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- Leseprobe -
Neue Anforderungen an
Informations- und Kommunikationsdienstleistungen
von Thomas Mörsdorf
Stichworte: Einführung,
Neue
Anforderungen an: Qualität,
globale Verfügbarkeit, transparente Kosten-Nutzenrelation,
individualisiertes Leistungsangebot,
Offenheit und Modularität,
differenzierte
Leistungsverrechnung, Integrationsfähigkeit.
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In
diesem Beitrag erfahren Sie:
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welche neuen Anforderungen an sogenannte Informations- und
Kommunikationsdienstleistungen gestellt werden,
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wie die Qualifizierungsfaktoren von morgen lauten,
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daß auch ein nicht technikorientierter Kunde verstehen
sollte, welchen Nutzen er zu welchen Kosten erwirbt und
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daß Anwender ihre spezifischen Bedürfnisse priorisieren
und als Checkliste nutzen sollten, um den für sie richtigen Anbieter zu finden.
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Einleitung
In diesem Kapitel beschäftigen wir uns mit sich neu stellenden Anforderungen an
sogenannte Informations- und Kommunikationsdienstleistungen. Diese umfassen
Dienstleistungen, die ohne einen massiven Einsatz von Informations- und
Kommunikationstechnologien überhaupt nicht möglich oder zumindest nicht wirtschaftlich
zu erbringen wären.
Ein Beispiel für ersteres sind Dienstleistungen wie beispielsweise
Informationsrecherchedienste in internationalen elektronischen Datenbanken (siehe dazu
auch Kap. 03.02., Teil 1). Erst durch die Nutzung neuer
Kommunikationstechnologien wie dem Internet und proprietärer Onlinedienste wird es
möglich, von einem Ort der Welt aus zeitoptimal in weltweit beliebig verteilten
Datenbanken recherchieren zu lassen.
Im zweiten Fall sind es beispielweise sogenannte Call Center, die als zentral
organisierte Servicezentren in der Lage sind, hunderte von Kunden in Servicefragen
simultan zu bedienen. Mehrsprachlichkeit, Vierundzwanzigstunden-/Sieben
Tage-Verfügbarkeit sind dabei nur zwei Leistungsparameter, die dadurch möglich werden,
daß beispielsweise Anrufe kostengünstig zu international verteilten Zentren geschaltet
werden und das vorhandene Service-Knowhow mittels äußerst leistungsfähiger Datenbanken
an jedem Serviceplatz verfügbar gemacht wird.
Die Bereitstellung innovativer Dienstleistungen ist ohne den intensiven Einsatz von
Informations- und Kommunikationstechnologien heute nicht mehr vorstellbar. Das beginnt mit
der internen Verwaltung und Pflege von Kundendaten bis hin zum kunden- oder
anwendungsgesteuerten elektronischen Serviceangebot _ wie beispielsweise der
vollautomatischen Softwarewartung mittels Online-Verbindung zu einem Wartungscenter.
Die Bedeutung dieses Marktsegmentes wächst mit zweistelligen jährlichen Zuwachsraten,
getrieben durch die steigende Penetration von Informations- und Kommunikationstechnologien
in Unternehmen und Haushalten. Damit vergrößert sich zunehmend der Markt der möglichen
Dienstleistungsnehmer. Aktuelle Zahlen sprechen von einer 90prozentigen PC-Penetration der
Unternehmen, im Gegensatz zu einer bisher nur 26prozentigen Penetration gerechnet auf
Einwohner in Deutschland. Dies ist insofern von Bedeutung, als daß der Effektivitätsgrad
bestimmter Dienstleistungen nicht nur von den Fähigkeiten und Möglichkeiten des
Dienstleistungserbringers, sondern wesentlich auch von den Rahmenbedingungen der
potentiellen Dienstleistungsnehmer abhängt. Als Manager steht man vor der Aufgabe zu
entscheiden, wieviel Wettbewerbsvorteil beispielsweise ein PC-basierendes Servicesystem
bringt, wenn damit nur zwei Prozent der Servicekunden angesprochen werden können?
