-sten Anwendungen im
Maschinenbau, in der Fördertechnik und in vielen anderen Branchen. In diesem Geschäft
waren Lieferzeiten von sechs Wochen und mehr für kundenauftragsspezifische
Konfigurationen durchaus üblich. Dies verursachte immer wieder Probleme bei den Kunden,
die die benötigten Antriebe zu spät spezifizierten und bestellten. Die drastische
Verkürzung der Lieferzeit auf 48 Stunden löste die Probleme der Kunden. Sie konnte durch
einen modularen Aufbau der Produkte, eine kundenauftragsneutrale Vorfertigung von
einzelnen Modulen in hohen Stückzahlen und eine kundenauftragsspezifische Montage nahe
beim Kunden innerhalb von ein bis zwei Tagen erreicht werden. Damit war die Basis für ein
längerfristiges und erfolgreiches Wachstum des Unternehmens geschaffen. Ein anderes, bekanntes Beispiel ist die
Dell Computer Corporation.
Der Schlüssel hier war die kundenauftragsspezifische Montage und direkte Belieferung von
Endkunden mit PCs innerhalb von fünf Tagen in den USA (acht Tagen in Europa). Die
Vorteile dieses Geschäftsmodells liegen auf der Hand. Der Markterfolg ist an dem deutlich
schnelleren Wachstum als bei Compaq abzulesen. Trotz der noch bestehenden
Größennachteile gegenüber Compaq ist die Umsatzrendite bei der Dell Computer
Corporation ungefähr genauso hoch. |
Obwohl es letztlich um die externen Kunden geht, sollte die Produktion das Marketing
und den Verkauf als interne Kunden betrachten. Weder bei externen noch bei internen Kunden
geht es darum, deren Anforderungen blindgläubig zu erfüllen, sondern in enger und
vertrauensvoller Zusammenarbeit die beste Lösung für beide Partner zu finden.
Kostenführerschaft
Kostenführerschaft ist grundsätzlich immer ein höchst erstrebenswerter
Wettbewerbsvorteil. Die Kostenführerschaft in der Produktion erfordert immer wieder
Innovationen in Verfahren und Organisation der Produktion. Daß dies eben nicht nur die
technischen, sondern auch die organisatorischen Aspekte der Produktion betrifft, haben die
Japaner dem Rest der Welt in den 80er Jahren mit Just-in-time, Kanban, Kaizen und
ähnlichen Methoden deutlich gezeigt. Die drei wichtigsten Voraussetzungen für
Kostenführerschaft sind im folgenden kurz skizziert:
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Design to cost, Standardisierung der eingesetzten Materialien, Teile und
Komponenten;
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strategische Partnerschaften mit ausgewählten Lieferanten, um Qualitäts- und
Kostenziele in enger Zusammenarbeit gemeinsam zu verfolgen;
-
Globalisierung der Beschaffung.
-
Herstellungsgerechte Konstruktion der Produkte durch simultane Produkt- und
Prozeßentwicklung;
-
Konzentration auf Kernkompetenzen und optimierte
Make-or-buy-Politik;
-
Ausschöpfung von Kostendegression durch hohe Stückzahlen und entsprechende Gestaltung
der Produktionsprozesse;
-
maximalen Ausstoß von Kapazitätseinheit pro Zeiteinheit;
-
Höchstmögliche Ausbeutung, Vermeidung jeglichen Ausschusses und entsprechender
Nacharbeiten.
-
Eliminierung des nicht notwendigen Betriebsvermögens, Auslagerung von Sachanlagen, die
nicht für die Kernkompetenzen erforderlich sind;
-
intelligente Investitionen in Produktionsanlagen, Gebäude und weitere Einrichtungen:
Konzentration auf das wesentliche, Verzicht auf over engineering;
-
Reduzierung von Forderungen und Beständen auf das notwendige Maß.
