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14.07

Innovation Market: Ein Angebot der deutschen Börse AG und Verwertung von Innovation (Leseprobe)
von Thomas Einsporn

Stichworte: Risiko- und Wagniskapital in Deutschland § vorhandenes Innovationspotenzial aus Patenten § Ziele des Innovation Market § Qualitätsstandards, Summaries, Dossiers § Innovation Market Regeln § Beispiele § Zusammenfassung.

In diesem Beitrag erfahren Sie:
  • welche Ziele der Innovation Market verfolgt und wie er funktioniert,
  • wie Struktur und Inhalt von Summaries und Dossiers aussehen sollten und welche Qualitätsstandards gelten,
  • wie Patenthalter und junge technologieorientierte Unternehmen die ideale Plattform für die Kontaktaufnahme zu Investoren nutzen können - und umgekehrt.

Eine Erfindung wirtschaftlich erfolgreich am Markt umzusetzen, ist in der Regel nur mit hohem Kapitalaufwand möglich. Zwar steht für die Verwertung von aussichtsreichen neuen Produkten, Verfahren und Dienstleistungen in Deutschland heute genügend Venture Capital zur Verfügung, jedoch stellt sich nach wie vor die Frage, wie der Kontakt zwischen Erfindern und Kapitalgebern hergestellt werden kann. Um diese Kontaktanbahnung auf professionelle Weise zu managen, bietet die Deutsche Börse AG und Kreditanstalt für Wiederaufbau den Innovation Market als Handelsplatz an. Im Rahmen der bundesweiten Initiative zur »Innovationsstimulierung der deutschen Wirtschaft INSTI« werden unter verschiedenen Kategorien qualitativ hochwertige und von Fachleuten auf ihre Vermarktungschancen geprüfte Angebote als Internet-Dienst angeboten.
  

Risiko- und Wagniskapital in Deutschland

Die Bundesrepublik Deutschland kann ihre internationale Wettbewerbssituation nur sichern und verbessern, wenn weltmarktfähige Innovationen entstehen. Häufig scheitert aber die Umsetzung von erfolgsträchtigen Ideen an den nötigen Finanzmitteln der (Jung-) Unternehmer. Gerade die Schaffung neuer Arbeitsplätze, wie zum Beispiel bei High-Tech-Industrien und Dienstleistungen, wird durch fehlendes Eigenkapital erschwert, obwohl sich hier besonders große Chancen auftun. Damit gute Ideen nicht am Geld scheitern, haben sich in vielen Ländern Beteiligungsgesellschaften gegründet, die die neuen und expandierenden Firmen finanziell mit sogenanntem Venture Capital (Risiko- oder Wagniskapital) unterstützen (siehe Kapitel 14.01, 14.06). Darunter ist Eigenkapital zu verstehen, das aufstrebende Unternehmen zumeist von speziellen Fondgesellschaften erhalten. Diese Fonds beteiligen sich in der Regel für eine begrenzte Zeit (drei bis acht Jahre) finanziell im Unternehmen und unterstützen das Management zusätzlich durch Beratungsleistungen. Dabei verzichten sie auf die sonst üblichen Sicherheiten. Diese Zweckehe von Venture Capital-Gebern und -Nehmern endet in Deutschland meist durch einen Verkauf der Beteiligung an andere Anteilseigner oder Unternehmen.
Nach Angaben des Bundesverbandes Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften (BVK) belief sich das verfügbare Venture Capital 1997 auf fast 15 Milliarden DM (siehe Kapitel 14.01, Tabelle 2). Rund hundert Venture Capital- und Beteiligungsgesellschaften haben bis einschließlich 1997 zirka 7,75 Milliarden DM in insgesamt 3.755 Beteiligungen investiert.