Tatsachen wie diese wurden in der Vergangenheit zu leichtfertig übersehen.
Beispielsweise wurden in der Anfangseuphorie des Internets Dienstleistungsangebote
geschaffen, deren Nutzung einzig und allein auf Basis des Internets oder eines der
proprietären Onlinedienste möglich ist. Damit ist die potentielle Kundenbasis völlig
auf den aktuellen Nutzerkreis dieses Mediums begrenzt. Beispiele dafür sind innovative
Internet-Banking- Angebote, die stolz und euphorisch die Durchführung von Bankgeschäften
mittels Internet-Zugang anpreisen. Eine Vielzahl potentieller Kunden hat jedoch noch immer
keinen Zugang zu diesem Medium, sei es grundsätzlich, weil sie keinen PC besitzen oder
keinen Online-Dienst abonniert haben, oder auch nur temporär, weil sie unterwegs sind
oder zu Hause arbeiten.Dies ist nur eines von vielen Beispielen, was zeigen soll, wie eng auch beim Angebot
von Informations- und Kommunikationsdienstleistungen Erfolg und Mißerfolg beieinander
liegen. Jeder verantwortliche Manager ist gut beraten, sich über die vom Markt diktierten
Anforderungen an sein spezifisches Angebot ständig neu Gewißheit zu verschaffen. Es ist
nicht nur eine schwierige Herausforderung, die jeweiligen Anforderungen zu erkennen,
sondern auch zu lernen, mit der diesem Bereich eigenen Dynamik umzugehen und sie zum
eigenen Vorteil im Markt zu nutzen.
Unser Ziel ist es nicht, hier auf spezifische Anforderungen an einzelne
Dienstleistungen einzugehen. Vielmehr werden wir uns mit der Veränderung grundsätzlicher
Anforderungen beschäftigen, die neue Grundregeln für den Erfolg in der Zukunft schafft.
Es geht sozusagen um die Pflichtanforderungen in der Gestaltung innovativer
Dienstleistungsangebote zur Qualifizierung im Markt - im Gegensatz zur Kür, womit man
sich letztlich im Wettbewerb der Spitzenunternehmen differenziert und den Kunden für sich
gewinnt. Aus der Vergangenheit wissen wir, wie sich das Anforderungsprofil in einem Marktsegment
ständig verändert und weiterentwickelt. Der englische Begriff commoditization
beschreibt sehr gut den wohl wichtigsten Veränderungsprozeß: die Entwicklung eines
Produktes mit segmentspezifischen Leistungsparametern hin zu einem massenmarkttauglichen
Produktangebot (commodity). Natürlich ändern sich damit die Anforderungen an dieses
Angebot. Die Gewinnerformel von gestern wird zur Qualifizierungsbasis von heute: Womit ich
im vergangenen Jahr meinen Markterfolg erringen konnte, eignet sich heute nur noch dazu,
im Markt überhaupt als Alternative in Betracht gezogen zu werden, jedoch nicht mehr um
den Kunden letztlich für mein spezielles Angebot zu gewinnen.
Abbildung 1 veranschaulicht diesen Prozeß anhand
der veränderten Anforderungen an Informations- und Kommunikationsdienstleistungen seit
den 70iger Jahren.
Die Fähigkeit, diese Pyramide der Anforderungen immer weiter auszubauen und nach
eigenen Vorstellungen und Fähigkeiten zu gestalten, haben nur innovative Unternehmen. Die
eigene Innovationsfähigkeit zu nutzen heißt also auch, neue Anforderungen zu erkennen,
sie sogar bewußt zu schaffen und ihnen immer wieder mit neuen kreativen Lösungen zu
begegnen.
Wie lauten nun die Qualifizierungsfaktoren von morgen, die darüber entscheiden, ob ein
bestimmtes Dienstleistungsangebot eine Chance im Markt erhält oder nicht? Dieser Frage
gehen wir auf den folgenden Seiten nach, wenn wir uns Marktentwicklungen und die sich
daraus ergebenden Anforderungen anschauen.