Kontinuierliche Verbesserung und systematisches Lernen
Innovation erfolgt nicht nur in großen Sprüngen und langfristig orientierten Strategien,
sondern ebenso in vielen kleinen Schritten, in der täglichen Suche nach Verbesserungen
und deren Umsetzung. Es geht darum, die Lernkurve schneller nach unten zu durchlaufen und
sich Vorteile in bezug auf Zeit, Qualität und Kosten der Produkte zu erarbeiten. Dazu
dient die kontinuierliche Verbesserung von Prozessen wie der Produktentwicklung, der
Überführung in die Produktion, der eigentlichen Fertigungsprozesse et cetera durch die
verschiedensten Programme. Hierzu zählen zum Beispiel Total Quality Management, 6 Sigma
(Prozeßsicherheit höher als 3,4 Fehler pro Million) und Total Productive
Maintenance.

Abb. 4: Kostenführerschaft in der Produktion von
Standardprodukten
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Beispiel:
Unternehmen aus der Zellstoff- und Papierproduktion
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Abbildung 4 zeigt ein
Beispiel für die Bewertung alternativer Strategien zur Erreichung der Kostenführerschaft
in der Produktion von Standardprodukten. In diesem Fall handelt es sich um graphische
Papiere. Das betreffende Unternehmen produzierte an zwei Standorten in zwei Ländern in
Zentraleuropa, jeweils mit einer integrierten Zellstoff- und Papierfabrik. Die jeweilige
Rohstoffbasis und die Größe der Zellstoffproduktion waren jedoch keine tragfähige Basis
für eine längerfristige Entwicklung des Unternehmens. Um die Kostenführerschaft zu erreichen und längerfristig abzusichern,
sollte eine große, integrierte Zellstoff- und Papierfabrik an einem Standort mit
optimaler Rohstoffversorgung geschaffen werden. Eine größere Zahl von bestehenden
Zellstoffabriken in Europa wurde auf ihre Kostenstruktur und Eignung für eine Akquisition
und für den Ausbau zu der gewünschten Anlage untersucht. Die Absicht war, die zu
akquirierende Zellstoffabrik aufzurüsten und dazu eine neue Papierfabrik mit zwei
Papiermaschinen mit einer Gesamtkapazität von knapp 500.000 Tonnen pro Jahr zu erstellen.
Je nach vorhandener Struktur, geschätzten Rohstoffkosten und Preisen für Marktzellstoff
und Papier ergeben sich pro Standort unterschiedliche Ergebnisse vor und nach
Kapitalkosten (siehe Abbildung 4). Die extrem hohen Kapitalkosten verdeutlichen die
Tragweite der Investitionsentscheidung.
Jeder der ersten vier in der Rangfolge der alternativen
Standorte erfüllte die Voraussetzungen für Kostenführerschaft. Das Unternehmen
entschied sich für einen der vier und leitete die Akquisition ein.
Die Strategie zur Erringung der Kostenführerschaft in der
Produktion von graphischen Papieren war zwar erfolgreich, wurde aber letztlich von
skandinavischen Konzernen durchkreuzt, von denen einer das Unternehmen schließlich
übernahm. |
Wege zu nachhaltiger
Exzellenz in der Produktion
Es gibt kein Rezept, dessen Anwendung automatisch zum Ziel führt. Es gibt aber
Strategien, die ein Unternehmen auf dem Weg zu mehr Innovation und zu Exzellenz in der
Produktion deutlich voranbringen:
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Die Produktionsstrategie mindestens einmal pro Jahr aktualisieren
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Diejenigen Leistungsparameter und Kosten verstehen, messen und kommunizieren, auf die es
wirklich ankommt
-
Die kritischen Leistungsprozesse der Produktion optimieren und gegebenenfalls einem
»Redesign/Rethink« unterziehen
-
Vergleiche der eigenen Produktion mit führenden Unternehmen
(Benchmarking)
-
Schneller als die Wettbewerber lernen
Aktualisierung
der Produktionsstrategie
In Branchen mit
extrem kurzen Innovationszyklen _ wie zum Beispiel in der Mikroelektronik, der
Unterhaltungselektronik, Computerperipherie und ähnlichen Industriezweigen _ kann es
jedoch durchaus notwendig sein, die Produktionsstrategie schneller als einmal im Jahr an
die übergeordnete Geschäftsstrategie und andere externe Einflüsse anzupassen.