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Vorhandenes Innovationspotenzial aus Patenten

Seit 1995 steigen die Patentanmeldungen beim Deutschen Patent- und Markenamt wieder kontinuierlich um zirka 16,0 Prozent pro Jahr und sind 1999 insgesamt (direkt und PCT-Anmeldungen) auf 94.047 Anmeldungen gestiegen.
Dieses Innovationspotenzial verringert sich jedoch um zirka 37 Prozent, weil nur für durchschnittlich 63 Prozent der Anmeldungen Prüfungsanträge als Voraussetzung für eine Patenterteilung gestellt werden. Für weniger als die Hälfte aller Anmeldungen (durchschnittlich 44,5 Prozent) wird aber ein Patent erteilt. Häufigster Grund für die Nicht-Erteilung ist die sogenannte »Neuheits-Schädlichkeit«. 

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Abb. 1: Patentanmeldungen der letzten 17 Jahre
  

Ziele des Innovation Market

Neben den mittlerweile über 100 Kapitalbeteiligungsgesellschaften in Deutschland existieren zunehmend mehr Unternehmen und Privatpersonen, die Fremd- und Beteiligungskapital anbieten.
In Deutschland gibt es ein erhebliches Potenzial hochwertiger Erfindungen, denen jedoch der Durchbruch zur Innovation häufig deshalb nicht gelingt, weil zwei besonders kritische Hürden nicht überwunden werden:

  • In vielen Fällen kommt es gar nicht zu einem Kontakt zwischen Erfindern und potenziellen Nutzern beziehungsweise Kapitalgebern und
  • denen, die entscheiden, fehlen oft die Informationen zur Einschätzung der Erfolgsaussichten einer Erfindung am Markt.
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Der Innovation Market richtet sich vornehmlich an:

  • junge Technologieunternehmen, Gründer und expandierende KMU auf der Suche nach Finanzierungsmöglichkeiten ihrer Innovationen,
  • Unternehmen, Hochschul-/ Forschungseinrichtungen und Erfinder/Patenthalter, die ihre hochwertigen Technologien verwerten wollen,
  • Beteiligungsgesellschaften und Banken sowie Unternehmen und Privatanleger, die nach viel versprechenden Beteiligungsmöglichkeiten suchen,
  • Unternehmen auf der Suche nach Lösungen technischer Probleme oder nach Produktideen zur Erweiterung ihrer Produktpalette.

Der Innovation Market funktioniert folgendermaßen (Abb.2)

  • Der Ideengeber oder das Unternehmen beauftragt einen Innovationspartner, ein Summary zu erstellen.
  • Der Innovationspartner prüft die Erfolgsaussichten.
  • Bei positiver Bewertung wird ein Summary als hochwertiges Kurzportrait des Innovationsvorhabens, seines Verwertungspotenzials und seiner Marktchancen erstellt.
  • Ein zweiter unabhängiger Innovationspartner prüft die Qualität des Summary.
  • Der Innovationspartner beauftragt die Betreiber, das Summary anonym für sechs Monate im Innovation Market einzustellen.
  • Das Inserat ist durch das Internet weltweit und zeitunabhängig einzusehen.
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Abb. 2: INSTI-Verwertungsaktion: Innovation Market

Qualitätsstandards, Summaries, Dossiers

Die Verwertung einer Erfindung setzt in der Regel die patentrechtliche Absicherung voraus. Zur Unterstützung der Verwertung von Erfindungen werden ständig zunehmend neue Ideen, Erfinder und Innovationsbörsen im Internet angeboten. Fraglich ist jedoch, ob der Großteil dieser Börsen den Kunden (Kapitalgeber, Unternehmen) wirklich erreicht, da die Inhalte in der Regel keiner fachlichen beziehungsweise wirtschaftlichen Prüfung unterzogen worden sind. Venture Capital wird aber nur dort eingesetzt, wo aussagekräftige und geprüfte Unterlagen eine Abschätzung über das Engagement erlauben.