Abb. 1: Veränderung der
Marktanforderungen
Neue
Anforderungen und die ihnen zugrundeliegenden Marktentwicklungen
Qualität und Verfügbarkeit sind Anforderungen, die bereits hinlänglich bekannt sind
und deren Erfüllung zur Basisanforderung avanciert ist. Sie reichen jedoch für sich
genommen nicht aus, um im Wettbewerb dann auch erfolgreich zu sein und überproportionale
Marktanteile zu erlangen beziehungsweise zu verteidigen. Hinzu kommen neue Anforderungen
an Informations- und Kommunikationsdienstleistungen, die sich aus einem veränderten
Kundenverhalten, aber auch aus einer fortschreitenden Marktentwicklung ableiten. Diese
lauten im einzelnen:
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Globale Verfügbarkeit
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Transparente Kosten-Nutzenrelation
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Individualisiertes Leistungsangebot
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Offenheit und Modularität
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Differenzierte Leistungsverrechnung
-
Integrationsfähigkeit
Während einige dieser Anforderungen auf den ersten Blick bekannt erscheinen, wird man
dennoch schnell erkennen, wie differenziert das Bild des Zielmarktes zu sehen ist, um die
teilweise feinen, aber wesentlichen Unterschiede zwischen gestern, heute und morgen zu
erkennen. Beispiele werden im folgenden helfen, dies zu veranschaulichen.
Globale
Verfügbarkeit
Viele Unternehmen von heute befinden sich bereits im globalen Wettbewerb. Märkte
definieren sich nicht länger durch nationale Grenzen, sondern durch die Fähigkeit eines
Unternehmens, seine Zielgruppe global anzusprechen und zufriedenzustellen. Insbesondere
Europa wird auf seinem Weg zum gemeinsamen Wirtschaftsraum mit einheitlicher Währung die
erste und vielleicht auch wichtigste Bewährungsprobe für deutsche Unternehmen im
Globalisierungswettbewerb darstellen. Alle werden betroffen sein, von den kleinen und
mittleren bis hin zu den großen Unternehmen. Europa wird zum Übungsfeld der
Globalisierung. Wer hier gewinnt, hat auch Chancen, in der restlichen Welt zu gewinnen.
Dazu bedarf es globaler Dienstleistungsstrukturen, die Grenzen überwinden helfen und
unabhängig von Sprache, Ort und Zeit den Kunden zur Verfügung stehen.
Insbesondere im Bereich der Unternehmen wird der Bedarf an global verfügbaren Services
enorm ansteigen. Dies verstärkt sich beispielsweise weiterhin im Bereich der
Telekommunikation, wo bereits heute viele der internationalen Unternehmen ihre Standorte
zusammengeschaltet haben, so daß alle Mitarbeiter unabhängig vom jeweiligen Standort mit
einheitlichen Kurzwahlrufnummern erreichbar sind.
Auch das Outsourcing entwickelt sich zunehmend zum globalen Dienstleistungsangebot.
Outsourcing-Kunden möchten einheitlichen Service aus einer Hand, unabhängig vom
jeweiligen Land, wo die Leistung zu erbringen ist. Sie erhalten im allgemeinen eine
höhere weil homogenere Servicequalität und werden darüber hinaus in die Lage versetzt,
auf Basis der gegenüber lokalen Verträgen oftmals sehr viel höheren Volumina, bessere
Konditionen aushandeln zu können.
Im Bereich der Konsumenten ist der treibende Faktor weniger auf der Nachfrager- denn
auf der Anbieterseite zu sehen. Die Masse der Konsumenten hat hochgradig lokal geprägte
Anforderungen, so daß sie am globalen Charakter eines Angebots herzlich wenig
interessiert ist und daher vor allem auch nicht ohne weiteres bereit ist, dafür ein
Premium zu zahlen. Im Gegensatz dazu geht es aus Sicht der Anbieter jedoch um die
Realisierung von Skalenvorteilen in der Bereitstellung eines bestimmten
Dienstleistungsangebotes. Ein aktuelles Beispiel dafür liefern die Suchmaschinen des
Internet, die zunächst hochgradig lokal orientiert waren, jedoch sehr schnell eine
Globalisierungsstrategie implementierten. Mittels Benutzerinterfaces in Landessprache,
lokaler Begleitinformationen und Einsatz lokaler Rechnerressourcen zur Beschleunigung von
Suchanfragen wurde diese Strategie operativ umgesetzt. Dies resultierte neben einer
erhöhten Kundenzufriedenheit, der Erhöhung der Einstiegsbarrieren für nationale und
lokale Wettbewerber letztlich auch in erhöhten globalen Werbeumsätzen.