Sinnvolle
Meßgrößen
Es ist eine Binsenweisheit, daß Management und Mitarbeiter hauptsächlich auf die
Faktoren achten, die gemessen werden und an denen sie gemessen werden. Dabei geht es um
sinnvolle
Meßgrößen, die im Vorfeld die Leistungsfähigkeit einer Produktion im Verhältnis
zu den resultierenden Stückkosten oder Gesamtkosten charakterisieren. Abbildung 5 zeigt
elf ausgewählte Meßgrößen, die von der überwiegenden Mehrzahl der am besten
geführten Unternehmen verwendet wird.
Reengineering
der Leistungsprozesse
Die Optimierung beziehungsweise das Reengineering der kritischen Leistungsprozesse
ist der eigentliche Kern von Innovation und Exzellenz in der Produktion. Hier sind die
wichtigsten Strategien und Verhaltensregeln für ein erfolgreiches Reengineering der
Prozesse:
-
Akquisition, Training und Motivation des direkten und indirekten Personals und
Managements;
-
Auswahl, Entwicklung und Management von Zulieferern;
-
die simultane Entwicklung und Verbesserung von Produkten und Produktionsverfahren;
-
die Spezifizierung, Akquisition, Installation und Instandhaltung von Anlagen und
Maschinen;
-
effektives Management der gesamten Logistikkette.
-
Ein simultanes Top-down-Vorgehen (Ziele) und Bottom-up-Vorgehen (Lösungen) mit aktiver
Einbindung der Beteiligten in multidisziplinären Teams;
-
gleichzeitiges Adressieren von Durchlaufzeiten, Kosten- und Qualitätsproblemen;
-
Vorgehen von außen nach innen, beginnend vom jeweiligen Kunden (extern aber auch
intern);
-
kein Stop an den Werkstoren, sondern Einbezug von Kunden und Lieferanten;
-
effektive, das heißt häufige und redundante Kommunikation (was von Führungskräften
oft unterschätzt wird).

Abb. 5: Konzentration auf ausgewählte Meßgrößen und effektive
Kommunikation

Abb. 6: Reorganisation der Produktion

Abb. 7: Deutliche Verbesserung durch Reengineering der Prozesse
Benchmarking
Benchmarking (siehe dazu auch Kap. 03.05) hat sich in den letzten
Jahren als eine sehr nützliche Methode etabliert, um aus dem Vergleich mit führenden
Unternehmen Verbesserungspotentiale im eigenen Unternehmen zu identifizieren und
entsprechende Lösungen zu übertragen. Die Methode dient dazu, Lücken in der Performance
zu schließen, und kann gelegentlich auch zu innovativen Lösungen führen. Aus der
Kombination von best practices aus verschiedenen Teilprozessen und verschiedenen Quellen
lassen sich insgesamt neue Lösungen erarbeiten.
Hier sind einige nützliche Regeln für das Vorgehen beim Benchmarking:
-
Ausgewählte Leistungsparameter wie zum Beispiel die Verfügbarkeit von Anlagen,
Instandhaltungskosten, Durchlaufzeiten, personelle Besetzung, Bestände et cetera
-
oder die Gestaltung ausgewählter Prozesse wie zum Beispiel das Lieferantenmanagement,
die Einführung neuer Produkte und Prozesse, die Bearbeitung von Kundenreklamationen et
cetera
-
Den besten Partner für das Benchmarking identifizieren, nicht notwendigerweise in der
eigenen Branche;
-
den ausgewählten Partner möglichst für ein offenes Benchmarking gewinnen: Dazu muß
man dem Partner ein Angebot machen, aus dem er selbst auch einen Nutzen ziehen kann;
-
Durchführung des Austauschs von Information und Daten und deren Bewertung ohne jegliche
Vorurteile.