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Innovation Market Regeln

1. Teil: Begriffsbestimmungen; Teilnehmer am Innovation Market

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Darstellung des Marktplatzes

Der Innovation Market ist als Marktplatz für Innovation über das Internet unter http://www.exchange.de/innovationmarket erreichbar. Benutzer des Innovation Market sind vor allen Dingen Beteiligungsgesellschaften und Banken sowie Unternehmen und Privatanleger, die nach vielversprechenden Beteiligungsmöglichkeiten suchen; des Weiteren Unternehmen, die auf der Suche nach Lösungen technischer Probleme oder nach Produktideen zur Erweiterung ihrer Produktpalette sind (siehe Tabelle 1).
  

Qualitätsstandards für die Erstellung von Summaries
Die Qualitätsstandards beziehen sich sowohl auf den Erstellungsprozess von Summaries als auch auf Struktur und Inhalt.

Innovationspartner werden im Auftrag von Inserenten tätig. Die Übernahme von Aufträgen erfolgt zu Marktpreisen und nur in Verbindung mit einer Verpflichtung des Inserenten zur Eigenbeteiligung an einer eventuell folgenden Dossiererstellung.
Zu Beginn der Auftragsausführung steht eine Vorbewertung der Marktchancen (Recherche zum Stand der Technik, Marktabschätzung, Plausibilitätsprüfung der Finanzplanung usw.).
Die Innovationspartner werden Innovationsangebote, deren Chancen am Markt als nicht gut eingeschätzt werden, zurückweisen.
Bei positiver Vorbewertung erfolgt die Erstellung eines Summary beziehungsweise die Prüfung und Überarbeitung eines vom Inserenten vorgelegten Summary. Hierbei wird der Inserent im Rahmen persönlicher Gespräche einbezogen.
Das Summary wird nachfrageorientiert formuliert (Sprachgebrauch gemäß Usancen der Adressaten), die Summary-Struktur entspricht den folgenden inhaltlichen Qualitätsstandards; alle Muss-Felder sind vollständig zu bedienen.
Summaries sollen im Regelfall binnen zwei Wochen erstellt werden.
Für jedes Summary wird ein Review durch einen weiteren Innovationspartner durchgeführt (»Vieraugenprinzip«). Die Innovationspartner geben eigene Summaries zum Review weiter und prüfen (zunächst kostenlos) Summaries anderer Innovationspartner.
Die Innovationspartner führen die elektronische Übermittlung von Summaries mit dem Erfassungstool der Deutschen Börse AG durch.
Der Inserent bleibt im Summary anonym. Eine Kontaktaufnahme eines Nachfragers mit dem Inserenten erfolgt über den Innovationspartner, der das Summary eingestellt hat.
Die Innovationspartner sichern Vertraulichkeit bei der Herstellung von Kontakten mit Nachfragern zu (Vorinformation an Inserent, Einholen von Geheimhaltungsverpflichtung von Nachfragern).

Struktur und Inhalte von Summaries

Summaries werden einer der drei Rubriken: »Idee sucht Kapital« (siehe Tabelle 1), »Idee sucht Unternehmen« oder »Unternehmen sucht Idee« zugeordnet. Summaries müssen folgende Struktur und Inhalte aufweisen:

Kurztitel
Einprägsamer und verständlicher Titel, der eine grobe Branchenzuordnung ermöglichen sollte

Erfindung/Idee
Kurzdarstellung des Vorhabens mit den wesentlichen Highlights

Kundennutzen
Nutzen, den ein Kunde durch das Produkt/Verfahren erhält (im Vergleich zu anderen)

Produktnutzen
Beitrag der Idee zum Produkt/Verfahren; Darstellung der Problemlösung durch die Idee

Ergänzungsmöglichkeiten zu einer Produktfamilie
Kompatibilität und Familienfähigkeit des Produkts/Verfahrens; bestehendes/ passendes/gesuchtes Produktumfeld

Projektstand
Zusammenfassende Darstellung der erfolgten Vorarbeiten bezüglich Technik (Entwicklungsstand), Produktion, Vermarktung, Angaben zur Marktreife (time of market)