Transparente Kosten-Nutzenrelation
Markt führt zunehmend zu einer Verunsicherung auf Nachfragerseite. Vergleiche sind
schwierig anzustellen, da das Angebot in seiner Breite und Tiefe, wenn überhaupt, dann
nur mit viel Aufwand zu erfassen ist. Da insbesondere Konsumenten nicht bereit sind,
diesen Aufwand zu betreiben, reagieren sie mit Verweigerung - getreu dem Motto:
Keine Entscheidung ist besser als die falsche Entscheidung. Märkte entwickeln sich nicht
wie erwartet, und Unternehmen bleiben auf ihren Angeboten sitzen. Der Markt, insbesondere
der aktuelle Multimediamarkt, ist in dieser Phase an vielen Stellen noch überfordert und
bedarf der besonderen Aufmerksamkeit der anbietenden Unternehmen.
Kosten- und Nutzentransparenz sind für das Überbrücken der Lebenszykluslücke
essentiell. Erst wenn ein Kunde, der insbesondere nicht technikgetrieben ist, versteht,
welchen Nutzen er zu welchen Kosten erwirbt, wird er bereit sein, die erforderlichen
Ausgaben beziehungsweise Investitionen zu tätigen. Obgleich dies vielen
Geschäftsverantwortlichen sofort einleuchtet, ist die konsequente Umsetzung dieser Maxime
erstaunlich schwierig.
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Lebenszyklusprozesse
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Den klassischen Denkfehler im
Lebenszyklusprozeß der Marktentwicklung, sie als homogenen Prozeß von der frühen
Entstehungsphase bis zur Alterphase zu betrachen, hat Geoffrey Moore in seinem Buch
»Crossing the Chasm« [1] erstmalig explizit be-schrieben. Seine Untersuchungen haben
gezeigt, daß nach der frühen Akzeptanz eines Produktes durch die sogenannten
»Early Adoptors«, die Technikverliebten und Enthusiasten im Markt, eine Lücke (engl.:
Chasm)
entsteht, bevor die frühe Mehrheit bereit ist, diese Produkte zu akzeptieren und damit
den Weg zum breiten Markterfolg zu öffnen. Diese zweite Gruppe der Markterschließung ist
von der Breite und Intrans-parenz des Angebots überfordert. Technologische Eigenschaften
stehen im Vordergrund, und der individuelle Nutzengewinn ist oftmals nicht ersichtlich.
Der Kunde hat, wenn überhaupt, nur eine sehr vage Vorstellung davon, wofür er sein Geld
ausgibt. Stellt sich der Nutzen nicht ein, reagiert der Kunde mit Verärgerung und
Frustration, die er gerne mit anderen teilt. Die Marktentwicklung kommt zum Stocken bis
hin zum völligen Stillstand. Ein bekanntes Beispiel der jüngeren Vergangenheit in der
Mißachtung dieser Anforderungen war der Markt für interaktives Fernsehen, wo keine
ausreichende Transparenz in der Kosten-Nutzenrelation geschaffen wurde und die Zielkunden
mit Verweigerung reagierten. Natürlich muß hier vom Produktmarketing die Frage gestellt
werden, ob eine positive Kosten-Nutzenrelation für ein bestimmtes Produkt / eine
Dienstleistung und die entsprechende Zielgruppe überhaupt gegeben ist.