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Beispiel:
Unternehmen aus der chemischen Industrie
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Abbildungen 6 und 7 zeigen
ein Beispiel für ein erfolgreiches Reengineering der Produktion in der chemischen
Industrie (Konsumgüter). Es handelt sich um das größte von mehreren Werken in einem
europäischen Netz, das angesichts effizienterer, kleinerer und schlagkräftiger Einheiten
im eigenen Unternehmen zunehmend unter Druck geriet. Die bestehende Organisation war durch
stark ausgeprägtes Bereichsdenken und durch hohe Kosten der technischen Funktionen
gekennzeichnet.
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Insbesondere der letzte Punkt ist von besonderer Bedeutung. Wenn das Management nur
sich selbst beweisen will, ist es nicht aufnahmefähig und wird demnach keinen Nutzen aus
dem Benchmarking ziehen können.
Ein offenes Benchmarking ist einem anonymen Benchmarking in jedem Fall vorzuziehen.
Falls konkrete Leistungs- und Kostendaten aus Vertraulichkeitsgründen nicht ausgetauscht
werden können, ist immer noch ein offener Vergleich ausgewählter Leistungsprozesse
nützlicher als ein anonymes Benchmarking mit schwer nachvollziehbaren Leistungs- und
Kostendaten.
Praktische Empfehlungen
für die ersten Schritte
Jedes Unternehmen hat eine andere Ausgangssituation. Deshalb gibt es kein allgemein
gültiges Rezept für die Umsetzung der aufgezeigten Strategien, die zu Exzellenz und
Innovation in der Produktion führen. Bei jedem Vorhaben muß man aber darauf achten, daß
einerseits klare, langfristig ausgerichtete Vorstellungen konsequent verfolgt werden,
andererseits der Weg aber in kleinen, überschaubaren Schritten begangen wird, um
zwischenzeitliche Erfolge für die Motivation des weiteren Vorgehens nutzen zu können.
Die folgenden drei Maßnahmen sollten in jedem Fall durchlaufen werden, bevor weitere
Programme in Angriff genommen werden:
-
ein erstes internes und/oder externes Benchmarking durchführen,
-
ein bereichsübergreifendes, internationales Team zusammenstellen und mit diesem Team
eine Vision für die Produktion erstellen,
-
klare Prioritäten für einzelne Programme setzen.
Die drei Empfehlungen sind im folgenden kurz erläutert.
Erstes
Benchmarking durchführen
Über den Nutzen und die Grenzen von Benchmarking haben wir bereits berichtet.
Benchmarks sind natürlich wichtige Inputs bei der Erstellung der Vision für die
Produktion. Falls das Unternehmen auf diesem Gebiet noch keine Übung hat, dann ist dies
sicher einer der nützlichsten ersten Schritte auf dem Weg zu einer lernenden Organisation
und somit zu einer innovativen und exzellenten Produktion.
Benchmarking muß richtig durchgeführt werden, um unerwünschte Nebeneffekte zu
vermeiden. Ein relativ oberflächliches Top-down-Benchmarking ohne abgesicherte
Vergleichsbasis wird zwar gelegentlich von der Führungsspitze als Druckmittel geschätzt,
löst aber bei den Betroffenen immer Unverständnis und Abwehrreaktionen aus. Damit ist
dann nichts gewonnen. Deshalb soll ein Benchmarking sorgfältig vorbereitet werden.
Abbildung 9 zeigt, wie man dabei am besten vorgeht.