Verwertungskonzept
Kurzbeschreibung der unternehmerischen Umsetzung;

bei »Idee sucht Kapital«: Angabe, ob Neugründung, Ausgründung, Spin-Off oder Ähnliches

Zahlendarstellung
Zusammenfassende Angaben zu wesentlichen (aber nicht vertraulichen) Kennzahlen, unter anderem: Kapitalbedarf beziehungsweise -angebot, Zeitplanung, Markt- volumen, Markt-Potenzial und so weiter

Standort des Inserenten
Bundesland und Postleitzahl (mindestens die ersten zwei Ziffern) des Auftraggebers für das Summary

Kontakt
Adresse, Ansprechpartner und telekommunikative Angaben des zuständigen Innovationspartners, E-Mail-Funktion

 

Qualitätsstandards für Dossiers
Die Qualitätsstandards beziehen sich sowohl auf den Erstellungsprozess von Dossiers als auch auf Struktur und Inhalt.
Innovationspartner werden im Auftrag von Nachfragern tätig. Die Übernahme von Aufträgen erfolgt zu Marktpreisen.
Die Innovationspartner führen eine fundierte Informationserhebung zu (in den folgenden Qualitätsstandards für die Inhalte von Dossiers festgelegten) Themen durch (umfassende Recherche zum Stand der Technik, Marktanalyse, Plausibilitätsprüfung der Finanzplanung, u.s.w.). Hierbei erfolgt zumindest ein Besuch des Unternehmens (falls schon existent) und/oder persönliche Gespräche mit dem Interessenten.
Es erfolgt die Erstellung eines Dossiers beziehungsweise die Prüfung und Überarbeitung eines vom Interessenten vorgelegten Businessplans.
Dossiers werden nachfrageorientiert formuliert (Sprachgebrauch gemäß Usancen der Adressaten), die Struktur entspricht den folgenden inhaltlichen Qualitätsstandards; alle Muss-Felder sind vollständig zu bedienen.
Die Innovationspartner werden bei Bedarf weitere kompetente Partner einbinden und die stufenweise Erstellung eines Dossiers in einer Bewertungskette organisieren.
Dossiers werden im Regelfall binnen acht Wochen ab Auftragsvergabe erstellt.
Bei Auftragsvergabe veranlassen die Innovationspartner eine »Sperrung« des Summary im Innovation Market. Für die Dauer der Sperrung werden die Innovationspartner keine Kontakte weiterer Nachfrager zum Inserenten vermitteln.
Die Innovationspartner gewährleisten die Vertraulichkeit aller ihnen zur Kenntnis kommenden Daten von Inserenten und Nachfragern.

Struktur und Inhalte von Dossiers

Dossiers werden einer der zwei Rubriken »Idee sucht Kapital« (siehe Tabelle 1) oder »Idee sucht Unternehmen« zugeordnet. Dossiers müssen folgende Struktur und Inhalte aufweisen:

1 Zusammenfassung

  • Entspricht im Wesentlichen dem Summary (s.o.)

2 Technologie

  • Stand der Technik
  • Innovationshöhe; Schlüsseltechnik oder Verbesserung
  • Entwicklungsstand der Erfindung
  • Angabe, ob Idee, Labormuster, Prototyp, Nullserie und so weiter
  • Wettbewerbstechnologien
  • Umgehungslösungen und funktionale Konkurrenz; Vorteile gegenüber Wettbewerbern
  • Technische Umsetzbarkeit
  • Verfügbare Produktionstechnologie; Prozesskettenbezug
  • Technische Risiken, Genehmigungssituation
  • Technische Risiken auf dem Weg zum Markt; ökologisches und regulatorisches Umfeld
  • Schutzrechtssituation
  • Stand und Qualität der Absicherung durch gewerbliche Schutzrechte