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Produktmarketing und Entwicklung sind aufgefordert, gemeinsam an einer positiven
Kosten-Nutzenrelation zu arbeiten. Es ist dann vorrangig Aufgabe des Marketings, dies in
der Marktkommunikation für das Zielkundensegment transparent zu machen. Im
Dienstleistungsbereich ist diese Aufgabe im allgemeinen noch schwieriger als im Falle
diskreter Produkte, die sich über ihre Produkteigenschaften definieren. Eine Möglichkeit
ist die Nutzung der beispielsweise von Nokia oder Eriksson verwendeten Value Stories,
die anhand von Alltagssituationen illustrieren, worin der jeweilige Nutzen und damit
Mehrwert eines bestimmten Mobilfunkservices für den Anwender liegt.
Individualisiertes
Leistungsangebot
Eine weitere Anforderung an zukünftige Informations- und
Kommunikationsdienstleistungsangebote ist die Individualisierung des Leistungsangebotes.
Heute orientiert sich die Angebotsbreite oftmals am technisch Machbaren und nicht, wie es
für einen nachhaltigen Markterfolg wichtig wäre, an den individuellen Bedürfnissen
einzelner Zielgruppen.
Der Informations- und Kommunikationsmarkt verlangt in seiner Übergangsphase vom
Individual- zum Massenmarkt ein breites Spektrum von Dienstleistungen: vom preisgünstigen
Basisangebot bis hin zur individuellen Lösung, vom Angebot für Einsteiger bis zum
Angebot für professionelle Nutzer. Nur wenige Unternehmen sind in der Lage, dieses
Spektrum an Leistungen gesamtheitlich abzudecken, da die zugrundeliegenden
Geschäftsmodelle sehr unterschiedlich und schwierig unter einem Konzept zusammenzufassen
sind. In Folge finden wir eine erste natürliche Marktsegmentierung in zumindest zwei
Segmente, das Low-end und High-end Segment.
Durch eine konsequente Individualisierung des Angebots kann man wichtige
Differenzierungspotentiale realisieren und dem Kunden das Gefühl einer individuellen
Betreuung vermitteln. Ein solches Angebot verläßt die globale, vereinheitlichende
Marktsicht zugunsten eines problem- und kundenorientierten Ansatzes, der gezielt einzelne
Bedürfnisaspekte aufgreift und darauf abgestimmte Servicelösungen bietet.
Daraus ergeben sich neue Anforderungen an Marketing und Produktentwicklung, die ihre
Zusammenarbeit weiter intensivieren und gleichermaßen bereits ab der Konzeptionsphase in
den Produkterstellungsprozeß involviert sein müssen. Es ist Aufgabe der Technologie- und
Designexperten, individuelle Anforderungen in ein Familien- oder Baukastenkonzept zu
übersetzen, welches kosten- und zeitoptimal bereitzustellen und zu vermarkten ist. Im
folgenden Abschnitt werden wir auf die Bedeutung offener und modularer Konzepte genauer
eingehen.
Ein interessantes Beispiel eines individualisierten Leistungsangebotes im
Servicebereich findet sich im Internetangebot eines Reiseunternehmens, welches die gleiche
Leistung, einen Buchungsservice, mittels unterschiedlicher Zugangsinterfaces individuell
verschiedenen Marktsegmenten anbietet. Der erfahrene Geschäftsreisende kann mittels eines
einfach und klar gegliederten Benutzerinterfaces zielstrebig seine individuellen Buchungen
vornehmen, wohingegen der unbedarfte Gelegenheitsreisende ein üppiges Leistungsangebot
mit umfangreicher Menüsteuerung und Hintergrundinformation vorfindet. Beiden Angeboten
liegen jedoch die gleiche Datenbankstruktur sowie Buchungsanwendung zugrunde, die
Individualisierung wird kostengünstig und zielgruppengerecht durch die Gestaltung des
Benutzerinterfaces erreicht.
Offenheit und
Modularität
Die Kunden von morgen erwarten stete Möglichkeiten zur Erweiterbarkeit, gemäß sich
ändernder Anforderungen, der von ihnen angeschafften beziehungsweise in Anspruch
genommenen Produkte und Leistungen. Sie akzeptieren keine geschlossenen Systeme mehr,
sondern erwarten Lösungen, die mit dem Unternehmen wachsen können und funktional
erweiterbar sind. Die damit gewonnene Investitionsicherheit spielt dabei auch eine
wesentliche Rolle.