Vision erarbeiten
Die Qualität der Ergebnisse hängt vollkommen von den ausgewählten Personen ab, die das
bereichsübergreifende, internationale Team bilden. Deshalb erfordert die Auswahl der
Personen größte Sorgfalt und entsprechende Zeit. Folgende Kriterien dienen als
Leitlinie:
-
Gefragt sind Führungseigenschaften, technische Kompetenz und eine positive,
optimistische Grundeinstellung.
-
Um einen gesamtheitlichen Ansatz zu erzielen, müssen die unterschiedlichen Funktionen
und Fähigkeiten repräsentiert sein: direkte Produktion, Fertigungsplanung und
-vorbereitung, Ingenieurwesen und Instandhaltung, Materialwirtschaft, Qualitätswesen et
cetera.
-
Das Team sollte möglichst international zusammengestellt werden.
-
Die erforderlichen Inputs von Marketing und Kundenservice müssen in das Team
eingebracht werden. Zu bestimmten Themen sollten Lieferanten und Kunden hinzugezogen
werden.
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Beispiel:
DJC Electrical Connectors
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Der Markt für elektrische
Verbindungselemente wurde weitgehend von US-amerikanischen Unternehmen beherrscht. Der
japanische Wettbewerber DJC hatte Kostennachteile und konnte bisher nur in Japan eine gute
Marktposition erreichen. Um internationale Märkte zu erobern, erarbeitete und realisierte
DJC eine Vision für eine radikal neue Fabrik in Kawasaki. Diese Produktion sollte
dauerhafte Kostenvorteile sichern. Die wichtigsten Eckpunkte waren:
-
Nähe zu großen industriellen Kunden und Vorlieferanten;
-
extrem hohe Automatisierung, Produktion rund um die Uhr,
basierend auf dem Konzept von Fertigungszellen;
-
Ausrichtung auf ein Volumen von 800 Mio. Stück pro Jahr;
-
100 Prozent Auslastung der technischen Kapazitäten;
-
eine Ausbeute von 99 Prozent, bezogen auf den Einsatz von
Rohmaterial;
-
eine Rate von weniger als 1 ppm für Kundenreklamationen.
Diese Eckdaten stellten einen gewaltigen Sprung gegenüber
den bisher gewohnten Leistungsparametern dar. Das Unternehmen realisierte fast alle
Eckpunkte mit der neuen Fabrik und eroberte erfolgreich internationale Märkte. Dazu
bedurfte es einer zukunftsorientierten Vision, ein Fortschreiben bisheriger Strategien
hätte niemals zu diesem Ergebnis geführt |
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Beispiel:
Volkswagen AG - Fabrik für leichte Nutzfahrzeuge
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Der umstrittene, ehemalige
Vorstand Lopez de Ariortua der Volkswagen AG hatte seit langem eine Vision, nämlich das
Extrem der lean production für die Herstellung von Fahrzeugen. Die Vision wurde in
einer neuen Fabrik für leichte Nutzfahrzeuge in Brasilien realisiert. Das sogenannte
consorcio
modular stellt ein Konsortium von Zulieferern dar, die im Auftrag von Volkswagen alle
Hauptkomponenten des Fahrzeugs entwickeln, produzieren und überwiegend selbst an der
Montagelinie einbauen. Damit ist die eigene Fertigungstiefe des Herstellers auf ein
Minimum reduziert, der Hersteller wird zum Systemintegrator. Die wesentlichen Vorteile
für den Fahrzeughersteller sind:
-
deutlich verkürzte Produktentwicklungszyklen;
-
die Verteilung der Geschäftsrisiken auf die Zulieferer;
-
deutlich niedrigere Investition in Sachanlagen;
-
wesentlich niedrigere Bestände;
-
nur noch 300 anstelle von 1.500 Beschäftigte, die nach dem
bisher üblichen Verfahren notwendig gewesen wären.