3 Markt

  • Marktvolumen
  • Marktbedarf und -chance; Größe und Kaufkraft der Zielgruppen
  • Marktsegmente, Zielgruppen
  • Für wen ist Produkt/Verfahren interessant? Kundenstrukturen; Sekundärmärkte
  • Marktentwicklung
  • Marktprognose; Marktentwicklung in Vergangenheit und Zukunft
  • Konkurrenzanalyse
  • Wettbewerber im In- und Ausland; konkurrierende Produkte/Verfahren und Problemlösungen
  • Marketing- und Vertriebsstrategie
  • Vermarktbare Leistungsmerkmale; geplante/bestehende Vertriebswege
  • Lebenszyklus
  • Angaben zu Innovations- und Produktlebenszyklus
  • Markteintrittsbarrieren
  • Erschließung des Marktes; Zulassungshürden

4 Finanzierung

  • Jahresabschluss/Bilanz, Plan GuV (mind. 3 Jahre), Kostenrechnung
  • Aufwendungen und Erträge; Deckungsbeiträge; Anlagenspiegel (Bestände, Abschreibungen, Investitionsbedarf); Kreditspiegel; Betriebs- und Unternehmensergebnis
  • Finanzierungsbedarf
  • Liquidität & Cash flow
  • Kennzahlen
  • Return on Investment; Return on Equity; Breakeven-Zeit; Lebenszeitumsatz
  • Sensitivitätsanalyse/Empfindliche Parameter
  • Beschaffung; Produktion; Absatz; Finanzierung
  • Sicherheiten
  • Grundschuld; Hypothek; Bürgschaft; Pfandrecht

5 Management

  • Qualität des Managements
  • Unternehmerische Einstellung; Motivation Erfinder/Unternehmer; Ausbildung, Erfahrungen und Kontakte
  • Organisationsschema
  • Projekt- und Unternehmensorganisation; allgemeine Geschäftsbeschreibung
  • Referenzen
  • Background und Erfahrungen des Erfinders/Unternehmers
  • Beiräte, Aufsichtsräte
  • Gesellschafterstruktur, bisherige Investoren
  • Mitarbeiterstruktur
  • Vorhandene personelle Qualifikationen und Kapazitäten (in F&E, Produktion, Vertrieb usw.)

6 Übergeordnete Topics

  • Chancen und Risiken
  • Zusätzliche, noch nicht quantifizierte Geschäftsmöglichkeiten (Upsides) und -risiken (Downsides).
  • Erfolgsfaktoren
  • Wesentliche interne und externe Erfolgsfaktoren und Gefahren (Threats)
  • Positionierung Unternehmensstrategie
  • Einordnung in Produkt, Verfahren, Sortiment, Erweiterung und so weiter
  • Wertschöpfungskette
  • Angaben zu Produktphasen und Status (Idee, Entwicklungsstand, 1st shipment o.ä.)
  • Bestehende Kooperationen
  • Hintergrund und Historie; bestehende vertragliche Verpflichtungen und Kooperationen

 

Anschubförderung durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung
Im Rahmen der INSTI-Verwertungsaktion wird die Erstellung von Summaries und Dossiers gefördert.
  • Inserenten als Auftraggeber der eingestellten Summaries können einen Zuschuss zum Summary-Preis erhalten. Er beträgt 30 Prozent (maximal 2.500 DM) der Rechnungssumme.
  • Nachfrager als Auftraggeber von Dossiers können einen Zuschuss erhalten in Höhe eines Drittels (maximal 10.000 DM) der Rechnungssumme bis zur Obergrenze von 30.000 DM.
  • Die Förderzusage erteilt der jeweilige Innovationspartner in Vertretung des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln - INSTI-Projektmanagement - (IW Köln). Sie werden in einem Förderblatt dokumentiert. Nach Bezahlung der Rechnung reicht der Auftraggeber diese zusammen mit dem Förderblatt und den dort genannten Unterlagen beim IW ein, das den Zuschuss auszahlt.