Während die Diskussion zum Thema offene Systeme bereits seit Beginn der 90iger Jahre
läuft, hat dieses Thema insbesondere durch das Internet und den plattformunabhängigen
Browser als Benutzerinterface eine neue Aktualität gewonnen. Mit der Entwicklung der
Programmiersprache Java wurde ein weiterer wesentlicher Schritt in Richtung Offenheit und
Modularität getan. So wird die Bereitstellung interner Services der DV-Abteilungen auf
Basis dieser Internettechnologien erheblich erleichtert und erlaubt ein modulares
Servicekonzept, welches durch externe Dienstleistungen homogen erweitert werden kann.
Auch zur ressourceneffizienten Realisierung individualisierter Produkt- und
Serviceangebote ist es zwingend erforderlich, offene und modulare Architekturen zu
implementieren. Spätestens, wenn man mit dem eigenen, proprietär orientierten Angebot
auf einen Wettbewerber mit einer offenen und modularen Plattform trifft, wird man im
Innovationswettbewerb zeitlich und kostenmäßig unterlegen sein. Während
Funktionalitätserweiterungen im eigenen System einen erheblichen Aufwand bedeuten, kann
der Wettbewerber vorhandene Module adaptieren oder sogar welche von Drittanbietern
einbinden. Dazu ist ein hoher Grad der Standardisierung erforderlich, was jedoch vor dem
Hintergrund der hohen Entwicklungsdynamik der Industrie sehr schwierig zu erreichen ist.
Die Standardisierungprozesse hinken der realen Marktentwicklung hinterher, und Anbieter
wie Anwender stehen ständig vor der Frage, ob man nicht noch auf den Abschluß der
Standardisierungsbemühungen warten solle. Nur Marktführer wie Microsoft und Intel sind
in der Lage, eigene Industriestandards zu etablieren und sie damit zum De-facto-Standard
zu machen.
Diese Anforderungen bedeuten konkret für die Anbieter von Produkten und
Dienstleistungen, daß man sich vom alten Modell der Kundenbindung durch proprietäre
Angebote lösen muß und stattdessen den Wettbewerb durch Innovations- und
Serviceüberlegenheit für sich entscheidet.
Differenzierte
Leistungsverrechnung
Aus Kundensicht ist die Verrechnung von Leistungen ein ambivalentes Thema. Der Kunde
möchte transparente und einfache Gebühren- / Kostenstrukturen, gleichzeitig aber auch
ein differenziertes Berechnungsschema, was wirklich nur die in Anspruch genommene Leistung
in Rechnung stellt. Eine solche aufwandsgerechte Verrechnung stellt den Anbieter vor
komplexe abrechnungstechnische Probleme.
Insbesondere im Markt für Internet-basierende Informations- und
Kommunikationsdienstleistungen wird von einer Vielzahl von Unternehmen die Komplexität
einer hochdifferenzierten Leistungsverrechnung unterschätzt. Unter Nutzung der
technischen Möglichkeiten und der Beachtung entsprechender Markterwartungen wurden
Gebührenschemata eingeführt, die nicht skalierbar waren und an ihrer eigenen
Komplexität scheiterten. Auch ging die Transparenz für den Kunden verloren, der sich
nicht mehr in der Lage sah, Nutzungsvolumina vernünftig vorzuplanen und sich mit
unerwartet hohen Kosten konfrontiert sah.
Die zugrundeliegenden Abrechnungssysteme sind oftmals überfordert, und die Kosten der
Abrechnung können in bestimmten Fällen sogar den Wert der erbrachten Leistung
übersteigen. Mittels sogenannter Micropayment
Systeme (siehe Inset) wird versucht, die Abrechnungsproblematik von Kleinstbeträgen
kosteneffizient zu lösen.