Die neue Fabrik ist vor einiger Zeit erfolgreich
angelaufen. Ob sich das Konzept auf Dauer bewährt, muß sich erst noch zeigen. |
Handlungsbedarf erkennen und Prioritäten setzen
Die Erfahrungen und Studien zum Thema Change Management zeigen überaus deutlich, daß
Führungskräfte und Mitarbeiter insbesondere in internationalen, multidivisionalen
Unternehmen unter einer Überlastung mit Projekten leiden. In dem Bestreben, neue Gedanken
und Initiativen aufzugreifen oder sich auf neue Herausforderungen einzustellen, startet
die Führungsspitze typischerweise eine Fülle von neuen Programmen etwa unter den
Überschriften Kundenorientierung, Total Quality Management, kontinuierliche
Verbesserungsprogramme, Total Productive Maintenance. Oft haben die
verschiedenen Initiativen ihren Ursprung in unterschiedlichen Vorstandsressorts und sind
nicht miteinander abgestimmt. Die besten Führungskräfte werden von verschiedenen Seiten
mit immer neuen Initiativen beauftragt. Es fehlen klare Prioritäten, manche Programme
verkommen zu Lippenbekenntnissen, und Frustration macht sich breit.
In diesem Zusammenhang ist der Nutzen einer konkreten, gemeinsam getragenen Vision
schnell erkennbar. Aus dem Vergleich der Ausgangssituation und der Vision läßt
sich erkennen, in welchen Bereichen der Handlungsbedarf am größten ist. Es ist dann
nicht mehr so schwierig, Prioritäten für einzelne Strategien zu setzen. Erst gemeinsam
getragene Visionen und Strategien schaffen die Voraussetzung für ein Empowerment,
das heißt Dezentralisierung von Entscheidungen möglichst nahe an der operativen Basis.
Die Konzentration auf das wesentliche gelingt in der Produktion genauso wie in anderen
Bereichen, und die Überfrachtung mit konkurrierenden Programmen kann vermieden werden.
Zusammenfassung
Der Produktion kommt eine strategische Hebelwirkung bei der Umsetzung der
Unternehmensvision zu. Eine effektive Produktionsstrategie bringt Ambitionen und
Handlungen des Produktionsmanagements in Einklang mit übergeordneten
Geschäftsstrategien. Dazu ist allerdings eine gute Koordination aller Prozesse
einschließlich der dazugehörigen Kommunikationsstrukturen erforderlich. Jede
operative Einheit eines Unternehmens sollte sich - insbesondere in einem internationalen
Netzwerk - ihrer Rolle klar bewußt sein (Art der Produkte, Kundenpräferenzen,
Kernkomompetenzen). Eine Reduzierung der Fertigungstiefe sowie eine effektivere Nutzung
der leistungsfähigen Zulieferer ist dann nicht selten die Folge. Eine stark ausgeprägte
Kundenorientierung
in der gesamten Produktionsorganisation sollte als Leitfaden dienen, um Prioritäten zu
setzen. Kostenführerschaft verlangt permanente Innovationen in
Produktionsverfahren und -organisation. Ein effektives Beschaffungsmanagement, eine hohe
Gesamtproduktivität sowie eine Konzentration des eingesetzten Kapitals sind hierfür die
Voraussetzungen. Nur lernende Organisationen können auf die Dauer einen hohen Grad an
Innovation aufrecht erhalten. Ein Prozeß der kleinen Schritte, der kontinuierlichen
Verbesserungen, ermöglicht, Best Practices innerhalb und außerhalb des Unternehmens
schnell zu identifizieren und unternehmensweit einzusetzen. Zur Erreichung nachhaltiger
Exzellenz in der Produktion muß zunächst die Produktionsstrategie mindestens einmal
pro Jahr aktualisiert werden. Es gehört außerdem dazu, daß man die entscheidenden
Leistungsparameter und Kosten versteht, mißt und kommuniziert. Die kritischen
Leistungsprozesse der Produktion sind kontinuierlich zu optimieren und gegebenenfalls
einem Redesign zu unterziehen. Auch erweist es sich als lehrreich, die eigene Produktion
einem Vergleich mit der führender Unternehmen zu unterziehen.
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