Ein Beispiel: Bodyscanning - Digitale Körperdaten als Basis für E-Commerce

  • 1. Die Erfindung/Idee
  • 2. Kundennutzen
  • 3. Produktnutzen
  • 4. Entwicklungsmöglichkeiten zu einer Produktfamilie
  • 5. Projektstand
  • 6. Verwertungskonzept
  • 7. Zahlendarstellung
  • 8. Standort des Inserenten
  • 9. Kontakt

Die Erfindung/Idee

E-Commerce ist in aller Munde, auch und gerade in der Bekleidungsbranche. Doch wie probiert man Bekleidung ohne physischen Kontakt zur Ware an?
Genau für diese Fragestellungen hat der Inserent ein schlüssiges Lösungskonzept erarbeitet. Das Ziel des Unternehmens besteht darin, reale Körperdaten zu digitalisieren und diese weltweit zur Verfügung zu stellen, wodurch erstmalig das Anprobieren von Bekleidung im Internet mit dem »eigenen Körper« animiert dargestellt werden kann. 

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Kundennutzen

Der Online-Versandhandel in der Bekleidungsindustrie wird durch den Inserenten in die Lage versetzt, den Endkunden sehr viel individueller, ja persönlich zu bedienen. Durch die personengebundene Abstimmung von Körperdaten zu Produktdaten können charakteristische Retourenquoten von derzeit über 50 Prozent deutlich reduziert werden (Quelle: Bekleidungsphysiologisches Institut Hohenstein). Das Körpermodell wird hierbei während des Kaufvorgangs im Internet als »Zwillingskörper« genutzt. 

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Produktnutzen

Die technische Voraussetzung für das Bodyscanning schafft ein speziell entwi- ckelter Scanner. Während heute verfügbare Bodyscanner nach Zahlen der Forrester Research Inc. (»Apparel's On-line Makeover«, Mai 1999) zwischen 75.000 US Dollar und 500.000 US Dollar kosten, soll das neue Bodyscan-System zu einem Preis von zirka 15.000 Euro realisiert werden. Auch die bei bisherigen Geräten nahezu völlig fehlende Eignung für große Stückzahlen (Fertigung, Montage, Inbetriebnahme, Service) wurde mit dem neuen System behoben. Der neue Körperscanner besitzt folgende, in dieser Kombination am Markt einzigartige, Parameter:

Objekt:
Der Mensch mit einer Körpergröße von 1 Meter bis 2,25 Meter; die zu erfassende Person präsentiert sich einzeln in einer auf den 3D-Bodyscanner abgestimmten Umgebung. Es gibt keinerlei Beschränkungen hinsichtlich Personengruppen, das heißt: Alle Hauttypen können erfasst werden.

Scanzeit:
eine Sekunde pro komplettem Körper (rundum)

Auflösung:
Die Mittlere Auflösung beträgt 1,5 Millimeter.

Service:
100-prozentig webfähige Technologie, das bedeutet: Remote Control nahezu aller verwendeten Komponenten (Sensoreinheiten, Beleuchtungskörper, Rechner etc.)

Inbetriebnahme:
maximal zwei bis drei Stunden pro Scanner inklusive Kalibrierung.

Entwicklungsmöglichkeiten zu einer Produktfamilie

Der beschriebene Ansatz »Versandhandel« charakterisiert das kurzfristige Ziel des Inserenten. Langfristig besteht die Vision darin, die Aktivitäten des Datenhandels mit Körperdaten auf eine Vielzahl weiterer Möglichkeiten auszuweiten, so zum Beispiel:

  • Virtuelles Shopping: Terminals, in denen der Ankleidevorgang simuliert wird, ermöglichen das Einkaufen im Modehaus, ohne sich umziehen zu müssen. Dies dient zudem der Vertrauensbildung in den Bodyscan-Dienst selbst.
  • Anonymisierte Datenaufbereitung: Statistische Auswertung spezifischer Körperdaten - zum Beispiel zur verbesserten Produktionsplanung; Gesundheitswesen: Krankenkassen können eine gezielte Verfolgung potenzieller Gefährdungsgruppen durchführen.
  • Virtual Reality: Der individuelle Akteur bei Videospielen oder in der Filmindustrie.
  • 3D-Haushaltswaage: Neben dem Gewicht werden auch die Veränderungen an den jeweiligen Körperpartien dargestellt.