Für den Anbieter von Informations- und Kommunikationsdienstleistungen wird es
zukünftig erfolgsrelevant sein, wie gut die Qualität und der Leistungsumfang seines
Abrechnungssystems ist. Er muß bereits in der Servicedefinition berücksichtigen, welches
Abrechnungsdetail angeboten werden kann und soll. Unter Umständen wird er sich sogar für
ein kostengünstiges Festpreisangebot entscheiden, da die Kosten eines differenzierten
Preisgefüges nicht im richtigen Verhältnis zur erbrachten Leistung stehen.
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Micropayment Systeme
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Im Zuge der Entwicklung neuer
internetbasierender Anwendungen und Serviceangebote wurde mit neuen Formen der Abrechnung
experimentiert, die eine differenzierte Leistungsverrechnung ermöglichen sollten.
Beispielsweise wurde seitens der Informationsdienstleister die stufenweise Abrechnung von
Abstrakt, Volltext oder Abschnitt angedacht, die völlig neue Nutzungsformen für
Informationsdatenbanken ermöglichen soll. Auch differenziertes Abrechnen beispielsweise
von Suchdienstleistungen innerhalb einer Datenbank, Abhängigkeit von Suchumfang, -detail
und -geschwindigkeit zählt zu den möglichen neuen Anwendungen von
Kleinstabrechnungsverfahren, auch Micropayments genannt. Herkömmliche Abrechnungsverfahren sind heute nicht in der Lage, diese
Kleinstbeträge kosteneffizient zu verrechnen, das heißt, die Kosten der Abrechnung
überschreiten den Wert der eigentlichen Leistung. Beispielsweise ist die
Kreditkartenabrechnung aufgrund ihrer Komplexität und der damit verbundenen
Kostenstruktur nicht für Beträge unter 10,- DM geeignet. Daher werden zur Zeit spezielle
Micropaymentverfahren zur Abrechnung von Kleinstbeträgen bis in den Zehnpfenningsbereich
erprobt. Das von der Firma Digital Equipment entwickelte Millicent Abrechnungsverfahren
war eine der ersten Lösungen und soll im zweiten Quartal 1999 zum realen Einsatz kommen.
Weiterführende Informationen dazu findet der interessierte Leser unter folgender
Internetadresse: www.millicent.digital.com/faq/index.html |
Eine Vielzahl der angesprochenen Serviceanbieter im Internet hat sich für den
Konsumentenmarkt bereits wieder von komplexen Abrechnungsmodellen zugunsten einfacher und
kostengünstiger Festpreisangebote verabschiedet. Der Kunde schätzt die Transparenz und
Kalkulierbarkeit eines Festpreises, solange er ein durchschnittliches Nutzungsverhalten
zeigt. Sobald die Nutzung vom Durchschnitt abweicht, entsteht der Wunsch nach einer
differenzierteren Leistungsberechnung, die das eigene Nutzungsverhalten in positiver Weise
berücksichtigt. Dazu zählen beispielsweise Diskountschemata und Viel- und
Wenignutzertarife.
Durch einfache und transparente Abrechnungsverfahren für den breiten Massenmarkt wird
es schneller möglich, eine kritische Masse von Nutzern zu akkumulieren und darüber
alternative Umsatzquellen - wie beispielsweise Werbeeinnahmen - zu erschließen. Das
Modell wird zunehmend von amerikanischen Diensteanbietern implementiert.
Diese Thematik stellt sich im Bereich der Unternehmen, wo die Nachfrage nach
differenzierter Leistungsverrechnung von Marktseite größer ist als im Konsumentenmarkt,
ganz anders dar. Dort ist der Aufwand einer solchen Verrechnung aufgrund höherer
Leistungsvolumina trotz oder gerade wegen größerer Leistungskomplexität eher zu
rechtfertigen.
Vergleicht man heute Serviceabrechnungen im Telekommunikations- oder Bankenbereich der
USA mit denen deutscher Anbieter, lassen sich noch immer deutliche Unterschiede in der
Qualität der Leistungsabrechnung erkennen. Zukünftig wird insbesondere das Abrechnen
unterschiedlicher Services aus einer Hand (Multiservice Billing) die Unternehmen vor neue
Herausforderungen stellen. Differenzierte Leistungsverrechnung wird insgesamt zum
wesentlichen Service- und damit Erfolgsfaktor.
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