Projektstand

Der Prototyp des Bodyscanners befindet sich derzeit in der Phase der Realisierung und wurde patentrechtlich geschützt (Patentverfahren läuft noch, sieht aber Erfolg versprechend aus).
Die IT-Operation wird momentan geplant. Die Datensicherheit wird von unabhängigen Dritten (Trusted Third Party) überprüft (z. B. TÜV IT Düsseldorf oder KPMG). Die Bewertung von Chancen und Risiken sowie die Ermittlungen finanzieller Kenngrößen erfolgten im Rahmen einer wissenschaftlichen Abhandlung des Gründerteams an der Hochschule St. Gallen / Schweiz (Nachdiplomstudium zum »Master of Business Engineer« / MBE). Dabei ergab sich ein ausgesprochen attraktives Wachstumsgeschäft, welches im heutigen Informationszeitalter sehr zeitnah realisiert werden kann.
Das Unternehmen selbst befindet sich in der Gründungsphase. Innerhalb der nächsten zwei Jahre ist ein Börsengang geplant.

Verwertungskonzept

Aktive Marktbetrachtungen erfolgten für den Online-Versandhandel in der Bekleidungsindustrie. Sekundärmärkte (siehe Pos. 4 »Produktfamilie«) werden vorerst als zusätzliche Sicherheit für das Business-Modell angesehen.
Nach Zahlen des Statistischen Bundesamtes Wiesbaden beträgt der Umsatz im Textil-, Bekleidungs- und Ledergewerbe für Deutschland zwischen 65 Milliarden DM (1995) und 63,4 Milliarden DM (1998). Hierbei hatte der Versandhandel einen Anteil von 10,7 Milliarden DM (16,5 Prozent, 1995) und 16,3 Milliarden DM (16,3 Prozent, 1998). Das Wachstum des weltweiten Marktes im Online-Versandhandel der Bekleidungsindustrie wurde von Forrester Research Inc. von 530 Millionen US Dollar in 1998 auf 20 Milliarden US Dollar in 2003 abgeschätzt, dies repräsentiert zirka 7 Prozent des Gesamtmarktes.
Da mit den Körperdaten sowohl für Modehäuser (Maßbekleidung) als auch für den Online-Handel ein deutlicher Kundennutzen erreicht werden kann, zählen beide zur Hauptzielgruppe für Marketing und Vertrieb. Die Aktivitäten in Vertrieb und Marketing sollen nahezu zeitgleich in Europa und in USA gestartet werden. Die Einschätzungen des amerikanischen Marktes gehen davon aus, dass dieser hinsichtlich der Akzeptanz des Dienstes »Handel mit Körperdaten« mindestens zwei Jahre Vorsprung vor dem europäischen Markt hat.

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Qualifikation der Innovationspartner
Innovationspartner sind für die Qualität der Inhalte und für den Ablauf der Maßnahme zuständig und müssen folgende Anforderungen erfüllen:
  • Kompetenz und Erfahrung im Bereich Innovationsvermittlung und Verwertung, das heißt im Einzelnen: professionelle Aktivitäten im angesprochenen Bereich seit mindestens zwei Jahren, insbesondere durch erfolgreiche Kontakt- und Kooperationsvermittlung, Hilfestellung / Beratung bei der Finanzierung von Innovationsvorhaben sowie bei Lizenzverhandlungen und -verträgen;
  • Bewertung von mindestens 20 Innovationsvorhaben pro Jahr, einschließlich technisch-wissenschaftlicher Bewertung, Marktpotenzial- und Wettbewerbsanalyse sowie Bewertung von Rentabilität und Finanzplanung;
  • erfolgreiche Vermittlung von mindestens drei Innovationsvorhaben pro Jahr;
  • Mitarbeiterqualifikation durch mindestens zwei geeignete Mitarbeiter (mit naturwissenschaftlich-technischer, ingenieurwissenschaftlicher oder betriebswirtschaftlich/ kaufmännischer Hochschul- oder Fachhochschulausbildung sowie Praxiserfahrung bei Innovationsvorhaben und Verwertung), die für die Arbeit im Rahmen des Innovation Market zur Verfügung stehen;
  • Kompetenz und Erfahrung im Bereich Informationsbeschaffung (professionelle, regelmäßige Nutzung von elektronischen und konventionellen Informationsquellen und Datenbanken);
  • Mitgliedschaft im INSTI-Netzwerk oder feste Kooperation mit INSTI.

Die Innovationspartner versichern mit Unterzeichnung eines Vertrages verbindlich, dass sie diese Anforderungen vollständig erfüllen und dass sie Summaries und Dossiers gemäß den Qualitätsstandards erstellen können und werden.

Zahlendarstellung

Der Kapitalbedarf bis einschließlich 2001 beträgt 11,5 Millionen Euro. Damit sollen in der Gründungsphase Kosten für Personal, für die Weiterentwicklung von Scannertechnologie und IT-Infrastruktur, für Produktionskosten (Scanner) sowie Sachauslagen bestritten werden.
Bei der Finanzplanung sind auch erwartete Erträge berücksichtigt, woraus sich folgende Eckdaten für die nächsten fünf Jahre ergeben (alle Zahlen in Millionen Euro):
  

Kosten Umsatz
2000: 3,8 

2001: 10,4 

2002: 26,2 

2003: 68,8 

2004: 79,8 

2000: 0

2001: 3,2

2002: 46,5

2003: 126,3

2004: 262,9

Zusammenfassung

In Deutschland gibt es ein erhebliches Potenzial hochwertiger Erfindungen, denen jedoch der Durchbruch zur erfolgreichen Innovation häufig deshalb nicht gelingt, weil es entweder gar nicht zum Kontakt zwischen Erfindern und potenziellen Nutzern (beziehungsweise Kapitalgebern) kommt oder weil denen, die Entscheidungen fällen können, häufig die Informationen zur Einschätzung der Erfolgsaussichten einer Erfindung am Markt fehlen. Um diese Probleme zu lösen, bietet die Deutsche Börse AG und die Kreditanstalt für Wiederaufbau den Innovation Market als Handelsplatz an. Der Internet-Dienst soll das systematische Zusammenfinden von Ideen, Kapital und Unternehmen ermöglichen. Im Rahmen der bundesweiten Initiative zur »Innovationsstimulierung der deutschen Wirtschaft INSTI« wird unter den Kategorien:

  • »Idee sucht Kapital«,
  • »Idee sucht Unternehmen« und
  • »Unternehmen sucht Idee«

ein Forum für Erfinder und junge technologieorientierte Unternehmen auf der einen Seite und für Investoren auf der anderen geschaffen.
Für die Summaries - die elektronischen Inserate im Innovation Market, die in standardisierter Form die zentralen Eckdaten eines Innovationsangebotes enthalten - und für die Dossiers, die eine ausführliche Darstellung eines Angebotes sind, das gleichzeitig als Entscheidungsgrundlage für ein finanzielles oder unternehmerisches Engagement eines Nachfragers konzipiert ist, gelten strenge Regeln. Doch nur so kann die Qualität der Innovationen im Innovation Market gewährleistet werden. Die Frage, ob sich Erfinder und Kapitalgeber tatsächlich finden, bleibt nicht mehr dem Zufall überlassen. [_private/ansichtex.htm]

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